Mittwoch, 14. März 2012

Der rote Rucksack

Safety First“ steht in Großbuchstaben gut sichtbar auf der Frontseite. Sicherheit für Mensch, Schiff und Ladung bedeutet: klare Regeln, Umsicht und Vorsicht. Und was ist, wenn doch, also, wenn doch etwas passiert?

Ich habe „Kopf“ und „Herz“ der „Dame“ kennengelernt, was fehlt ist etwas, dem man sozusagen die Seele zuordnen könnte. Wo sollte ich die Seele eines Tankschiffes finden?

Von der Brücke aus geht es an die frische Luft. Die weiße Metalltür ist mehrfach verriegelt und sie verspricht drinnen schon, wovon man draußen, überall sichtbar, umgeben ist,- Stahl. Versteckt zwischen Schornstein und Aufbauten befindet sich die nächste „Treppe“ nach oben, eine Leiter, eine Leiter fast direkt in den Himmel, d.h.auf das Dach der Brücke, wo Radar und Antennen „zu Hause“ sind.

Dieser Platz hat etwas von einem Sonnendeck. Der gleißende Planet am blauen Himmel und das Blau des Wasser lassen hier oben ganz schnell das Tankschiff vergessen. Ein tolles Fotomotiv jagt das andere. Mein Fotografenherz bekommt einen Knacks, die Kamera hängt wie ein Stein am Hals,- aber „Safety First“!

Vorerst geht es über die Himmelsleiter wieder ein Stockwerk tiefer. Eigentlich wollte ich vorbei gehen, aber im letzten Augenblick merke ich, dass ich da etwas links liegen lasse, an dem mir etwas liegt. Immer wenn ich Bilder des Schiffes sah, dann fiel mir dieser „rote Rucksack“ auf. Natürlich war mir längst klar, dass es sich um das Rettungsboot handelt, aber der Huckepack-Stil seiner Befestigung weckte in mir immer die Assoziation von "Rucksack".

Ich äußere den Wunsch und wieder öffnet sich eine verriegelte Metalltür,- viel kleiner diesmal und orangerot.

Wie das Bügeleisen im Bügelbrett hängt das Rettungsboot bergab in seiner Gleitvorrichtung, fertig für den Notfall. Im Inneren zeigen sich gepolsterte, schwarze Ledersitze, paarweise in zwei Reihen, mit dem Rücken zur Fallrichtung gedreht. Der einzige, der in Fallrichtung sitzt, ist der Steuermann des Rettungsbootes. Ich merke, wie ich Herzklopfen bekomme. Das Innenleben ist eng und dunkel, ein Überlebensraum.
Im Falle eines Falles liegt die Lebensrettung im freien Fall und ist, über etliche Meter, der Sprung ins kalte Wasser und wie der Kapitän zu sagen weiß: „Eine echte Chance“! Da wird mir bewusst, was die Seele eines Schiffes ist.




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Dienstag, 13. März 2012

Treppauf-Treppab

Schmale, steile Treppen führen aufwärts. Es ist verwirrend und unmöglich die Stockwerke zu unterscheiden, für's Erste. Bei mir stellt sich ein seltsames Wach-Traum-Gefühl ein.


Dann stehen wir im 2-Zimmer-Bad und „Koch“ - Apartment des Kapitäns. Welches Stockwerk ist das jetzt eigentlich? Der Blick aus den Fenstern ist jedenfalls großartig. Himmel und Meer sind beinahe farbgleich. Heute heben sich alle übrigen Farben mit großer Klarheit ab, ein Bilderbuchblick.

In der Kombüse, der Schiffsküche, gibt es Kaffee, frisch gebrüht und alles andere als dünn. Das bewährte Getränk hält die Augen offen für die Nachtarbeit, denn an Bord ist immer jemand wach.


Das Schiff ist Arbeitsplatz rund um die Uhr und rund ums Jahr, in diesem - 366 Tage! Zurück in der Kajüte ist ein paar Minuten Zeit die ersten Eindrücke zu verarbeiten, ein paar Fotos zu machen. Hier ist gestattet, was an Deck strikt verboten ist: Offenes Licht, Rauchen, Fotografieren, u.a.! Tankschiffe haben äußerst strenge Auflagen, das ist klar.

