Dienstag, 18. Juni 2013

Die Birkeninsel

Das Taxiboot ist Fährverkehr auf Bestellung.



Heute geht es mit dem Naturschutzverein auf die Birkeninsel oder besser nach "Björkö". 300 Hektar Wald, Wiesen, ein wenig Ackerfläche, eine Hand voll Gebäude und ein paar Felsen ragen aus dem Ostseewasser.


"Björkö"

Im Eiltempo dauert die Überfahrt 16 Minuten. Weißschäumend spritzt die Gischt ins Wasser. Klippen mit Kormoranen und Möwen ziehen vorbei. Die Vögel sind Motorengeräusch gewöhnt und bleiben unbeeindruckt. Einige breiten genüsslich ihr Gefieder zum Sonnenbad aus.

Es ist ein entspannter Tag. Ich muss keine Wege suchen. Für Unerfahrene ist die Inselwelt sowieso verwirrend. Kundige höre ich zwischendrin bekannte Inselnamen nennen. Für mich sieht eine aus, wie die andere. "Kennst Du eine, kennst Du alle", das stimmt aber nicht!

Auf Björkö selbst sorgen unsere Wanderführer für Orientierung. Ein Dauerinsulaner holt uns am Anlegeplatz ab. Der Empfang ist herzlich.

Im Moment bewohnen drei Familien die Insel. Den Lebensunterhalt bestreiten sie mit Landwirtschaft, Fischerei, ein wenig mit Fremdenverkehr. Manche arbeiten auf dem Festland. Im Winter war das ziemlich mühsam. Seit es das Luftkissenboot gibt, ist Erleichterung spürbar.

Zuerst soll es heute auf "Orchideenjagd" gehen. Björkö ist Naturschutzgebiet: Keine Straßen, keine Autos, nur Wald- und Wiesenwege. Auf der Insel herrscht viel Ruhe. Was gebraucht wird, muss vom Festland herangeschafft werden, Sommer wie Winter, immer!




Zuerst wandern wir in den Nordteil. Unser Ziel ist ein kleines Moorgebiet, an dessen Rand Orchideen wachsen. Tatsächlich finden wir drei blühende. In der Nacht zuvor hat es heftig geregnet. Meine wasserundurchlässigen Wanderschuhe machen sich bezahlt. Feuchtigkeit und Sonne halten den Wald schwülwarm und die Mücken am Leben. Das Gegenmittel der Wahl ist zum Glück dabei. Eine Flüssigkeit mit dem verheißungsvollen Namen MYGG, die gar nicht mal übel duftet und im hohen Norden getestet wurde.

Wir laufen steil bergab ans Wasser. Dort, fast am Ufer, wurde ein klitzekleines Haus in alternativer Bauweise errichtet, ein Überlebenscamp ohne Bequemlichkeit, aber ausreichend, um einige der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen zu decken: Wärme, Sicherheit und Schutz.






Eine ganz andere Welt auf der Insel sind die Felskuppen. Kaum bewachsen, mit wundervoller Sicht über den Schärengarten, steht hier der Treffpunkt der Bewohner. Gemütlich und hell, ein paar Sitzgelegenheiten, ein Regal voller Bücher. Gerade als alle sich einen Platz drinnen ergattert haben öffnet der Himmel seine Schleusen. Das war richtig Glück. Das Plätschern draußen und die spannenden Erzählungen drinnen, die Gesellschaft Gleichgesinnter ist wird zu einem besonderen Erlebnis.

So schnell der Regenschauer kam, so schnell zieht er weiter und hinterlässt ein frischgewaschenes, funkelndes "Björkö". Wir machen uns auf, in den Südteil der Insel. Es ist die kürzere Strecke. Alle Wegabzweigungen enden irgendwo am Wasser, meist führen sie zu den kleinen roten Häuschen, für die Schweden bekannt ist.

Unser Weg endet in einem Garten, einem typischen, wie er zu solchen Torpstellen gehört. Diese hier hat einen neuen Besitzer gefunden, der sie am Leben hält. Als er das Torp übernahm, war es in schlechtem Zustand. Mit Geduld, Zeit und Geld wurde es zu dem, was es früher war. Jetzt wird es als Ferien- und Wochenendhaus genutzt, eines mit Geschichte.


Im Torp


Eine Familie mit 10 Kindern lebte hier, wobei sicher die größeren nicht mehr daheim waren, als die jüngsten geboren wurden. Als die Frau aus Unaxchtsamkeit eines Tages ihre rechte Hand verlor, erzählt man sich, dass sie am Abend bereits mit der linken weitergearbeitet hätte. Inselleben hat neben der idyllischen auch  harte Seiten. 


gärdesgård, der traditionelle Zaun














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Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

ein wunderschöner Ausflug und Deine Fotos strahlen Ruhe und Frieden aus. Das Häuschen stelle ich mir urgemütlich vor.

Liebe Grüße
Jutta

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
wieder eine wunderschöne Landschaft. Bin begeistert. Kann nachvollziehen, wieso Dich Schweden dermaßen reizt.

Gruß Dieter

Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Beate,

einen sehr interessanten Bericht mit sehr schönen Fotos zeigst Du da. Danke dafür. Es ist eine Welt die mich faziniert, doch leider zu weit von mir entfernt ist.

Ich wünsche Dir noch viele solcher schönen Ausflüge in so wunderbare Landschaften.

Viele Grüße von der deutschen Nordsee sendet Dir
Nachtfalke