Donnerstag, 11. Juli 2013

Kleinstadt-Dilemma



Kurz sind Schwedens Sommer. Schon schleicht sich unbemerkt die Dunkelheit in den Nachthimmel und macht der Dämmerung mit ihren "Weißen Nächten" den Platz um Mitternacht streitig. Dafür ist die Natur zuständig, die dieses Jahr sogar tagsüber den Erwartungen der Besucher entgegen kommt. Wer Schweden gut genug kennt weiß, zum Schwedensommer gehören Regentage, die auch mal zwei Wochen dauern können.

Für das Hafenstädtchen an der Ostsee mit den Ambitionen von bekannt, begehrt und reich hängen die süßen Trauben höher als der wunderbare Abendhimmel mit dem Feuerball über den Wäldern. Eine gute Lage, wie die am Meer, reicht heute nicht mehr aus. Besucher wollen Infrastruktur, Unterhaltung, Komfort, Sicherheit, im Großen und Ganzen ein " Mindestens - wie - daheim."

Das ist das Dilemma, in dem das kleine Hafenstädtchen steckt. Vor Jahren im Stich gelassen von der Industrie mit Altlasten und Arbeitslosen, bemüht man sich der Stadt und der Region den Tourismus als Einnahmequelle zu erschließen. Soweit - so gut - nur, was tun, wenn die Kassen leer sind, weil die Industrie dem Standort für Billiglohnländer den Rücken kehrte. Auch die Stadtväter hier wissen zu berichten, dass von nichts nichts kommt. Und wie überall wird der Rotstift angesetzt: Schulschließungen, weniger Kindergartenplätze auf dem Land, Einsparungen in der Altenbetreuung, Streichungen im Kultursektor usw.. Die Maßnahmen gleichen sich überall.

Das geschieht aber nicht, bevor man der Bevölkerung den Mund wässrig gemacht hat. Das Geld soll für anderweitige Aufgaben im Blick auf neue Arbeitsplätze Verwendung finden. Die Gustostückerl heißen: Südliche Einfahrt, Sommer-Fährverbindung nach Gotland, ein neues Freizeitzentrum, denn das alte würde der Trasse der Südeinfahrt zum Opfer fallen, ein Abenteuerschwimmbad mit Hotelanlage auf dem nahen Campingplatz, einem der größten, die es in Schweden gibt, um nur einige Ideen zu nennen, die das Anfangsstadium bereits weit hinter sich gelassen haben ... um im Ostseesand zu verlaufen.

Großartige Ideen für die Sommersaison,..... und im Winter? Öffentliches Geld für Prestigebauten schimpfen die einen und die Entscheidungsfreude der Verantwortlichen schwindet mit dem Unmut der Bevölkerung.

Die Drähte laufen heiß.






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Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

das scheint ja wirklich überall das gleiche zu sein. Wobei ich manchmal das Gefühl nicht mehr los werde, dass bei uns selbst die Drähte kalt bleiben.

Liebe Grüße
Jutta

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Bea,

es ist überall das Gleiche. Der Einfallsreichtum und die Ideen gehen nicht aus, nur mit der Umsetzung sieht es dann sehr mager aus.
Wir haben hier Wahljahr und unsere Politiker sprühen vor Ideen und wie immer wird davon nichts übrig bleiben.

Viele liebe Grüße aus Norddeutschland
Nachtfalke