Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Mispelstory

Fast ein Jahr ist es her, seit ich aus den glatten braunen Kernen das erste Mal Leben sprießen sah. Nach einem langen grauen Winter und einem späten Umzug von der Fensterbank in den Garten, hatten es die Sonne und Wärme liebenden Mispeln in den vergangenen Wochen selbst in Schweden richtig gut.
 


Einerseits ist das erfreulich. Der Wachstumsschub ist nicht zu übersehen. Andererseits macht mich das auch ein wenig nachdenklich. Es heißt zwar, "Kein Baum wächst in den Himmel", aber lange vorher ist es Zeit einen Standort für sie zu finden. Mispeln werden immerhin bis zu sechs Meter hoch und bekommen eine weit ausladende Krone. 


Natürlich haben meine Bäumchen vorerst noch etwas Zeit. Die ersten Blätter haben in den vergangenen Monaten ungefähr Originalgröße erreicht. Das feste, dunkelgrüne Laub ist handgroß und für mich ein Zeichen, dass sie gedeihen. Auch schiebt die Baumspitze ein um das andere Blatt nach, silbergrün und weich. Im Frühjahr umgetopft, hat der Wurzelballen wieder Luft und Raum sich zu vergrößern.




Im kommenden Winter brauche ich mir um den Standort keine Gedanken zu machen. Auf der Fensterbank ist immer noch reichlich Platz. Sie von draußen nach drinnen zu tragen ist immer noch ein Kinderspiel.

Irgendwann kommt die Zeit, in der es für die Bäume ein Kinderspiel sein wird "mich zu tragen". Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es eine der folgenden Generationen sein wird, die in ihren Ästen sitzt und die Früchte verspeist. Das jedenfalls wünsche ich mir.





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Samstag, 27. Juli 2013

Sonnenatem

Über dem Asphalt flirrt die Luft. Über Blumenwiesen liegt einzig das Zirpen von Grashüpfern, zwischen dem einzelne Schmetterlinge taumelnd nach Feuchtigkeit in den Blüten suchen. Alles ist auf der Suche nach Wasser, wenn der Sonnenatem das Land verbrennt.

Mit jedem Schritt auf dem Feldweg steigen kleine lehmbraune Wölkchen auf, bevor der Schuh seinen Abdruck im Staub hinterläßt. Stein und Fels halten die Wärme für die Nacht . Wer hier überlebt hat ganz bestimmte Fähigkeiten über lange Zeiträume entwickelt. Eine davon ist, die Farbe der Sonne anzunehmen.











"Der nächste Regen kommt bald", flüstern Tiere und Pflanzen sich insgeheim Mut zu. Und blühen und verzaubern die Welt derweil mit ihren Farben und Düften und verwandeln den Sonnenatem zu einem Fest der Sinne.








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Donnerstag, 25. Juli 2013

O SOLE MIO

Der Besuch ist fort. Wie immer, am Tag danach, beschleicht mich ein kleiner Katzenjammer, wenn es schön war. Der vertieft sich einerseits durch kleinere Berge von Geschirr, das spülreif auf dem Tisch wartet. Ich gestehe, ich konnte mich gestern nicht mehr dazu aufraffen, die Arbeit noch in trockene Tücher zu bringen. Statt dessen wollte der "italienische Tag" sanft ausklingen. Und bevor ich es vergesse, Roswitha, dein Rezept für eine Tiramisu mit Rhabarber war der Hit des Nachmittags!

Dem Morgen danach war andererseits auch nicht sonderlich gastlich zumute. Er hüllte die Sonne in Wolken, wie dicke Strümpfe schöne Beine: Nichts zu sehen, nur zu ahnen. Spülarbeit und Bewölkung passen sowieso besser zusammen, finde ich. Aber irgendwann ist alles wieder dort, wo es hingehört, die Gäste daheim und die Teller im Küchenschrank. Bleibt der Rest des "Tages danach".

