Mittwoch, 9. Oktober 2013

Über Nacht



Es beginnt mit einer Ahnung. 

Das "irgendwie anders" streift die Gedanken im Vorübergehen.

Fein liegt die Schattierung wie ein nicht sauber intonierter Celloklang darüber, der etwas Graues an sich hat.

Einbildung oder Schattenbildung?

Die Wahrnehmung lässt die Augen immer wieder darüber gleiten und will sich an einem Unterschied fest machen, ohne wirklich Greifbares zu finden.

Das bleibt einige Tage so. Schon lange hatten die Kirschbäume vor dem Küchenfenster ein paar Büschel roter Blätter, von denen man behaupten konnte, es seien die trockenen Tage gewesen, die das Laub verfärbt hätten, ähnlich wie beim Gelb der Birken.



Der Eindruck von Grau wird stärker. Dann ist es unmissverständlich, die Bäume wechseln ihr Kleid, Blatt für Blatt oder auch mal chargenweise ganze Zweige. Jeden Tag ein bisschen mehr, sieht man schon bald, dass das Grau nicht wirklich grau, sondern eine eigentümliche Mischung ist, weil grün und rot eine unschöne "gräuliche" Färbung ergeben.

Es geschieht ganz sanft. In der Zeit des Wechsels sehe ich täglich "andere Kirschbäume" vor mir.

Über Nacht entzünden sich die Bäume.

Nun wird es ernst.

Kleine Flammen züngeln: Von Graurot über Orange nach Glutrot. Es werden immer mehr.




Und dann brennen die vier Kirschbäume lichterloh. 


Wer sie löscht? 
Der Wind natürlich!
Er pflückt die flammenden Blätter - eins um das andere -


 und lässt sie in das feuchte Gras fallen. 


***

Kommentare:

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Beate,

Du hast nicht nur tolle Bilder vom Wandel der Farben und der Zeit gemacht, sondern den Wandel auch noch wunderbar beschrieben.
Einfach großartig.

Viele Grüße
Nachtfalke

Yael hat gesagt…

Das ist Fotojournalismus pure! Herrlich die erzaehlenden Fotos! :-)

Kleine Waldameise hat gesagt…

Wunderwunderschön, liebe Beate. Ich liebe diese Entwicklung und genieße diese Verwandlung, auch wenn sie mit Wehmut verbunden ist.

Liebe Abendgrüße
Waldameise

chocolat d'amour hat gesagt…

Sehr sehr schöne Herbsteindrücke!
Ja, das sind in der Tat Birkenblüten. Direkt in der Nähe sind sie nicht, aber das ist die Macht des Windes :D
Ganz viele liebe Grüße, chocolat d'amour :)

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

er hat sich ganz langsam herangeschlichen der Herbst und dann hat er mit aller Macht zugeschlagen.
Mir geht das jedes Jahr aufs Neue so, was Du so wunderbar hier beschrieben hast mit Deinen tollen Bildern und mit dem wunderbaren Text.

Liebe Grüße
Jutta

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
schöne Fotos und schöne Gedanken ... bei uns sind heute plötzlich herbstliche Temperaturen eingekehrt und es hat auch geregnet. Damit hast Du genau meine Stimmung getroffen. Auf dem Fahrrad auf dem Nachhauseweg hatte ich im Kopf an einem Post herum gebastelt. Mal sehen, was daraus wird ... ich müsste zudem noch ein paar Fotos vom Herbst machen.

Gruß Dieter

amselgesang hat gesagt…

Du bist schon eine Märchenerzählerin - so eine, die ganz "normale" Ereignisse so beschreiben kann, dass sie irgendwie märchenhaft werden... man könnte auch sagen, der Alltag wird durchsichtig und dahinter schimmert eine Geschichte durch.
Zauberschön ist das!
Gruß,
Brigitte

Patricia hat gesagt…

Die schöner post ging mir richtig unter die Haut......

Roswitha hat gesagt…

Meine Gutenachtgeschichte, danke.

Isa hat gesagt…

Ces couleurs sublimes sont propices à la photographie.