Dienstag, 26. November 2013

"Eisbein"

Der "Möbelriese" am Stadtrand ist als Pflicht schnell abgehakt. Die Kür ist mir lieber.


Leider hat sich die Stadtkarte von Linköping immer noch nicht ausreichend ins Gedächtnis eingeprägt. Das Auto und ich "landen" am Dom. Das ist nicht schlecht, weil eindeutig.

Linköping im Lichterschmuck verspricht Abwechslung. Ich habe die Kälte unterschätzt und für einen ausgedehnten Stadtbesuch viel zu wenig angezogen. Zusehends rutschen die Temperaturen noch einmal um einzelne Grade nach unten. Die Kälte wird bissig, kriecht unangenehm am Körper hoch, ich bin angespannt. "Keine Lust auf Fotos" und so bleibt das des Glockenturmes das einzige.

Ich bin hungrig und friere, ein Zustand, den ich schon sehr lange nicht mehr in dieser Intensität hatte. Die Kälte zehrt und zerrt. Ich jage fast schon die Straße hinunter zum Marktplatz.

Verlockend reihen sich dort Restaurants und Cafes aneinander. In den Panoramafenster spiegelt sich meine Gestalt. Gleichzeitig schauen mir entspannte Gesichter gut gelaunter Menschen entgegen und Mäntel über den Stuhllehnen.

Meine Wahl fällt auf den Italiener an der Ecke. Beim ersten Schritt nach drinnen fällt die Kälte schlagartig von mir ab. Eine riesige Last ist wie weggeblasen. Ich spüre wie sich jeder Muskel entspannt. Mein Innenleben beginnt sich zu beruhigen.

Es gibt genügend freie Plätze. Ob mir die Bedienung ansieht, dass ich Hunger habe? Sie weist freundlich auf das Buffet. Erst dann gibt sie mir die Speisekarte. Ein Italiener, der keiner ist, das ist in Schweden häufig so. Die Zuwanderung aus dem Nahen und Mittleren Osten ist enorm. Die Küche liest sich eindrucksvoll und für meine Begriffe ideenreich und ist endlich mal abseits von köttbullar (Fleischklößchen), potatismus (Kartoffelbrei) und pytt i panna ("Rest von Gestern und Vorgestern", eine Art Nationalgericht).

Gefüllte Weinblätter, Reissalat, Artischocken, Oliven. Ich muss aufpassen, dass mir der Hunger nicht zu viel auf den Vorspeisen-Teller löffelt. Ich warte indessen auf "Ofenkartoffel mit Tunfischpaste und Salat".

Draußen, vor dem Panoramafenster huschen Gestalten vorbei: den Kopf in die Schulter gezogen, den Mantelkragen bis über beide Ohren hochgeschlagen, die Hände in den Taschen vergraben oder in dicke Schals gewickelt. Ich bin zufrieden.


*** 

Kommentare:

Junischnee hat gesagt…


"Pytt i panna" hört sich spannend an *ggg* - ich hätte aber auch die Ofenkartoffel gewählt!
Hungrig warte ich auf das Eintreffen meiner Jungs mit Anhang und grüß Dich unterdessen ganz ♥lich! Christine

Beate hat gesagt…

Hej Christine,

Du bringst mich da auf eine Idee! Ich sollte man ein Rezept für Pytt i Panna einstellen.
Danke für Deine Begeisterung *kicher*

Gruß ins Oberbayerische
Beate