Sonntag, 29. September 2013

Zwiespältig

Die Erinnerung ist markant: Gerade vor dem Fenster, ein Stumpf mit frischer honigfarbener Holzfläche, nicht ganz eben, weil der Baum, als er fiel, das letzte Stück, das ihn hielt, auf dem Stumpf hinterließ. 

Das Geräusch von Motorsägen kann ich nicht leiden, nicht mal aus der Ferne. Als ich es so nah hörte, ahnte ich schon, was geschehen würde. Wir hatten den Auftrag dazu gegeben. Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal den Auftrag für eine Baumfällung geben würde, hätte ich denjenigen für alles Mögliche gehalten. 

Die Motorsäge hatte Mühe, das hörte ich und es freute mich irgendwie, dass es Widerstand gab. Das Geräusch erstarb ... um gleich danach von Neuem lautstark zu sein.

Ein neuer Versuch. In der Zwischenzeit laufe ich nach draußen, etwas zögerlich, vielleicht heimlich, aber dann doch mit dem Fotoapparat. Einen sterbenden Baum zu fotografieren, muss ich für mich immer noch mit "Dokumentation" erklären. Bäume sind für mich eben irgendwie ... anders.

Die Säge behält die Oberhand, dann beginnt der Baum sich zu neigen, bekommt das Übergewicht und fällt. Der Schlussakkord, sein Schlussakkord, ist weder laut noch leise. Mit einem mal ist es hell und warm.

Das war auch der Grund "warum", denn leider kann man Bäume nicht bitten, sich einen neuen Standort zu suchen.










***

Freitag, 27. September 2013

Heute mal ...

"Närrische Träume"
eines meiner Lieblingsgedichte

Heute Nacht träumte mir, ich hielt den Mond in der Hand,
wie eine große, gelbe Kegelkugel und schob ihn ins Land,
als gält' es alle Neune.
Er warf einen Wald um, eine alte Scheune,
zwei Kirchen mitsamt den Küstern, o weh, 
und rollte in den See.






Heute Nacht träumte mir, ich warf den Mond ins Meer.
Die Fische all erschraken und die Wellen spritzen umher
und löschten alle Sterne.
Und eine Stimme ganz aus der Ferne, schalt:
"Wer pustet mir das Licht aus?
 Jetzt ist's dunkel im Haus!"





Heute Nacht träumte mir, es war rabenfinster rings.
Da kam was leise auf mich zugegangen, wie auf Zehen ging's.
Da wollt' ich mich verstecken,
stolperte über den Wald, über die Scheune vor Schrecken,
über die Kirchen mitsamt den Küstern, o weh,
und fiel in den See.




Heute Nacht träumte mir, ich sei der Mond im Meer.
Die Fische alle glotzten und standen im Kreis umher.
So lag ich seit Jahren,
 sah über mir hoch die Schiffe fahren
und dacht, wenn jetzt wer über Bord sich biegt
und sieht, wer hier liegt
zwischen Schollen und Flundern,
wie wird der sich wundern.



 Gustav Falke (1853-1916)



*** 

Donnerstag, 26. September 2013

Auf die Schnelle

Eins-zwei-drei- fertig - Backmischungen sind in Schweden auch zu haben, aber nicht mein Fall. Und nachdem ich die Himbeeren bereits abgeleert hatte und sie auch im Kühlschrank nicht lange frisch bleiben, durchforstete ich das Internet nach einem simplen Backrezept, das auch als DIY-Mischung schnell und vor allem mit wenig Aufwand etwas Gebäckartiges zustande bringt. Ich traf auf Himbeer- Muffins.

Das Rezept einer schwedischen Hausfrau überzeugte mich derart, dass ich mir Muffins - Gebäckpapierformen besorgte und das von ihr empfohlene Mehl mit der Verpackungsaufschrift "spezial" ( von dem ich nicht weiß, was daran speziell sein soll). Da "Vorsicht" die Mutter der frischen Himbeeren ist, gibt es die Normalmehlvariante zu einem späteren Zeitpunkt, probehalber.

Es hat funktioniert und mit ein bisschen mehr Übung sitzen dann die Himbeeren noch besser verteilt in und auf den Muffins. Es schmeckt trotzdem. Mit etwas Puderzucker drüber ist das Frischgebäck in nur 30 Minuten fertig.

Kaffeezeit!





