Mittwoch, 4. April 2012

Traumstraße E22

Verglichen mit dem Highway One, der legendären Route 66 oder der Seidenstraße ist die E22 keine Traumstraße, wenngleich ich in ihrem „Schatten“ Träume verwirklicht habe.


Wer auf der E22 die schwedische Ostküste befährt muss Zeit mitbringen, um links und rechts die Besonderheiten zu entdecken. Das braucht Urlaub.

Auf der Heimreise hat man genau das nicht mehr. Man ist um jeden Kilometer froh, der hinter einem liegt, der ohne große Anstrengung abgehakt werden kann. Wer über Jahre immer wieder gleiche Wege nimmt, dem verbirgt sich nicht, dass sich Straßen verändern.

Die frühere E66, es entzieht sich meiner Kenntnis, warum sie umbenannt wurde, wurde mit Geldern der EU an die heutige Verkehrslage angepasst. Nur noch wenige Ortschaften werden durchschnitten (gut für die Menschen), dafür umso mehr Wälder (schlecht für die Umwelt). Mobilität hat ihren Preis, da ist Umsicht gefragt.

Die Fahrbahn der Europastraße wurde an vielen Stellen von zwei auf drei Spuren erweitert, ein „schwedisches System“, halb Autobahn, halb Landstraße; leider auch versehen mit den, für mich unerklärlichen "Sicherheitsleinen" und deshalb nichts Halbes und nichts Ganzes! Es stellt sich nicht nur mir allein die Frage, wer die „Drahtzieher“ hinter diesem Sicherheitssystem sind, das alles andere aber nicht sicher, äußerst anfällig und sogar gefährlich ist.

Der Mensch baute und baut sich sein Wegenetz aus unterschiedlichen Gründen. In meinem Fall übt es, neben seiner Funktion als „Reisemittel“, eine merkwürdige Anziehungskraft aus. Es verbindet mir Heimweh und Fernweh miteinander …


… Holyhead an einem regnerischen Vormittag: die wallisische Stadt wirkt genauso grau wie die Irische See, die von einer Schlechtwetterfront aufgepeitscht wird. Wir sind nicht freiwillig in Holyhead, sondern warten auf die Fähre für die Überfahrt von Wales nach Irland....


 
Wer sich dem unscheinbaren Holyhead von Osten her nähert, tut dies für gewöhnlich mit dem Auto. Die karge Stadt in der baumlosen Landschaft hat auf den ersten Blick nichts Besonderes, außer den Hafen. 

Dieser Flecken in Wales, das Schmiedehäuschen und meine Wahlheimatstadt haben etwas gemeinsam, das man ungefähr so beschreiben kann: Sie sind drei Knoten an einer Schnur. Holyhead ist nämlich der Ausgangspunkt „meiner“ E22.  Die Straße gehört zu den längsten Europas. Sie berührt auf ihrer Strecke sechs Länder und jetzt sogar zwei Kontinente, denn sie wurde bis Asien verlängert. So ist ihr Endpunkt heute die russische Stadt Ischim in Sibirien.


Vielleicht ist die E22 da und dort doch eine echte Traumstraße? Wer weiß,- um das zu er-fahren dauert es 5320 Kilometer!

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