Sonntag, 29. September 2013

Zwiespältig

Die Erinnerung ist markant: Gerade vor dem Fenster, ein Stumpf mit frischer honigfarbener Holzfläche, nicht ganz eben, weil der Baum, als er fiel, das letzte Stück, das ihn hielt, auf dem Stumpf hinterließ. 

Das Geräusch von Motorsägen kann ich nicht leiden, nicht mal aus der Ferne. Als ich es so nah hörte, ahnte ich schon, was geschehen würde. Wir hatten den Auftrag dazu gegeben. Wenn mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal den Auftrag für eine Baumfällung geben würde, hätte ich denjenigen für alles Mögliche gehalten. 

Die Motorsäge hatte Mühe, das hörte ich und es freute mich irgendwie, dass es Widerstand gab. Das Geräusch erstarb ... um gleich danach von Neuem lautstark zu sein.

Ein neuer Versuch. In der Zwischenzeit laufe ich nach draußen, etwas zögerlich, vielleicht heimlich, aber dann doch mit dem Fotoapparat. Einen sterbenden Baum zu fotografieren, muss ich für mich immer noch mit "Dokumentation" erklären. Bäume sind für mich eben irgendwie ... anders.

Die Säge behält die Oberhand, dann beginnt der Baum sich zu neigen, bekommt das Übergewicht und fällt. Der Schlussakkord, sein Schlussakkord, ist weder laut noch leise. Mit einem mal ist es hell und warm.

Das war auch der Grund "warum", denn leider kann man Bäume nicht bitten, sich einen neuen Standort zu suchen.










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Kommentare:

Mondgucker hat gesagt…

Liebe Beate
Bäume eine Seele aus der Natur gross und mächtig, nur wenn sie Gefahr birgen und Krank sind muss es leider sein. Ich kanns nach fühlen, wird er zu Brennholz oder was wird gemacht oder gehäxelt?

Lieben Gruss Elke

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
wieder sehr schön mit den Details beschrieben. Stilistisch toll, hast Du den Ablauf kurz, prägnant und auch in den Einzelheiten beschrieben !

Gruß Dieter