Freitag, 29. November 2013

"Einmal Visby und zurück"...

... das gab es lange nicht mehr in unserem Städtchen und nun soll es entgegen aller Unkenrufe bald wieder soweit sein. Visby ist der Hauptort auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland und gute 3 Stunden Bootsfahrt vom Festland hier entfernt. Die kürzeste Entfernung übrigens.

Die Wirtschaftsgeschichte der jüngsten Zeit meinte es nicht gut mit meiner Wahlheimat, der "Perle der Ostküste". Nachdem ein namhafter schwedischer Elektrokonzern seine Pforten vor einigen Jahren schloss, stand die Fährverbindung nach Visby auf Gotland auf dem Prüfstand, bis sie aufgegeben wurde. Das Städtchen verlor nicht nur die Steuereinnahmen aus der Wirtschaft, sondern auch seine Bedeutung als Hafen. Ein herber Einschnitt für den Tourismus, dem einzigen Wirtschaftszweig, der die Stadt einigermaßen, saisonal über Wasser hielt.

Das Glück der Wirtschaftswelt verabschiedete sich in das 80 km weiter südlich gelegene Oskarshamn. Mit dem nahen Kernkraftwerk sprudelten die Steuereinnahmen fast automatisch in den dortigen Stadtsäckel. Der Wirtschaftsstandort wurde attraktiv. Bald gab es aus Småland nur noch diese einzige Fährverbindung auf die beiden großen Ostseeinseln Schwedens.

Im Nachhinein sprach man von Nachlässigkeit und Schlamperei der damaligen Stadtväter. Viel zu schnell wurde der Aufgabe der Fährverbindung zugestimmt. Dass man nun Mühe hat, diese wieder aufzubauen und vor allem rentabel zu gestalten, ist allein an den widersprüchlichen Aussagen in den Artikeln der heimischen Zeitung abzulesen.

Mindestens einmal pro Woche werden gegensätzliche Aussagen über eine neue Fährverbindung unters Volk gebracht. Die Leute "winken ab" und widmen sich anderen Themen. Verständlich, denn die Triebfeder, Projekte voranzubringen, stellte sich mehr als einmal als zu kurz heraus. Wie ich schon einmal schrieb, verlief hier Einiges im Sand.

Nun bekam die Hoffnung neue Nahrung. Ein Boot sei gechartet und stünde in Athen zur Abholung bereit. Nicht bereit sind aber die Hafenanlagen, die bis nächstes Jahr im Juni modernisiert werden müssen, damit die Inbetriebnahme zur schwedischen Urlaubszeit erfolgen kann. Arbeitsplätze müssen besetzt werden und ein Fahrplan erstellt.

Ein Wettrennen mit der Zeit hat begonnen, der Winter ist die Eiskugel am Bein. Und trotzdem hoffen alle auf gute Aussichten für die neue Chance. "Einmal Visby und zurück", das wär' schon was!





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