Der Kopf ist oben! Das ist auch bei Schiffen nicht anders. Die Steuerzentrale liegt zu oberst und heißt hier „Brücke“. Wie ich mir schon dachte: ein langgestrecktes Steuerpult mit Bildschirmen, Tafeln, Tasten und Telefonen ist das Zentrum vor riesigen Fenstern, die schräg nach unten-hinten fallend mit Scheibenwischern ausgestattet sind, wie beim Auto.


Der Blick ist noch einen Deut großartiger als im Deck darunter. Von hier aus richtet sich der Über-Blick nicht nur auf das Schiff, sondern auf die See, auf die dicht befahrenen Schifffahrtsstraßen der Meere. Überblick haben ist pure Sicherheit.



Der Kapitän zeigt uns die drei Steuereinheiten, von denen aus das Schiff von Hand in Position gebracht wird, wenn der Autopilot ausgeschaltet ist: eine in der Mitte, eine rechts und eine links. "Die Dame" möchte sanft an den Kai gelegt werden.


Ungezählte Stockwerke führen vom Kommandoteil ins Herzstück, den Maschinenraum. Von der hell erleuchteten Überwachungskabine fällt der Blick durch breite Fenster hinunter.

Alles ist unter Dach und Fach, die Dimensionen schwer erkennbar, aber 11 300 Tonnen Stahl wollen bewegt werden. Die Lautstärke auf See, die hier unten herrscht, ist schwer vorstellbar. Auch ein Arbeitsplatz an Bord!

Vom Maschinenraum aus geht es nur aufwärts, wieder die schmale Treppe und irgendwo mittendrin, ich habe die Stockwerke nicht gezählt, liegt die Messe. Keine kirchliche Veranstaltung, wie man meinen könnte, sondern „das Esszimmer des Einfamilienhauses“. Der Treffpunkt der Crewmitglieder sieht gemütlich aus, verglichen mit der stählernen Welt, die wir mit Ausnahme der Captains-Cabine bisher sahen ....



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Montag, 12. März 2012

Treppauf-Treppab

Schmale, steile Treppen führen aufwärts. Es ist verwirrend und unmöglich die Stockwerke zu unterscheiden, für's Erste. Bei mir stellt sich ein seltsames Wach-Traum-Gefühl ein.



Dann stehen wir im 2-Zimmer-Bad und „Koch“ - Apartment des Kapitäns. Welches Stockwerk ist das jetzt eigentlich? Der Blick aus den Fenstern ist jedenfalls großartig. Himmel und Meer sind beinahe farbgleich. Heute heben sich alle übrigen Farben mit großer Klarheit ab, ein Bilderbuchblick.

In der Kombüse, der Schiffsküche, gibt es Kaffee, frisch gebrüht und alles andere als dünn. Das bewährte Getränk hält die Augen offen für die Nachtarbeit, denn an Bord ist immer jemand wach.

Das Schiff ist Arbeitsplatz rund um die Uhr und rund ums Jahr, in diesem - 366 Tage! Zurück in der Kajüte ist ein paar Minuten Zeit die ersten Eindrücke zu verarbeiten, ein paar Fotos zu machen. Hier ist gestattet, was an Deck strikt verboten ist: Offenes Licht, Rauchen, Fotografieren, u.a.! Tankschiffe haben äußerst strenge Auflagen, das ist klar.

Der Kopf ist oben! Das ist auch bei Schiffen nicht anders. Die Steuerzentrale liegt zu oberst und heißt hier „Brücke“. Wie ich mir schon dachte: ein langgestrecktes Steuerpult mit Bildschirmen, Tafeln, Tasten und Telefonen ist das Zentrum vor riesigen Fenstern, die schräg nach unten-hinten fallend mit Scheibenwischern ausgestattet sind, wie beim Auto.

Der Blick ist noch einen Deut großartiger als im Deck darunter. Von hier aus richtet sich der Über-Blick nicht nur auf das Schiff, sondern auf die See, auf die dicht befahrenen Schifffahrtsstraßen der Meere. Überblick haben ist pure Sicherheit.


Der Kapitän zeigt uns die drei Steuereinheiten, von denen aus das Schiff von Hand in Position gebracht wird, wenn der Autopilot ausgeschaltet ist: eine in der Mitte, eine rechts und eine links. "Die Dame" möchte sanft an den Kai gelegt werden.