Zutaten
100 g Butter (Zimmertemperatur)
2,5 dl Zucker  (hinter dem Link liegt eine Umrechnungstabelle, für den Link übernehme ich ausdrücklich keine Haftung)
2 Eier
1 dl Milch
2 EL geschmacksneutrales Öl (z.B. Rapsöl)
4,5-5 dl Weizenmehl spezial
1 TL Vanillinzucker
2 TL Backpulver
0,5 TL Salz
Himbeeren

Vorgehensweise
Den Backofen auf 200 Grad erwärmen.
Die erwärmte Butter mit Zucker, Eiern, Öl und Milch verrühren.
In einer anderen Schüssel die trockenen Zutaten miteinander vermengen.
Danach die beiden Mischungen vorsichtig miteinander verrühren.
Den Teig in 12-16 Backformen verteilen. 
Die gewünschte Menge Himbeeren bis zur Hälfte in den Teig drücken.
Die Muffins mitten im Ofen ca 20 Minuten backen.


***

Mittwoch, 25. September 2013

Rekordreif

Ich bin ja im Moment gärtnerisch sehr beschäftigt. Bilder in den Nachrichten zeigen nämlich die ersten Zugriffe des Winters. Es ist also nur noch eine Frage der Windrichtung, wann sich die Frostluft zu uns sucht. Die Gärtchen sehen aus wie drei verschiedene Jahreszeiten. Da blüht es noch, dort welkt das Laub und woanders bedeckt Erde oberflächlich die letzten Spuren von Leben.

Die Ernte ist fast abgeschlossen: ein paar Gewürze, Kräuter und Äpfel noch und ... die unreifen Tomaten. Wie immer jedes Jahr schafft es ein Teil der Tomaten nicht mehr sich in genießbare rote Früchte zu verwandeln. Eingemachte grüne Tomaten, sagte eine Freundin, sei eines ihrer Lieblingsessen gewesen, leider habe sie Rezept nicht mehr. Umso mehr freute mich, als ich heute einen Umschlag mit "Mutters Rezept für grüne Tomaten" bekam. 

Also brauche ich mich um die Farbe der Tomaten nicht mehr kümmern. Ob halbrot, gelblich oder noch ganz grün, das Rezept verwandelt die unreifen Nachtschattenfrüchtchen in Essbares für den Wintervorrat.

Beim Ernten entdeckte ich dann SIE und ich meine, sie könnte fast im Guinessbuch Einzug finden, rekordverdächtig ist sie allemal: 







die kleinste reife Tomate, kleiner als ein Samenkorn der Kapuzinerkresse, darunter eine Paar Kiefernadeln



***

Montag, 23. September 2013

"Hans Huckebein"

Dohlen "bestechen" mich immer wieder sie abzulichten. Diese Zufallsbekanntschaft machte ich am Götakanal. Und da war er, der Gedanke: Das ist DER "Hans Huckebein" des Wilhelm Busch. (auch wenn es sich dort um einen Raben handelt)

Möge sein Ende weniger tragisch sein ...;-) 








***

Sonntag, 22. September 2013

Herbst-Himbeeren

"Herbst-Himbeeren im Ernteglück", sollte ich diesen Eintrag nennen. Ernteglück heißt nämlich die Gartenkolonie, in der das neue Gärtchen liegt. Der Name ist sprichwörtlich und wirkt sich offensichtlich auch auf Himbeeren aus. Die reifen dort gerade... aber von vorne!

Bisher waren Himbeeren immer ein schwieriges Thema, obwohl ich den Geschmack himmlisch finde. Wenn ich an Himbeeren denke, erscheinen vor meinem geistigen Auge gleichzeitig die offensichtlich unvermeidbaren kleinen weißen Maden, die mir pro Himbeere schon als Kind den Geschmack darauf verdarben. Wenn, dann gab es meist nur eine Kinderhand voll Beeren, die ich mit meiner kleinen Schwester teilte.

Umso überraschter war ich, als mit dem Pachtgrundstück eine lange Doppelreihe Himbeersträucher in unseren einstweiligen Besitz überging, die auch noch voller, wenn auch unreifer Beeren hing.

Ich erfuhr, dass es hierzulande zwei verschiedene Sorten gibt. Niemand konnte uns sagen, ob es sich um Sommerbeeren, die nicht reif geworden waren, handelte oder Herbstbeeren, die für meinen Geschmack auch schon längst überfällig waren. Ich traue Himbeeren nicht allzu viel zu. Klein und graugrün hingen sie jedenfalls da, kein hoffnungsfroher Anblick!



