Dienstag, 19. März 2013

camerata nordica



Die Kirche liegt auf einem Hügel über dem Ort Gamleby. Das schlichte weiße Gemäuer täuscht diesmal nicht über den Innenraum hinweg, in dem sich dieselbe Schlichtheit fortsetzt. Einfache Linien, moderne Sakralgegenstände und ein paar Holztafeln an den Wänden sind ihr Schmuck. Die farbige Bänderung des Gesimses zieht sich über drei Seiten des Kirchenschiffes.

Seltsam prunkvoll hängen dagegen die Kandelaber von der hohen Decke. Der Raum ist hell, Weiß ist die vorherrschende Farbe an Wänden und Decke mit wenig Goldglanz veredelt. Protestantische Einfachheit empfängt den Besucher. Aber es ist nicht kalt, schwedische Kirchen werden im Winter so gut beheizt, dass man getrost seinen Mantel in der Garderobe abgeben kann.

Ich bin zum dritten Mal hier. Der Anlass war immer der gleiche: Es ist Kirchenkonzert! Ich war lange nicht mehr zu einem dieser kostenfreien Konzerte, die landauf-landab fast das gesamte Jahr hier und dort stattfinden. Heute zieht, um ehrlich zu sein, der Name des Orchesters: camerata nordica, eines der führenden Kammerorchester Schwedens, das ich bisher schon drei Mal das Vergnügen hatte, zu hören.

Der Programmablauf ist wie gewohnt, von der Klassik zur Moderne: W.A.Mozart, J.S. Bach in einer Bearbeitung des finnischen Komponisten Kalevi Ahno, von dem ich keine Ahnung hatte, wer er ist und eine Sonata des Britten Wiliam Walton, der mir ebenfalls unbekannt war. Für mich also eine musikalische Reise vom Bekannten ins Unbekannte.

Die melodischen Tonabfolgen eines Mozart gehören jedenfalls eher zu meinen Hörgewohnheiten, als dissonante Klänge in synkopierten Rhythmen. Obwohl ich mich früher viel mit Musik beschäftigt habe, ist ein Kritiker „spurlos an mir vorübergegangen“. So genieße ich meine Hörgewohnheiten und warte gespannt auf die Neue Musik, die mit Sordinoklängen einer Bratsche beginnt, weich und ohne „Pauken und Trompeten“ (die es in einem Streichorchester nicht gibt)

Die Reihen sind mäßig besetzt. Man kennt sich unter den zuhörenden Musikenthusiasten, ohne die es die Kirchenkonzerte wohl nicht mehr gäbe. Junge Leute fehlen fast ganz unter den Besuchern.

Die camerata nordica ist zwar ein schwedisches Kammerorchester, die Besetzung ist jedoch international. Der musikalische Leiter stammt aus Norwegen, neben schwedischen findet man japanische, finnische und südeuropäische Namen unter den Musikern.


Welch ein Reichtum, nicht nur an Kultur und Klang, sondern auch an Harmonie, wenn alle am gleichen Strang ziehen.

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