Ungezählte Stockwerke führen vom Kommandoteil ins Herzstück, den Maschinenraum. Von der hell erleuchteten Überwachungskabine fällt der Blick durch breite Fenster hinunter.

Alles ist unter Dach und Fach, die Dimensionen schwer erkennbar, aber 11 300 Tonnen Stahl wollen bewegt werden. Die Lautstärke auf See, die hier unten herrscht, ist schwer vorstellbar. Auch ein Arbeitsplatz an Bord!

Vom Maschinenraum aus geht es nur aufwärts, wieder die schmale Treppe und irgendwo mittendrin, ich habe die Stockwerke nicht gezählt, liegt die Messe. Keine kirchliche Veranstaltung, wie man meinen könnte, sondern „das Esszimmer des Einfamilienhauses“. Der Treffpunkt der Crewmitglieder sieht gemütlich aus, verglichen mit der stählernen Welt, die wir mit Ausnahme der Captains-Cabine bisher sahen ....


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Der Duft nach Diesel

Die staubige Straße ist schnurgerade. Vom klarblauen Himmel brennt die Frühnachmittagssonne, ohne nur im Geringsten die kalte Seeluft zu erwärmen. Hinter Stacheldraht bewehrten Zäunen ziehen mindestens zwei Dutzend Zisternen eines Tanklagers am Autofenster vorbei.

Die Fahrt endet vorerst vor einem Gittertor, das quer über die Straße den Weg versperrt. Ungerührt starrt uns ein Kameraauge von der Mitte aus an. Auf der Gegenseite nähert sich ein Tanklastzug dem selben Tor. Bevor der es erreicht, öffnen sich ganz plötzlich die beiden Flügel wie Arme und geben die Durchfahrt frei, auch für uns.

Ein seltsam mulmiges Gefühl beschleicht mich. Am Kontrollpunkt hatte ich eigentlich eine bemützte Uniform erwartet, mit der schroffen Frage: „Ausweis?“ Aber nichts dergleichen, nur die lautlose Aufforderung des Tores, hereinzukommen, der wir prompt folgen. Noch ein paar hundert Meter begleiten uns Pipelines, Tanklager und Bürogebäude am Rand der Straße. Dann stellen wir das Auto ab.

„Sie“ liegt fest vertäut am Kai. „Sie“?,- ist ja eigenartig! Handelt es sich um ein Schiff, ist der Name egal.  „Sie“ ist und bleibt „eine Frau“, auch wenn „sie“ auf „Peter“ getauft wäre. Zumindest weiß damit jeder, es handelt sich um ein Schiff.



Die „Dame“ im Wasser umgibt ein Duft nach Diesel. Bei der Wahl ihres Parfüms hat „sie“ keine Wahl und das hat „sie“ mit allen Tankschiffen gemeinsam.

Hinter einer weiteren Absperrung ist alles mögliche verboten, auch das Fotografieren. Das zeigt eine knallgelbe Warntafel. Und man braucht nicht näher erklären warum, wenn schon an jeder Tankstelle das Handy auf „OFF“ zu stehen hat.



Das Schiff ist an mehreren Stellen mit dem Land verbunden: Mit Tauen, flexiblen Rohrleitungen und mit einer schmalen silbrig glänzenden Gangway, über die wir auf das Schiff gelangen.

Außer einem Matrosen ist niemand zu sehen. Als der den Kapitän bemerkt, fliegt ein Lächeln über die asiatischen Gesichtszüge und ich merke, wie sich die innere Haltung verändert.

Weiter geht es zwischen Rohren, Reling und mancherlei Mechanischem. Eine dicke gelbe Linie auf dem roten Schiffsboden markiert, wo wir laufen dürfen. Der Weg führt uns geradewegs zu den Aufbauten, einem Einfamilienhaus nicht unähnlich. Der Raum, den wir zuerst betreten, ein Arbeitsplatz, von dem aus das Laden und Löschen gesteuert wird. Hier tragen wir uns in das Besucherverzeichnis ein: Name, Uhrzeit und Datum. Wir sind angemeldet, Ausweisnummern und andere Personendaten liegen der Reederei längst vor …..



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