Mittwoch, 16. Oktober 2013

Reisezeit

Der ultimative Blick in den Briefkasten entfällt. Die Tageszeitung ist seit ein paar Tagen abbestellt. Solche und andere Kleinigkeiten lassen auf eine einzige Sache schließen, eine Reise. Schon fast traditionell geht es den Zugvögeln nach in den Süden. Nicht ganz so weit vielleicht, aber in die alte Heimat.

Das Auto ist am Vorabend reisefertig. Am Morgen folgt noch ein letzter prüfender Blick über Wohnung und Garten, dann kann es los gehen.

Zu Reisebeginn verschenkt der Oktober einen seiner goldenen Tage, an denen man fast bereut, gerade jetzt stundenlang im Auto fest zu sitzen. Der erste kurze Halt gibt dem Gedanken recht. Betörend duftender Wald und Grasbüschel, die mit der Auslage eines Amsterdamer Diamantenhändlers leicht mithalten könnten.



Der Traum von einem Tag hält nicht lange. Immer wieder habe ich den Öresund als Wetterscheide erlebt und lange vor dem Passieren der Meerenge via Brücke und Tunnel, kündigen Wolken den Wetterwechsel an. Der Regen bleibt vorläufig aus. Dafür belohnt die Herbstluft mit einem recht guten Blick über das Wasser, wo knapp vor Erreichen der Tunneleinfahrt, auf der gegenüberliegenden Seite, ein "dicker Brummer" schwerfällig, aber zielsicher, in den Himmel abhebt. Ein Schauspiel, das mich immer noch fasziniert.


Aus einer Laune heraus mache ich auch im Tunnel ein paar Aufnahmen und bin erstaunt, wie sich die Lichter der Tunnelseiten und der übrigen Fahrzeuge mit all der Bewegung eines fahrenden Autos ablichten lassen. Die entstandenen Leuchtgirlanden lassen die Unterwasserröhre beinahe festlich erscheinen.


Im Süden der Insel Seeland nehmen die Wolken dramatische Formen an. Der Wind stürmt ungehindert über das Wasser zwischen den dänischen Inseln, während die stählerne Brückenkonstruktion ihr M unbewegt in den Himmel schreibt.







Die Fähre zwischen Dänemark und Deutschland, die hoffentlich auch nach der Fertigstellung des Tunnels in Dienst bleibt, schaukelt über das aufgebrachte Wasser, wie ein Springpferd über den Hindernisparcours. Eigentlich hatte ich immer Sorge seekrank zu werden, aber es tut sich zum Glück nichts!



Endlich ist das Hotel in Sicht. Dicht am Bootshafen heulen Böen gespenstische Gesänge zwischen den Masten der Segelboote. Das messerscharfe "Kling,Kling" irgendwelcher Metallteile ergibt zusammen ein Konzert der besonderen Art in der Dunkelheit. Der Hunger treibt uns aus dem Haus. Im Restaurant in der Nachbarschaft gibt es genau das, womit ein Reisetag seinen guten Abschluss findet: Fisch mit Kartoffeln und Salat.





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Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

das sind tolle und beeindruckende Bilder. Ich wünsche Euch weiterhin gute Fahrt und einen schönen Aufenthalt in Deutschland.

Liebe Grüße
Jutta

Mondgucker hat gesagt…

Liebe Beate
diese Reise zu sehen wie es immer weiter nach Deutschland geht sind beeindruckende Fotos und Worte.. bei dem Wetter noch Abenteuer behaftet dazu!
Gutes Ankommen!!!!

Lieben Gruss Elke

amselgesang hat gesagt…

Gute Reise und eine schöne Zeit, trotz Regenwetter (von wegen goldener Oktober...)!

wir-und-das-leben hat gesagt…

Hi Beate,
schöne Fotos und interesant geschrieben. Wünschen Dir ein paar schöne Tage in Deutschland.. mit ein wenig Sonne und weniger Grau in grau Vg.

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
schöne Kombination von Bildern und Text. Einerseits beschreibst Du anschaulich mit Worten, was Du erlebst. Dazu kommen die Bilder, damit ich genau sehen kann, wie alles aussieht.

Gruß Dieter