Montag, 11. Juni 2012

Die "Königin des Frühlings"

Hätte mich kürzlich jemand gefragt, ob ich weiß, wie Mispeln aussehen oder schmecken, hätte ich passen müssen. Da stand ich also vor dieser Obstkiste und las den Namen, „zog“ ihn zeitgleich aus dem hintersten Winkel meines Erinnerungsarchivs, assoziierte ihn mit „Mistel“, um kurz darauf jeglichen Bekanntheitsgrad zu negieren.



Die Mispel ist eine alte Frucht, variierend im Aussehen je nach Herkunft. Tatsächlich hat die Mispel, wie sie vor mir lag, nur den Namen mit dem Wildobst heimischer Waldränder und Gärten gemeinsam, alles andere ist komplett verschieden, das stellte ich aber erst später zu Hause fest.

Das Obst vor mir in der Kiste hatte etwas von gelben Pflaumen, gemischt mit Aprikosen, nur runder. Auf meine Frage: „Wie schmecken die“, antwortete der Standbesitzer, ein geschäftstüchtiger Mann aus dem Nahen Osten: „Probieren sie, probieren sie“. Natürlich, Geschmäcker sind verschieden und wie etwas schmeckt, das entscheiden eigene Erfahrungen und die Nuancen des Geschmacksorgans.

Die Neugier nährt die Entschlusskraft, der Frucht auf die Spur zu kommen. Ich kaufe ein knappes Pfund.

Wie gesagt, meine Mispeln hatten wenig zu tun, mit dem, was an heimischen Waldrändern gewöhnlich wächst. Die gerbsäuerehaltige Frucht braucht den ersten Frost, ähnlich den Schlehen. Frost und Schweden, das liegt gedanklich nicht weit auseinander. Das brachte mich auf die Idee dem Kulturrelikt selbst mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Auf ihrer „Wanderung“ in den Norden ist die Mispel nämlich auch in Schweden und Norwegen angekommen. Hier zeigt sich das gleiche Bild: die Frucht, der Baum, im Großen und Ganzen in Vergessenheit geraten.

Dabei würde sie hier bis in die Stockholmer Gegend wachsen. Auf der norwegischen Seite bis Trondheim, dem Golfstrom sei Dank. Und nun habe ich einen Versuch gestartet: die Kerne einiger Mispeln über Nacht in Wasser gelegt und am folgenden Tag in Blumentöpfen in die Erde gedrückt.
Das soll funktionieren und nach einer Anzahl Tagen kleine Baumsprosse daraus hervorwachsen.





Allerdings tragen die Kerne das Erbgut der südlichen Arten in sich. Aber spannend bleibt es doch die „Königin des Frühlings“, wie sie in Spanien heißt, hier wachsen zu sehen.


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Sonntag, 10. Juni 2012

Der Dom von Linköping

Noch sind nur einzelne Häuser weitflächig über die Ebene verstreut. Die Nähe der Stadt kündigt sich ganz anders an. Der Turm der Domkirche von Linköping, ganze 107m hoch, steht als Wahrzeichen weithin sichtbar über dem Horizont.



Allmählich wird die Bebauung dichter. Ein Flugplatz und der namhafte schwedische Flugzeughersteller begleiten die Straße vom Rand der Stadt mit Gelände und Gebäuden in Richtung Stadtmitte. Der Dom und selbst der Turm verschwinden zwischen den mehrstöckigen Häusern.

Wir wissen, wohin die Reise gehen soll. Ein Platz für den PKW ist schnell gefunden. Linköping lässt seine Besucher „nicht im Regen stehen“. Und nebenbei bemerkt, hat es wirklich aufgehört zu gießen. Das Gewitter hat die Luft gereinigt und ist rechtzeitig zur Stadterkundung weitergezogen.

Wir hatten uns vorgenommen Linköping ab und zu einen Besuch abzustatten. Besonders angetan hat es uns der Gemüsemarkt. Aber diesmal wollte ich unbedingt den Dom von innen sehen, dieses stattliche mittelalterliche Bauwerk, das die Stadt so nachhaltig prägt.

Die gotische Kirche gehört mit ihren 110m Länge zu einer der größten im Norden, neben dem Dom von Uppsala und dem Nidarosdomen in Trondheim. Wie an den meisten Kathedralen Europas wurde auch am Dom von Linköping mehrere Jahrhunderte gebaut. Er gehört heute zu einer der besterhaltenen gotischen Kirchen.

Die ersten Grundmauern einer Kirche an diesem Ort befinden sich unter dem Fußboden des heutigen Doms. Schon 1251, dem Jahr, als ein Sohn Birger Jarls hier zum König gekrönt wurde, fanden Ausbauarbeiten statt. Mehr und mehr wurde aus der romanischen Basilika ein gotisch ausgestatteter Dom.

Steinmetze aus unterschiedlichen Regionen, sogar aus Köln, arbeiteten am Dom mit. Das zeigen  172 verschiedenen Steinmetzzeichen, die an etwa 6000 Steinen sichtbar sind. Es war üblich jeden gehauenen Stein mit dem eigenen Zeichen zu versehen.

Im Zusammenhang mit der Reformation wurde nach und nach der Silberschatz des Dom beschlagnahmt. Man geht davon aus, dass etwa 80 kg des Edelmetalls in neue Hände kamen.




Wie üblich hatte auch die Domkirche ihren eigenständig stehenden Glockenturm. Nach unterschiedlichen Vorschlägen einigte man sich einen Turm aus Ziegeln auf der Westseite des Kirchenschiffs zu errichten. Dorthin übersiedelten die Glocken im Jahre 1758, die seitdem die Reisenden schon aus der Ferne begrüßen.

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