Mittwoch, 28. August 2013

Am Rande bemerkt



Das Gartenjahr geht in seine letzte Phase. An Blüten ist in meinem Garten nichts mehr Großartiges zu erwarten. Es fehlt ihm gerade ein wenig an Sonne. Aber der kräftige Regen hat das Grün frischer und lebendiger werden lassen.

So welkt zwar die Sommerzeit langsam, die Pflanzenwelt setzt jedoch ihr Durchhaltevermögen dagegen: Schlingendes schlingt sich noch fester, Blühendes wird mindestens eine Nuance farbintensiver. Zum Ende scheint alles noch einmal an Kraft zu gewinnen und wird üppiger.





Abgelenkt durch nichts, widmet sich der Augenschein den kleinen Schönheiten: dort einem Tropfen, da einer einzelnen kleinen Blüte oder den Winden der Kapuzinerkresse, die sich davon stiehlt und sich einen Weg aus dem Garten gesucht hat.





Auch die Mittagssonne hat sich aus dem Garten für dieses Jahr verabschiedet, will heißen, sie kommt zur Mittagsstunde nicht mehr über den Dachfirst und streift nur noch den äußersten Gartenrand. Dafür ist sie, dank einer beherzten Holzaktion der beauftragten Gärtnerei, am Vormittag intensiver. In der Nachbarschaft wurden gen Osten einige höhere Bäume gefällt.

Auf Sonne müssen wir also nicht verzichten, auch wenn der Hochsommer schon Vergangenheit ist. Die kleine Sitzecke sorgt in abendliche Mußestunden bis in den Herbst hinein für wunderbare Gartenzeiten. Es ist Zeit! -aber- ist es das nicht immer?




 


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Dienstag, 27. August 2013

Ein Überblick

Der Kulbacken lockte an diesem sonnigen Tag, eine halbhohe Erhebung auf der anderen Seite der Bucht.


Es gibt noch so manches, das ich in meiner Wahlheimat zum ersten Mal erlebe. Dazu gehörte bis vor zwei Tagen das Besteigen des Unosturmes einer Aussichtsplattform mit grandiosem Überblick.

"Sich einen Überblick verschaffen", wird auf dem Kulbacken ganz groß geschrieben. Es gibt nicht nur besagten Turm, sondern auch ein Bauernhofmuseum und ein Ausstellungs- und Konferenzzentrum nebst Restaurant.

Ziel war ehrlich gesagt zu allererst der kleine Markt zwischen den alten, wieder aufgebauten Bauernhäuschen. Gartenfrische Kräuter und Gemüse haben etwas Anziehendes. Im "alten Schweden" waren solche Märkte viel mehr, als der Besitzerwechsel von Waren. Auf der Neuigkeitenbörse par excellence verschafften sich die Menschen von früher einen Überblick, meist über Geschehnisse aus dem Umland.

Dass das Besteigen des Turms zum dem Erlebnis des Tages wurde, habe ich dem Umstand zu verdanken, dass er geöffnet war. Die Berechtigung ihn zu besteigen, erwirbt man durch den Kauf (20 Kronen) eines Nummerlapp (Zettel mit einer Zahl drauf). Die Anzahl derer, die "hoch hinaus wollen" wird dadurch begrenzt, der Platz in luftiger Höhe ist es nämlich auch. Es sind (zum Glück) wenig Interessenten und ich ahne Knieschwammerl.


Die Eingangstür ist geschlossen und öffnet sich erst, als ich die Zahl auf dem Zettel durch die Sprechanlage flüstere. Auf einen "Klick" springt die Tür auf, wie bei "Sesam-öffne-dich". Die eiserne Wendeltreppe füllt das ganze Rund des Turmfusses aus. Es ist hell und das mulmige Gefühl von Enge weicht im selben Augenblick.

Die Fenster auf verschiedenen Niveaus zeigen den Zuwachs an Höhe und so ist man nicht sonderlich überrascht, wenn man in der gläsernen Kuppel ankommt. Der Schritt nach draußen nimmt mir dann trotzdem fast den Atem, nicht wegen der Höhe, sondern:
















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Sonntag, 25. August 2013

Freitag, 23. August 2013

Wieder einmal ...



Zwei Jahre sind seit meinem letzten Besuch vergangen. Öland liegt nicht mehr- "mal eben um die Ecke"-. Um die Sand- und Steinstrände zu erreichen, ist ab Mitte August der Umweg über die Brücke nötig.