Nachdem die Kalorienzufuhr mit den "Frutti" der Cucina italiana ungefähr die ist, die ich sonst an 1 1/2 Tagen brauche, ich aber von Hungertagen nichts halte (mein Körper schaltet da schnell auf "NOT"), blieb nur, das Bewegungsprogramm entsprechend hoch zu fahren.



So etwas muss ich rechtzeitig andenken, um meinen Schweinehund nicht aufzuschrecken. Bin ich dann mal im Fahrradsattel geht es nämlich mit Freude!



Diesmal soll es ein Blitzbesuch beim Hjorten sein. Der Hjorten ist ein See außerhalb des Städtchens und wer schon einmal die Europastraße 22 von oder nach Stockholm gefahren ist, hat ganz sicher schon einen Blick auf den See geworfen. So nahe führt die Straße an ihm vorbei. Für Radler ist die Strecke entspannt. Man nutzt den recht gut ausgebauten Weg daneben.

Der bedeckte Himmel verhindert die Schweißtreiberei, obwohl die Sonne hinter ihrer Gardine kraftvoll an der Temperaturschraube dreht. Auffrischender Wind schiebt die Wolken Richtung Norden davon. Eine wundersam belebende Mischung aus Seewind und Heuduft begleitet die Fahrt und am Wendepunkt strahlt mir blauer Himmel entgegen. Fotowetter vom Feinsten und dabei fiel mir eben der Titel des o.g. Liedes ein!











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Sonntag, 21. Juli 2013

Querbeet

Einmal quer durch meinen Sommergarten




1. Koblauchernte:

Nun konnte ich leider nicht endgültig klären, ob der Koblauch ein- oder zweijährig ist. Das verwelkte Grün der Pflanze deutet auf Einjährigkeit, die Knollengröße auf Zweijährigkeit hin, will heißen sie blieben ziemlich klein. Aber das ist jetzt auch schon egal.




2. Die Kapuzinerkresse im Topf

Wie jedes Jahr eine Augenweide und der schönste Sichtschutz in meinem etwas sonnenarmen Nord- und Westgarten, denn die Blätter werden durch das indirekte Licht ziemlich groß. Nachdem bei der Pflanze alles essbar ist, nehme ich diesen "Nachteil" gerne in Kauf. Leuchtend orange und dunkelrote Blüten gibt es auch ein paar. 




3. Das Betenbeet

Die als leicht anbaubar geltenden Roten Beten scheinen ihren Standort regelrecht abgelehnt zu haben. Anfangs sah alles vielversprechend aus, die Anzucht aus Samen gelang. Danach war ich allerdings ein paar Wochen weg, was sie Pflänzchen mir übel nahmen. Schwierig zu sagen, ob das Licht fehlte, Wasser oder die Erde etwas Hornspäne als Dünger gebraucht hätte. Vielleicht gibt mir das kommende Jahr die passende Antwort.

4. Ein Blick auf die Tomaten

Dagegen bieten die Tomaten in diesem Jahr einen besonderen Anblick. Sie haben gerade noch mal die Kurve bekommen. Aus den anfangs dünnen Pflänzchen haben sich noch erstaunliche starke Stauden entwickelt. Die warmen sonnigen Nachmittage haben dazu sicher ihren Beitrag geleistet, wie Düngen und regelmäßiges Gießen.




5. Die Erdbeerrabatte

Sie hat mit diesem Jahr ausgedient. 3 1/2 Glasschüsseln herrlicher roter geschmackvoller Früchte brachte diese kleine Pflanzung hervor. Nun ist Fruchtwechsel in den vier Beeten angesagt. Eine Verjüngungskur und nicht zu vergessen eine Hand voll Hornspandünger stelle ich mir als geeignet vor. Probieren geht über Studieren. 




