Dienstag, 6. August 2013

Abgeschieden


Das Gemüsebeet liegt abgeschieden, ein paar hundert Meter von der nächsten Straße entfernt, mitten im Wald. Der Weg dorthin führt zuerst bergwärts, dann talwärts und wieder bergwärts und schließlich an dieser Lichtung vorbei. Seit der Bauer einen Teil des angrenzenden Abhanges abholzen ließ, hat die Lichtung eine weit geöffnete Seite. Das änderte von heute auf morgen Grundlegendes, wie damals im Garten meines Schmiedehäuschens.

Auf die natürliche Umgebung wirkte der drastische Einschnitt wie ein Schock. Mein Wissen um die Absicht des Bauern ließ sich mit dem von Bewohner einer Erdbebenregion vergleichen: wenn es geschieht, wirkt es trotzdem traumatisch. Das liegt in der Tatsache begründet, dass es sich für mich um eine Art End-Gültigkeit handelt.

Die "Lähmungserscheinungen" lösten sich erst allmählich. So Manches irrte eine Zeit lang ungläubig zwischen Astwerk, Baumstümpfen und kahlen Felsbrocken umher: meine Gedanken, die Tiere und die Seele des Waldes.


Die Maschinen hatten das Unterste nach oben gekehrt und hinterließen Chaos dort, wo die Natur alles fein säuberlich aufeinander abgestimmt hatte. Die natürliche Haushaltsführung ist auf Balance ausgerichtet (auch wenn diese Balance in seltenen Fällen ähnliche drastische Auswirkungen haben kann Brand durch Blitzschlag).

Jeder menschliche Eingriff muss von der Natur abgefangen werden, JEDER! Hier tritt allzu deutlich zu Tage: wir liegen oft außerhalb ihres Systems und haben uns mit dem Aufkommen der technischen Möglichkeiten zu ihrem Gegenspieler gemacht.

Ob Zufall oder nicht. Seit der Wald auf der einen Seite fehlt haben die Beete auf der Lichtung das Nachsehen. Das Interesse der Tiere ist geweckt. Zum zweiten Mal zertrampeln sie das Grün, wühlen hier und da, ohne sich der Gartenfrüchte zu bedienen; kein Revanchismus, die Natur bewertet nicht. Balance vielleicht in einem Zusammenhang, der uns mit dem Feinsinn verloren ging.



Abgeschieden liegen die Beete immer noch. Deutlich abgeschieden hat sich der Mensch, wie man sieht.


***

Kommentare:

amselgesang hat gesagt…

Deine Gefühle kann ich gut verstehen. Als kurz vor unserem Auszug in unserem "alten" Garten drei Fichten gefällt wurden, die zugegebenermaßen den Gemüsegarten in fast dauerhaften Schatten getaucht hatten, da sagte mir mein Kopf zwar, dass es eine sinnvolle Maßnahme ist. Wie oft hatte ich über die viel zu schattigen Beete geschimpft! Aber trotzdem war da Wehmut über den Abschied von diesen Bäumen, die mein Leben über zwanzig Jahre lang begleitet hatten und zwischen denen unsere Kinder ihre Schaukelseile und Slacklines gespannt oder Zelte gebaut hatten.
Ich habe eben den älteren Post über die Waldbeete gelesen. Gibt es die noch? Und wie sieht es jetzt dort aus?
Herzliche Grüße aus dem tropisch heißen Schwabenland,
Brigitte

Bea hat gesagt…

Hej Brigitte,
ich vermute Du meinst den Link zu "dies ater" aus dem alten Blog.
Das Schmiedehäuschen war ausschließlich ein Ferienhaus. Wir hatten keine Beete dort, aber die Wiese veränderte sich schon zur Zeit unseres dort-Seins nach dem Kahlschlag. Als erstes verschwand das Moos.
Die Beete, die in dem Beitrag gemeint sind, überließ uns ein lieber Freund, der mitten im Wald ein Torp besitzt, weil der Garten um die Wohnung in der Stadt zu klein für Gemüseanbau ist.

Grüße und Wünsche für ausreichend Kühlung in diesem wüsten Klima :-)

Beate

amselgesang hat gesagt…

Oh, ich habe anscheinend die beiden Posts durcheinandergebracht... alles klar! :-)