Sonntag, 14. Juli 2013

Von A bis Å


"Ingamer?"! Aha, ein potentieller Käufer, denke ich, während ich quer über die Wiese laufe. Die Kulisse ist bekannt, die Menschenmenge eher eine Seltenheit in diesem Landstrich. Odensvi, das ist eine hügelwärts thronende Kirche und zwei Straßen. Der optische Mittelpunkt besteht aus einem Fußballfeld und dieser Wiese, die mich von der Menschenmenge auf der anderen Seite trennt. Sie dient heute als Parkplatz.

"Ingamer?"! Wieder kommt dieser seltsame Name in den Ausführungen des Auktionators vor. Es soll ja Leute geben, die alles brauchen können, wie dieser "Ingamer",- Gedankensplitter-.



Der Auktionator steht auf einer gewöhnlichen  Haushaltsleiter mit einer leuchtendgelben Sicherheitsweste bekleidet und ist nicht zu übersehen. Angeboten wird fast alles was das Herz begehrt oder auch nicht. Von A wie Almanach (Kalender) bis Å wie Ångjärn (Dampfbügeleisen) bietet sich dem Kaufinteressenten, was ein Haushalt braucht. In Deutschland würde man sagen von Allesschneider bis Zündhölzer und das hat damit etwas zu tun, dass im Schwedischen der erste Buchstabe zwar das A ist, der letzte aber das Å (gesprochen O).



Auktionen haben in Schweden etwas Jahrmarkt Ähnliches. Es sind und waren auf dem Land gesellschaftliche Ereignisse, regelmäßig wiederkehrend und DIE Abwechslung im, vor allem, früheren Alltag der Bauern, Knechte und Mägde. Damals wurden an diesen Tagen Nachrichten ausgetaucht und weiterverbreitet, Ehen versprochen, Tierhandel betrieben, getanzt, getrunken und Streitereien handgreiflich ausgetragen und, es wurden Dinge verkauft, die man übrig hatte.

Letzteres gilt heute noch (manches andere zeitweise auch). Die Tische biegen sich diesmal nicht gerade unter den Waren, dafür wurden im Laufe der letzten Jahre die Flohmärkte und offiziellen Verkaufsmöglichkeiten und die im Internet einfach zu viel. Aber die Auktion ist gut bestückt. Altes Mobiliar und manches Fundstück wechselt unter den Hämmerschlägen des Auktionators seinen Besitzer. Sogar ein Ruderboot ist dabei.

Ingamer!! Langsam komme ich dem Namen näher, lokal und phonetisch. "Keiner mehr?", ich muss ob meines Missverständnisses lachen. Kein Name, sondern ganz einfach kein weiteres Gebot auf die Ware, die gerade einen neuen Besitzer fand.




 







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Kommentare:

geistige_Schritte hat gesagt…

Liebe Beate,
ein tolles, intressantes Posting und wie anders doch der Flohmarkt bei dir ist aber am Scluss das raus kommt wie überall verkaufen und kaufen wollen billig. Am Schluss musste ich schmunzeln über dieses Wort als du es aufklärtest!
Ich wünsche dir noch eine schöne neue Woche!
Lieben Gruss Elke

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

Flohmärkte gibt es bei uns ja auch jede Menge und ich glaube auch, das Internet hat da keinen Einfluss drauf, denn die Leute kommen immer in Scharen.
Einen Auktionator habe ich dabei noch nicht entdecken können.

Liebe Grüße
Jutta

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
die anders gearteten Buchstaben waren mir genauso bei unserem Dänemark-Urlaub (vor 14 Jahren) aufgefallen. Dänemark hat auch zwei andere A's: ein AE, das mit einander verschmolzen ist und ein A mit einem O drauf. Die nordeuropäischen (germanischen) Sprachen habe auch ihre Eigenheiten ...

Gruß Dieter