6. Die Kräuterbank




Sie beheimatet dieses Jahr die Mispelbaumzwillinge, die bald ihren 1. Geburtstag feiern. Dieses Experiment ist keines mehr, denn die beiden Pflanzen kann man getrost inzwischen als Bäumchen bezeichnen. Davon in einem späteren Beitrag mehr. 
Auf der Kräuterbank genießen die südlichen Gäste des Gartens die Nachmittagssonne und die Wärmeabstrahlung der Ziegelwand: Rosmarin, Estragon und zwei richtig buschig gewordene Paprikapflanzen. Die beiden letzteren haben sich ebenfalls gut im Freien erholt und stehen in Blüte.




7. Genuss kommt von Genießen

Garten soll ja nicht nur Arbeit sein, sondern der Raum für sommerliche Mußestunden, die für mich auch mit kulinarischen Köstlichkeiten zu tun haben. Ein Sommer ohne Grillabende? Da fehlt mir etwas. Oder besser, da fehlt mir nichts wenn ....




In diesem Sinn:  Euch allen wunderbare Sommersonnentage!!!!!!!!!

:-)

Samstag, 20. Juli 2013

Urgestein

Småland ist nicht nur „steinreich“, sondern auch steinalt. Als ich etwas über die Geologie unserer Gegend in Erfahrung bringen wollte, traf ich auf höchst erstaunliche Erkenntnisse.

Die Landschaftsgeschichte Smålands, des „kleinen Landes“, ist eng mit der letzten Eiszeit verbunden. Sie gab dem gesamten Norden im wahrsten Sinn den letzten Schliff . Tausend Meter dickes Eis schob sich Richtung Süden, schliff und formte die Landschaft über Jahrtausende. Das Gewicht des Eises drückte den Boden in den Untergrund. Jetzt, lange nachdem das Eis abgeschmolzen ist, ist die Landschaft immer noch dabei, sich wieder aus dem Untergrund zu heben. Die Landhebung ist heute noch alljährlich deutlich in Mittelschweden zu beobachten.


Es ist schwer sich vorzustellen, was die Menschen hier vorfanden, die das Land damals besiedelten. Sie folgten dem zurückweichenden Eis und machten es im Schatten der abschmelzenden Gletscher urbar und hatten dabei immer deren kalten Hauch im Nacken.


Das war vor etwa 12 000 Jahren. Sven Svensson, der „erste Schwede“, hatte es wirklich nicht einfach.

Das steinalte Småland, das Land, das sich vor der Eiszeit hier ausbreitete, würden wir heute nicht wiedererkennen. Das Urgestein, das hier an die Oberfläche tritt, das bis vor kurzem Generationen von Menschen den Rücken beugte, das Leben erschwerte und das heute in den typischen Steinmauern die Landschaft prägt, ist weit älter.

Die letzte Eiszeit ist lange her. Das Gestein, das man hier an der Küste finden kann, ist aber viel älter und geht bereits auf eine Zeit zurück, in der an Menschen nicht einmal zu denken war.


Glühende Lavaströme beherrschten die Erdoberfläche. Dabei wurde das Gestein, in diesem Fall Granit und Gneis, regelrecht gebacken, verformt, gedrückt, gewölbt, bis alles erkaltet und erstarrt war. Erst dann hatte das Leben eine Chance. Die Urzeiten dauerten nicht nur ein paar Jahre, hier fallen selbst die Ziffern hinter dem Komma beträchtlich ins Gewicht!

Västerviker Fleckengestein nennt man in der Geologie diese Steinart. Zu finden hier an der Küste.




Und ungeachtet dessen begegnete ich dieser geologische Besonderheit zufällig im Gestein der Mole. Västerviker Fleckengestein, mit 1,8 bis 1,9 Milliarden Jahren knapp halb so alt wie die Erde ein "Fossil" unter den Steinen.