So kann man sich täuschen. Wie sie das machen, weiß ich nicht. Vielleicht sollte ich mich mal über Nacht auf die Lauer legen. Jedesmal, wenn ich einen Tag später mein Gärtchen besuche, tragen die Himbeersträucher reife, daumennagelgroße (!) Früchte und die meisten kommen tatsächlich ganz ohne Made aus. Dunkelrosa, fest und so himbeerig im Geschmack habe ich die ersten frischen Himbeeren lange nicht gegessen.

Da muss man mich nicht zweimal bitten. Nach Herzens Lust Himbeeren naschen, das hat was! Und natürlich würde ich wieder teilen.





***

Samstag, 21. September 2013

Am Götakanal

Der Herbst gibt sein Bestes: Nicht zu warm, nicht zu kalt und für das fotografische Tüpfelchen auf dem i ein paar weiße Zierwolken auf Reinblau. Nachdem SMHI im Frühstücksradio eine Regenfront für das Wochenende in Aussicht stellte, stand der Entschluss für eine Tour mit dem Rad fest.




Ziel war der Radweg entlang des Götakanals, eine Entdeckung beim ersten Besuch in Söderköping. Die reizvolle Erinnerung an die Fahrt ein Stück entlang des Canal du Midi war schnell präsent und ich hoffte auf eine ähnliche Erfahrung am Göta-Kanal.

Söderköping, knapp 100 km nördlich meiner Wahlheimat-Stadt, gehört zu den Touristenattraktionen im Sommer. Die Zeit ist für diese Saison vorbei, die Tagesordnung des Städtchens eine andere, wenn das Gedränge fehlt. Es fehlt- eigentlich nicht-, mir jedenfalls nicht. Und so fährt es sich still auf dem Radwanderweg, der wie der Wasserweg, die Ostsee mit dem Kattegatt in Westschweden verbindet.

Zumindest denke ich mir das. Der Radweg führt nämlich nicht durchgängig am Kanal entlang, aber für die nächsten 25km bis zum ersten Binnensee. Dann geht es weiter über Straßen, bis der Götakanal sich wieder durch die Landschaft schlängelt und mit ihm der begleitende Weg. Klug durchdacht, nutzten die Ingenieure des Kanals die große Anzahl Seen, um sich Bauarbeiten zu sparen.

Im Touristenbüro in Söderköping gibt es einen Plan über die Strecken bis zum Vänern, dem größten aller Binnenseen Schwedens, der ebenfalls ein Teil des Götakanals ist, ein kleines Meer, dessen Umrundung eine Sache für sich ist.

Wir begnügen uns mit einer ersten Etappe und beginnen diese nicht in Mem, dem Start- bzw Schlusspunkt des Kanals, sondern direkt im Städtchen Söderköping, das der Kanal streift. Er unterquert die E22, auf der der Autoverkehr dafür jede halbe Stunde gestoppt wird. Dann hebt sich die Brücke und die Schiffe können auf ihrem Weg ins Landesinnere oder umgekehrt weitersegeln. Für uns Radwanderer steht so eine sichere Überquerung nicht bereit und so quälen wir uns über diese Fast-Autobahn, auf der die Fahrzeuge schon mal mit 100 km/h daher kommen. Eine lebensgefährliche Geschichte.

Danach wird es ruhig. Nicht einmal eine handvoll Schiffe ist unterwegs. Die Schleusenwärterhäuschen sind unbesetzt. Wer jetzt den Götakanal befahren will muss sich anmelden. Die Wartezeiten vor den Schleusen dauern. Das kümmert die Radler natürlich nicht. Die stressfreie Fahrt entlang dieser Wasserstrasse ist das herbstlich eindrucksvolle Bilderbuch einer urschwedischen Landschaft. 




























***

Freitag, 20. September 2013

Dienstag, 17. September 2013

Seltsame Nasch-Katzen

Diese Naschkatzen sind gefiedert, es sind Weidenmeisen und Kohlmeisen. Wie schön, wenn ihnen der verblühte Blumenstrauß noch etwas bieten kann.

Hier sind es die roten Früchte des Gartengeißblattes, die in diesem Jahr besonders üppig und intensiv rot das Verandageländer zieren. Ganze Vogelscharen fühlen sich zum Frühstück eingeladen.