Der zeitliche Abstand zeigt die Entwicklung der Insel deutlich. Der Tourismus boomt. In bestimmten Inselregionen findet sich ein Campingplatz neben dem anderen. Der Adriaküste der 60iger Jahre widerfuhr ähnliches.

Mit der Anzahl der Campingplätze muss die Infrastruktur wachsen: Straßen, Parkplätze, Rastplätze, Geschäfte, großformatige Hinweisschilder, Bootshäfen, Vergnügungsparks; alles für die kurze Zeit, in der die Insel, verglichen mit dem Winter, ein Vielfaches an Bewohnern hat...


Ab Mitte August leeren sich die Campingplätze. Ausländische Fahrzeuge, die jetzt noch unterwegs sind, tragen meist deutsche Kennzeichen. Aber die Insel ist groß genug. Am Ufer ist kein Handtuch zu sehen, wohl auch, weil das Wasser trotz des Sonnenscheins kalt ist.

An den Strand zieht es mich. In meiner Wahl-Heimatregion vermisse ich die Weitläufigkeit. Da gibt es auch noch die Fundstücke, die die Wellen anspülen oder die seit Urzeiten hier lagern oder einfach gewachsen sind. Hier geben Kleinigkeiten und "Großartigkeiten" dem Augenblick Spannung oder den plötzlichen Glückskick des Entdeckens.





  





Und wenn man sich Zeit nimmt und Geduld mitbringt, an allen Ecken und Enden zu halten, eröffnen sich dem Augenblick Ausblicke mit fremdartigen Eindrücken!































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Montag, 19. August 2013

Begegnung der (un-)heimlichen Art

Wir waren gestern verabredet. Es sollte eine Begegnung der (un-)heimlichen Art sein und der Treffpunkt eine Mühle mitten im Wald zu später Stunde. Aber ...

... etwas über gestern Abend zu schreiben, ohne zuerst den malerischen Abendhimmel zu erwähnen, geht nicht. In den letzten Tagen sind die ziehenden Wolken sich ständig verändernde Gemälde mit eindrucksvoller Schönheit. Überhaupt genießt man in diesen Tagen wieder Sonnenuntergänge, die sich bis vor kurzem noch zu nacht tagesschlafender Zeit ereignet haben.

                                                 

                                       


Wie gesagt, wir waren unterwegs zur Valstad-Kvarn (Mühle von Valstad), die etwa 10 Kilometer entfernt liegt, davon drei Kilometer auf ungeteerten Waldwegen. Småland ist durchzogen von Bächen und kleinen Flüssen, die bald irgendwo in eine Meeresbucht münden, wenn auch nicht immer so spektakulär wie hier.



Überall in Europa hat sich das Handwerk nach dem Vorkommen bestimmter Ressourcen entwickelt: Flusstäler und Wassermühlen, Wald und Glasbläserei. Småland findet sich im Schwarzwald wie im Bayerischen Wald wieder. 

Es sind Bedingungen, die aber noch viel mehr nach sich ziehen, als wir an der Oberfläche wahrnehmen. Viele Mühlen sind längst zu Relikten geworden, vielfach umfunktioniert zu Museen oder Hotels. Die Valstadkvarn wurde dem Museum in Västervik zum Geschenk gemacht, zum Glück! Sie beheimatet trotzdem Gäste, keine menschlichen, sondern tierische.

Leider sind Fledermäuse nicht überall in alten Gemäuern willkommen. Ängste spielen dabei keine untergeordnete Rolle. Sie sind jedoch Insektenjäger und die wenigen Arten, die tatsächlich Blutmahlzeiten zum Leben brauchen, gibt es in Europa nicht. Allerdings beim Anblick dieses Gebisses ist der Volksglaube an die Bissfreudigkeit nachzuvollziehen.


Bild: Exkursionsunterlagen (Björn Holm)
Von den 18 Arten, die in Schweden vorkommen, leben in und um die Mühle fünf. Die nachtaktiven Tiere sind jeweils nur als schnell vorbeifliegende Schatten zu sehen. Ihr Ortungssystem erkennt mich längst als Hindernis, bevor ich eine Chance habe sie in der Dunkelheit wahrzunehmen. Das "SONAR" beruht auf Echonavigation durch Aussenden von Schallwellen, die unseren Hörbereich überfordern. Für uns sind sie lautlos und gepaart mit unserer Dunkelangst eine Begegnung der unheimlichen Art.




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Sonntag, 18. August 2013

Wollweißes

In diesen Tagen an Winter zu denken, geht irgendwie nicht besonders gut. In Schweden ist das aber anders, denn bereits im August ist er, der Winter, nicht mehr soooooo himmelweit weg (die, die hier mit Holz heizen wissen das!). In Gedanken ist er sogar noch ein bisschen näher. Es, oder besser er, braucht Vorbereitungszeit. In meinem Fall in diesem Jahr besonders viel.