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Freitag, 19. Juli 2013

Die Stadt an der Bucht


Was lange währt .... Dies ist eines meiner ersten Panoramafotos. Nicht, dass ich bisher keine Panoramen fotografiert hätte, aber diese Art der Fotografie ist mehr als ein Foto. Genau genommen sind es fünf, aus denen sich dieser Landschaftsausschnitt zusammensetzt. Die Fotos werden von einem Programm nahtlos zusammengefügt.
Das Foto zeigt den Gamleby-Viken und mein Heimatstädtchen. Blickrichtung ist Süden.

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Donnerstag, 18. Juli 2013

Hitchcock?



Helle Aufregung ...

... und der erste Gedanke war tatsächlich Hitchcocks "Die Vögel"!

Das Geschrei ist eindeutig und nicht zu überhören. Möwen, nichts als Möwen kreisen über der Stadt. An sich nichts Besonders, aber in der Menge eben doch. Man wundert sich, schaut in den Himmel und sucht nach einer Erklärung des Phänomens. Aber es sind nur die Möwen, die fliegen und schreien, mehr ist nicht zu sehen. Für uns jedenfalls nicht.

Was man hier am Stadtrand zwischen den Bäumen nicht beobachten kann, verbreitet sich des nachts wie ein Lauffeuer über das ganze Land. Gänsegeieralarm! Gänsegeier, klingt das nicht wie Halbwüste oder zumindest tiefer Süden?

Stimmt. Dieser Südländer hat, aus unerfindlichen Gründen, eine Reise nach Norden angetreten und erschien als äußerst seltenes Exemplar im Luftraum über dem Städtchen. Kein Wunder also, dass das die einheimische Vogelwelt in Aufruhr brachte. Und nicht nur die. An die tausend Neugierige und Vogelinteressierte trafen sich am Strand der Bucht, um den Gänsegeier zu sehen, teils nehmen die Leute weite Anfahrten dafür in Kauf.

Der Vogel, größer als der einheimische Seeadler, nimmt sich mächtig aus zwischen den beiden Möwen auf dem Bild in der Zeitung. Der Aasfresser hat andere Gelüste, als auf Beutefang im Küstenstädtchen zu gehen und fliegt weiter zu neuen Ufern.

Zeitungsbild: VT, Fotograf: Stefan Oscarsson

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Dienstag, 16. Juli 2013

Pelles neue Kleider

Smultronboda ist an diesem Nachmittag fest in Kinderhand. Eines wird sichtbar: das Verhältnis von Kindern und Haustieren hat sich seit meiner eigenen Kinderzeit nicht verändert.



Kinder begreifen im wahrsten Sinn des Wortes. Jede Geschichte bleibt eine Geschichte, wenn sie erzählt wird, hautnah wird sie zum Erlebnis.



Die meisten kleinen Besucher sind nur ein paar Jahre älter, als die Tierkinder. Die Erwachsenen bleiben ein wenig außen vor, die menschlichen, wie die tierischen und das ist gut so. 



Eva-Lis hat die Geschichte des kleinen Pelle ausgesucht und ich kann mir für diesen Nachmittag keine bessere vorstellen. Die Frage, wie die Wolljacke im Kleiderschrank zu dem wurde, was sie ist, ein wärmendes Kleidungsstück, dürfte an diesem Nachmittag eindeutig geklärt werden.



"Pelles neue Kleider" führt im Garten einmal um das Gästehaus in der Schäferei. Die Hauptsache sind die Schäfchen, drei ausgewählte und lammfromme Tiere, zwei weiße und ein schwarzes. Dazu sind zwei Frauen engagiert, eine, die erzählt und eine, die die alten Geräte zeigt und erklärt, die früher in allen Haushalten vorhanden waren: Karden, Spinnrad, Webstuhl, Haspel.



Pelle braucht eine neue Jacke, das erkennt jedes Kind.



Wie er zu seiner neuen Jacke kommt, welche Arbeiten nötig sind, das bekommt in diesem Jahr im Juli immer montags auf Smultronboda "Hand und Fuß".


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