Montag, 16. September 2013

Endlich eine Regennacht

Nun ist mit dem Regen über Nacht auch in Südschweden der Herbst eingezogen.

Statt zu schlafen, lausche ich nächtens öfter als mir lieb ist der ungewohnten Unruhe, dem stürmischen Wind und dem fallenden Wasser im Regenrohr, bis ich endlich um 1/2 5 Uhr aufstehe. Die Luft ist frisch und angenehm und kommt mir vor, wie ein kühles, sauberes Tuch.

Der verhangene Himmel ist vorerst grau. Völlig unnötig reckt ihm die Weglampe ihren beleuchteten Hut entgegen. Aber um diese Zeit erübrigt sich das Kunstlicht eigentlich.

Das mit der richtigen Schaltzeit für die Beleuchtung der Wege habe ich inzwischen als "running problem" achselzuckend abgehakt. Beleuchtet wird der helle Tag, dafür wird abends zu lange gespart. Der schnellen Veränderung des Tageslichtes hat die Technik, wie mir scheint, nichts entgegenzusetzen.

Der Wind hat dafür ganze Arbeit getan. Der Rasen ist nur am Rand sattgelb. Zusammengetrieben wie eine Herde Schafe kann der Hausmeister mit wenigen Handgriffen die Blätterernte einfahren.

Und,- ich muss heute nicht gießen, stelle ich auf meinem Gartenrundgang fest. Die Dichte gleichmäßig verteilter Tröpfchen eines Regengusses ist nicht mit dem Bisschen aus Gießkannen zu vergleichen. Alles glänzt mir tropfnass entgegen, einschließlich der Schnecken, den "mördarsniglar". Es heißt, wie es klingt.

Und natürlich sind Regentropfen immer ein Thema im Herbst. Die Fotomotive wechseln ihr Hemd mit den Jahreszeiten.














***

Sonntag, 15. September 2013

Astern, Wicken und Levkojen

Der kleine Garten ist ein Wohlfühlplatz. Erst neulich entdeckte ich, dass er Vieles mit dem früheren Garten meiner Eltern gemeinsam hat; das war unbewusst wahrscheinlich der Grund sich genau dafür zu entscheiden.

Rundum gibt es einige Gartenteile, die gerade nicht bewirtschaftet werden. Die nächsten Nachbarn gärtnern deshalb erst in einiger Entfernung., nette Leute und fast immer für ein kurzes Gespräch am Rand zu haben. Eine gewisse Neugier gibt es natürlich von beiden Seiten. 

Als Ausländer sind wir bei weitem nicht alleine und da und dort entpuppte sich der ein oder andere Einheimische als deutschkundiger Schwede. Das wird bei solchen Gelegenheiten gerne preisgegeben. Eine Nettigkeit, die ich sehr schätze ( Deutsch war eine Zeit lang die erste Fremdsprache an schwedischen Schulen)

Unter den Nachbarn sind auch Ausländer, wie wir: Niederländer, Finnen, Esten, das reinste babylonische Sprachengewirr, so gesehen. Aber man/frau versteht sich. Frauen sind hier in der Überzahl, wie überhaupt der weibliche Bevölkerungsanteil in Schweden überwiegt. Nur so nebenbei!

Da ist Tiiu. Für mich war schon der Name Neuland, als solches völlig unbekannt. Die Tochter estnischer Eltern, auf der Flucht in Finnland geboren, fand in Schweden eine Wahlheimat. Als sie uns deutsch sprechen hörte, war sie eine der ersten, die ein paar nette Worte übrig hatte,- auf deutsch, denn sie hat in der Nähe von München ein paar Jahre gewohnt.

Es gibt Menschen, die einem von Anfang an vertraut sind, als kenne man sich schon sehr lange. Das passierte wieder einmal mit Tiiu und mir. Und so kam die Frage, ob ich das Gartengießen für eine Woche übernehmen würde, so lange sie auf Verwandtenbesuch ist, vor einer Woche.

Das "Dankeschön" war ein wunderbar duftender Strauß mit Astern, Wicken und Levkojen aus ihrem Garten. 



***

Samstag, 14. September 2013

memories ...

... eine schöne Idee, Brigitte, Deine memories  !  Ich dachte längst daran meine beizusteuern, schon seit dem ersten netten Anschubser von Dir.