Wollweiß gehört zu meinen Lieblingsfarben. Es erinnert mich bei frostigen Temperaturen an Sommerwolken. Die Vorstellung hat einen positiven Effekt. 

Ich habe also die erste Partie wollweiße Wolle versponnen und verzwirnt. Es war ein Erlebnis besonderer Art, die Vorgänge vom Wollvlies bis zum fertigen Gegenstand zum ersten Mal im wahrsten Sinn eigen-händig zu erleben. Die Freude darüber ist unbezahlbar. Nur ab und zu ist etwas Lehrgeld fällig.

Freude macht zwischendurch auch mal unvorsichtig. In meinem Fall war es den Zeitaufwand wert, der bezahlt werden musste. Die Motivation ließ gut ertragen, wenn sich das Rad, voll des Schwunges, in die verkehrte Richtung drehte. Geduld genug, den Fehler zu beseitigen, hatte ich.

Das erste Garn ist keines, sondern ein Faden der Stärke XXL. Das war keine Absicht, sondern Notwehr! Damit verringerte sich beim Spinnen die Gefahr des Abreißens erheblich. Es gab kaum Probleme. Eigentlich merkte ich erst beim Verzwirnen so richtig, welche Qualität ich für's Erste geschaffen hatte.

Natürlich wollte ich etwas für den Gebrauch daraus arbeiten. Und weil sich meine praktische Veranlagung durchsetzen konnte, waren Pulswärmer die geeignete Idee, zumal mir die erstarrten Finger beim Fotografieren frostschöner Wintermotive in schmerzhafter Erinnerung geblieben sind.

Zum Glück habe ich Nadeln (fast) aller Stärken vorrätig. Ich entschied mich für ein Paar in Größe 6. Damit ist eindeutig, wie das XXL des Fadens zu deuten ist, zumindest für die, die Stricken. Es ist reines Fingermuskeltraining.     




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Donnerstag, 15. August 2013

Abendvorstellung

Am Horizont grummelt eine dicke, schwarze Wolke. Birkenblätter schütteln sich im Abendwind und rascheln Geschichten. Der Himmel darüber tut, als wenn ihn das alles nichts anginge und ist einfach blau. 

Es ist unverkennbar Spätsommer geworden. Die Farben sprechen eine eigene Sprache. Sie sind leuchtend wie ein Warnschild, als wollten sie sagen: "Achtung, die Zeit drängt"! Die Zeit drängt?

Die Wärme kam spät dieses Jahr und jetzt: Schon wieder lässt feuchtere, kühlere Luft die zur Neige gehende Jahreszeit spüren. Beides zusammen ergibt einen kurzen Sommer, der allerdings  in seiner Hochphase ausgiebig Sonne spendiert hat.

In den nächsten Tagen beginnt in Schweden das neue Schuljahr. Auch das ist ein Zeichen für das Sommerende hierzulande. Viele gehen bereits wieder ihrem Broterwerb nach. Und ich weiß, dass genau das von Vielen hier mit dem Gefühl: "Der Sommer ist vorbei", verbunden wird.

Mit diesen Gedanken will ich mich nicht anfreunden. Die Sonne hat ja noch einiges zu tun. Gerade beginnt die Erntezeit in meinem Garten und auf den Feldern. Blüten, Früchte, Reife, die Vollendung des Zyklus und sein prächtiger Ausklang brauchen ihre Wärme auch noch.

Sommersonnenstunden, die nun vielleicht schon gezählt sind, wollen sommerlich genutzt werden. Und manchmal kommt man auf richtig gute Ideen, wie die mit dem Picknick gestern Abend.

 
Kurzerhand wird ein Korb hergerichtet: etwas für den Magen, etwas für das Auge und etwas für die Bequemlichkeit. Das Übrige spendiert die Natur: den Ausblick und den Augenblick.

An solchen Tagen hat man die Felsen über dem Meer wieder für sich alleine und weil es so still geworden ist, vertiefen sich die kleinen und wunderbaren Erlebnisse erst recht: Gleich nebenan gibt es Abendessen bei Kormorans - frischer Fisch direkt und selbst gefangen-, oder das der Schwalbenfamilie - Mücken im Tiefflug, nach dem vorherrschenden Luftdruck -.

Schließlich kommt der Himmel doch noch auf den Plan und gibt eine Abendvorstellung:


















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