Mittwoch, 23. Oktober 2013

Verletzlich


Der Felsabriss sieht dramatisch aus. In Kaskaden stürzen Steilwände an die hundert Meter in die Tiefe, eine Verwundung der sonst bewaldeten herbstlich bunten Landschaftsidylle. 



Auf den "Terrassen" befinden sich Fahrbahnen für gigantische Lastwagen. Die Fahrbahnränder auf den Terrassen markieren mannshohe Felsbrocken, der Sicherheit halber. Auf einem Absatz im oberen Teil der Wand steht eine Art Riesen-Presslufthammer. Alles unterliegt einer gewissen Gigantomanie, wenn es mit Gestein zu tun hat.


Staub schwebt wie ein Hauch von Nebel in der Luft. Überhaupt ist in der Nähe des Steinbruchs alles von einer feinen grauen Staubschicht überzogen. Transportbänder einer Förderanlage spannen sich kreuz und quer über das Gelände, ein Wirrwarr an Verbindungen, die nach jeder Sprengung Steine zu Zerkleinerungsmaschinen befördern. Unter ihnen warten andere Lastwagen, Traktoren mit Anhängern und allerlei Räum- und Transportfahrzeuge auf ihre steinige Fracht. 



Ich bin auf dem Weg nach Rugendorf, seit kurzem zweimal die Woche. Er führt durch eine der kleinsten Städte Bayerns. Etwas über 1000 Einwohner hat Kupferberg, ein Name, der die Bergbauvergangenheit widerspiegelt. Im Steinbruch, an dem die Straße vorbei führt, wird kein Kupfer mehr abgebaut, das ist Geschichte. Trotzdem erinnert mich die Grube an das schwedische Falun, das sehr lange vom Kupferabbau lebte, natürlich in anderen Ausmaßen als hier und auch sehr viel länger. Manchmal ähneln sich Landschaften in mehrerlei Hinsicht.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich im Internet herausfinde, welches Gestein heute den maschinellen Aufwand rechtfertigt, der hier zweifellos betrieben wird. Mit etwas Zeitaufwand hob sich dann der Schleier des Rätsels. Das Gestein, das als "Diabas" (etwas umstritten!) bezeichnet wird, ist die Grundlage für Gesteinsmehl, das als mineralischer Dünger in der Landwirtschaft Verwendung findet. Ein Aha-Erlebnis für mich, warum Traktoren mit Anhängern auf dem Werksgelände standen und eine Erklärung für das graue Pulver, das stellenweise zentimeterdick den Erdboden bedeckt.

Dem Auge bietet sich eine urtümliche, wilde Landschaft. Trotz der Not-Wendigkeit, der Eindruck der verletzten Erde will nicht weichen.



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1 Kommentar:

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Beeindruckende Bilder von einer eigentlich schönen Landschaft. Du hast die richtigen worte gefunden "verletzte Erde".
Danke für den interressanten Beitrag und die schönen Bilder.

Viele Grüße
Nachtfalke