Oft ist der Geist willig, aber halt das Fleisch .... !!. Jetzt ist es soweit und auch aus gutem Grund. Ich habe tatsächlich die meisten Dias und Bilder zum erstem Mal dort, wo ich sie auch brauchen kann. Nichts ist mehr umzugshalber verteilt in Kellern, Dachkammern und Garagen.

Gehen wir's also an in Sachen

MEMORIES !

Dem Thema Sommer und Wetter, so bunt von Dir bearbeitet, steure ich gerne noch eine pfeffrige Note bei.

Ich war viel unterwegs, auch weil ich in den Ferien oft die Gelegenheit hatte meinen Mann zu begleiten. Auf einer Asienreise besuchten wir Kuantan an der Ostküste Malaysias. Das Hotel lag ein wenig abseits obligatorischer Touristenrouten, direkt am Chinesischen Meer. Es war keine Hauptreisezeit und das Hotel nur spärlich besetzt. Zu tun gab es, sich mit Strandspaziergängen zu beschäftigen. Dort fand sich, unwetterbedingt, das merkwürdigste Strandgut. Als Reisesouvenir zum Mitnehmen einige Nummern zu groß, musste ich mich mit dem Fotoformat begnügen.






Der erste Anblick des Schiffes, als wir nach langem Geradeaus an der Küste um eine Ecke bogen, hat mir die sprichwörtlichen Knieschwammerl verursacht (ich wette, hätte ich eine Tasse Tee in der Hand gehabt, wäre sie mir aus derselben gefallen). Ein Taifun hatte den Frachter an die Küste getrieben, wo er strandete. Jedenfalls erzählte man uns das. Später dachte ich allerdings auch an Piraterie.  

***

Freitag, 13. September 2013

Groß-Artig

Sie ist Einwanderin und soll aus dem Himalaya stammen. Als ich sie das erste Mal sah, war ich fasziniert, wusste nicht, wie es eine derartige Schönheit, wie sie, an den Rand des Waldes verschlagen kann und dachte an Zufall. 

Später las ich über sie in der Tageszeitung, damals noch in meiner schwäbischen Heimat. Die Menschen, die über sie berichteten, standen ihr nicht so uneingeschränkt positiv gegenüber. Von Unterwanderung war die Rede, von Verdrängung.

Tatsächlich ist das indische Springkraut über Finnland auch in Schweden angekommen. Auf der Lichtung, dem Ort, wo ich Lauch, Karotten und Zwiebeln gesät und gesetzt habe, nimmt sie einen kleinen Platz am Waldrand ein. 

Und natürlich heißt sie hier anders. Sie trägt den sehr weiblichen Namen: Balsamine und weil sie so "großartig" ist, hat man ihr den Beinamen "Jätte" gegeben, was nichts anderes als "Riese" bedeutet. Die Jätte-Balsamine oder Riesenbalsamine kann mich gut und gerne zwischen ihren Pflanzenstängeln verstecken. Sie ist wie ein Wald am Wald, aber licht mit hellgrünen Stängeln im Sommer, die jetzt im Herbst rot werden.

Die wunderschönen rosaroten Blüten, die aussehen wie Pantöffelchen, ziehen Insekten magisch an. Am öftesten sieht man Hummeln, die in den Blüten vollständig verschwinden, wenn sie auf Nektarsuche sind.

Ob es die Farbe der Blüten oder ihr Duft ist, der Insekten lockt oder beides, weiß ich nicht. Für die Welt der Insekten ist die Einwanderin aus dem Fernen Osten ein Nahrungszuwachs im Wald, der die Tiere weit in den Herbst mit dem Lebensnotwendigen versorgt.

Doch mancher Biologe kann, anders als die Insekten, die Jättebalsamine "nicht riechen". Die einheimische Pflanzenwelt wird durch das Springkraut bedrängt, heißt es. Allerdings gab es zu allen Zeiten einwandernde Pflanzen, die alte durch neue ersetzt haben.

Das Springkraut macht seinem Namen alle Ehre. In Siebenmeilen-Stiefeln (die Samen können bis zu sieben Meter weit geschleudert werden) verbreitet sich die schöne eilige Asiatin überall hin, wo sie annähernd ihre Lebensbedingungen findet.

Den damaligen Ausrottungsgedanken kann ich nicht viel abgewinnen, dem Duft der Jättebalsamine allerdings auch nicht.




















***