Donnerstag, 21. November 2013

En miniature

Die blaue Stunde ist längst vorbei. Die Bäume im Wald hinterm Haus staken wie schwarze Reisigbesen in den dunklen blaugrauen Abendhimmel. Wenn ein Tag Novembertag heißen sollte, dann müsste das der heutige sein. Anders als vor zwei oder drei Tagen hat nur diffuses Licht auf die Erde gefunden. Das einzig wirklich Strahlende ist die Straßenlaterne an der Ecke, bevor der kurze, gepflasterte Weg an unsere Haustür führt.

Abends erscheinen an den Fenstern da und dort schon erste Lichterbögen. Das erstaunt hier Niemanden. Die Sehnsucht nach Licht wächst mit der Anzahl der Stunden Dunkelheit. "Bloß keine trüben Gedanken aufkommen lassen!" Wollen sie näher kommen, werden sie verscheucht. Aber auch ohne Betrübnis ist die Beschäftigung mit dem Adventsgedanken hell und freundlich. Einmal Zeit haben, statt dem sonst üblichen "ich-muss noch was für den Advent...", tut der Kreativität gut.



Ein leerer Blumenkasten, sonst Behältnis für Geranien, Fleißige Lieschen und ähnliche Gewächse, ist eine willkommene Aufgabe für solche Novembertage. Der Wald nebenan erleichtert die Gestaltung. Dort gibt es alles, was für eine kleine Traumlandschaft aus dem Reich der Wichtel gebraucht wird: Steine, Moos, Erde, Zweige. Die übrigen Zutaten befinden sich im Keller: kleine Glaskugeln, Mohnkapseln, Sternchen, ein Holzwichtel, den ich vor Jahren von einer kleinen Schwedin geschenkt bekam. Die Wohnung hat keinen geeigneten Platz für solche Arbeiten, deshalb dient die überdachte Terrasse als Arbeitsplatz. Noch lassen die Außentemperaturen das zu.




Zuerst fülle ich die Erde in den Blumenkasten, lege dann die vier verschiedenen Moosarten, die ich auf dem Felsenhügel gefunden habe, darüber. Die Moosteile sind nicht passgenau. In den Zwischenräumen ist die Erde zu sehen. Dort stecken zum einen die Zweige von Heide und Wachholder, zum anderen werden sie mit den kleinen Glaskugeln ausgefüllt oder mit den Mohnkapsel, die aus einem Gesteck früherer Jahre stammen.

Der adventliche Fensterschmuck kostet keine Krone, außer ein wenig Zeit an einem trüben, typisch novembrigen Tag.


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Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

wunderschön hast Du das dekoriert. Ich werde jetzt auch langsam anfangen.
Deine Aufnahmen von der Wacholderdrossel sind Dir exellent gelungen. Einmal konnte ich sie auch schon festhalten. So oft sieht man sie bei uns aber nicht.

Liebe Grüße
Jutta

Galina Kran hat gesagt…

Bei mir ist auch schon Weihnachtsstimmung hübsch sieht dein Blumenkasten aus .lg galina

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
wieder einmal poetisch wunderschön beschrieben. Ja, das stelle ich mir bei Euch in Schweden in der Tat kritisch vor, wenn die Tage so kurz sind, wenn Du mit soviel Stunden Dunkelheit klar kommen musst. Ich denke aber, man kann es schaffen, sich mit dermaßen langen Abenden zu arrangieren.

Gruß Dieter

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Beate,

Dein Fensterschmuck ist nicht nur einfallsreich, sondern auch sehr schön geworden. Davor einen Lichterbogen und man vergisst die winterliche Dunkelheit und hat es auch noch sehr gemütlich.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Viele Grüße aus Niedersachsen.
Nachtfalke