Dienstag, 1. Oktober 2013

Zeit für Gedanken

Hinter den Bäumen erhebt sich ein dunkles Wolkengebirge. Kühle, feuchte Herbstluft empfängt mich beim ersten Schritt nach draußen, angenehm frisch duftend nach Blättern und Erde. Mit dem bekannten "Klack", das in der Wahrnehmung wie alle Alltagsgeräusche zweitrangig wird, schließt sich der Deckel des Briefkastens. Die Zeitung ist klamm, die Falz an einer Ecke nass. Morgenboten der Jahreszeit.

Der Kaffeetisch ist gedeckt. Aus dem leicht offenen Verschluss der Thermoskanne treibt die Luft dauerhaft geräuschvoll Bläschen. Ich mache dem ein Ende. Am Morgen kann das Leiseste zu laut sein. Wenigstens kommt das Teelicht ohne Geräusche aus. Beruhigend auch, wie sich das Wolkengebirge mit seinen Spitzen und Täler am Küchenfenster vorbeischiebt.

Die Morgenzeit ist die Zeit der Gedanken und die stehen schon zu Dutzenden an, um gedacht zu werden. Erst einmal den Wirrwarr sortieren. Am aufdringlichsten sind die, die sich mit mir und dem nächsten Sommerprojekt auseinandersetzen wollen. Nein, nicht sie wollen, ich will mich damit beschäftigen.

Ich erinnere mich an Worte, die ich in den letzten Tagen auffallend oft gehört hatte. Am Ende stand das eigene "Ach so", das eine interessante Informationslücke schloss und diese hieß: "Was machen die Schweden im Winter?" Es geht ganz klar nicht um Eislaufen oder Langlauf, sondern das, womit die langen Abende, außer natürlich fernsehen, gestaltet werden. Die Antwort ist: In Katalogen blättern, Bestellungen aufgeben für das kommende Gartenjahr.

Natürlich hat nicht jede/r Schwede/in  einen Garten oder ist der Arbeit darin zugetan, aber es kam auffallend oft dieser Satz: "Und dann im Winter bereiten wir das kommende Gartenjahr vor".

Es war auch nicht die Aussage allein, die sich mir vor allem einprägte, sondern dieses Leuchten in ihren Augen, während wir über "unsere Gärten" sprachen. Es hat mich angesteckt oder vielleicht hat es ein "Teelicht-Flämmchen" zum Feuer entfacht? 

Ich lass das mal auf mich wirken. Jetzt lese ich meine Zeitung!




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Kommentare:

Mondgucker hat gesagt…

eine gelungene mitreissende Morgenepisode, da komm ich auch an mich ran mit der Frage was machen die Cuxländer ausser Fernsehen hier... und was ich bemerke auch hier gibts viele grosse Gärtensiedlungen zwischen den Häuser und Felder.
Ich habe mit zwei Männer geredet, ausführlich so wie ich mich hier Fühle fällt mir gerade ein, das wahr wunderbar muss ich sagen.. berichte ich, ja so wie du das leuchten den Frauen sahst so erlebte ich diese Männer..
Garten ist was tolles, nur leider reicht bei uns das Geld nicht aus noch dieses Stücken Erde zu haben. Deswegen freue ich mich um so mehr wie du aufblühst förmlich dieses für dich gefunden zu haben, so wünsche ich dir viele Tage beim rum stöbern und überlegen, austesten für dein Stückchen Gartenreich fürs nächste Jahr!
Es grüssen dich sehr lieb die Cuxbande *zwinker* von Elke und ich Sandra

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
wunderschön erzählt. Jede Formulierung, jedes Wort wirkt für sich. Ich denke, dass ich das nicht so gut hinkriege wie Du: dass nämlich nichts passiert in Deinem Post, außer dass Du zum Schluß die Morgenzeitung aufschlägst. Dazwischen breitest Du die Fülle von Eindrücken und Gedanken aus.

Gruß Dieter

Kleine Waldameise hat gesagt…

Sehr schön hast du die Morgenszene beschrieben, liebe Beate. Ich kann mich in sie hineindenken ...