Freitag, 13. Dezember 2013

Luciadagen

Die Nacht vor Lucia war eine der gefährlichsten des Jahres, eine Nacht voller Unruhe. Übernatürliche Kräfte, mehr als sonst, waren unterwegs und es galt sich zu wehren und keine Fehler zu machen.

Das Luciafest wurde zuerst in Westschweden gefeiert. Von dort verbreitete es sich aus Värmland und Västergötland in die Universitätsstädte und später auch in andere Orte. Ein ziemlich massloses Essen und Trinken gehörte zur Lucianacht. Sieben Mal zu frühstücken war "normal".


Ein Engländer, Horace Marryat, der sich am 13. Dezember 1860 in Nora befand, erzählt:

"Lange vor Tagesanbruch stand bei meinem Bett eine weißgekleidete Jungfrau, die auf ihrem Kopf eine Krone aus brennenden Talglichtern trug. Sie bot mir Kaffee und sang gleichzeitig ein Lied, wie es der Brauch ist am St Lucia Tag  in Värmland und Närke. In beiden Provinzen wird der Tag als Festtag gefeiert. Mehrere Tag vorher sind die Hausfrauen beschäftigt Wurst, Schinken, Eier, Gebäck und Gott weiß was alles, herzurichten; und wenn Lucia das Frühstücksgetränk serviert, setzt sich die ganze Familie an den Frühstückstisch. Lucia sitzt dort als Königin des Festes, während der Kerzentalg auf ihren Kopf und ihr Haar tropft. Im Falle das Frühstück dauert länger, muss die Krone erneuert werden. Ist das Frühstück vorüber geht man wieder ins Bett."

Lucia hat eine merkwürdige Verwandlung mitgemacht. Von der westschwedischen robusten Lusse, über die katholische Heilige aus Sizilien zur hübschen, lichtumstrahlten Offenbarung unserer Tage. Und so gesehen ist sie voll und ganz schwedisch. Viele Nobelpreisträger sind irritiert aus dem Schlaf erwacht beim Anblick des weißgekleideten Mädchens mit dem Kaffeetablett und den Lichtern im Haar. (die Preisträger mit Familien übernachten eine ganze Woche im Grand Hotel in Stockholm).

Seit die Zeitung "Stockholms Tagblatt" 1927 einen Luciatag auf Stockholms Straßen veranstaltete, verbreitete sich der Luciatag in kurzer Zeit und jetzt gibt es kaum eine Schule mehr, einen Arbeitsplatz oder einen Verein, wo man nicht Lucia feiert.

Aus den Tagen der urschwedischen Lucia stammen die Lussekatter. Sie sollen Böses fernhalten und das ist doch nicht schlecht, an einem Freitag den 13. ;-)


Man braucht für 25 Stück:

3dl    Milch
50gr    Hefe
8-9dl    Weizen-Weißmehl
100gr    Butter
1dl    Zucker
1dl    Rosinen
1    Ei

* Milch lauwarm werden lassen
* eine Vertiefung ins Mehl drücken und die Hefe hineinbröckeln
* mit etwas Milch (von der erwärmten) und Mehl die Hefe zum Vorteig anrühren. 10 Min. warm    stellen.


* Zwischenzeitlich die Butter zerfließen lassen und den Zucker in die Butter rühren.
* Das Ei verquirlen
* Die übrige Milch, die flüssige Butter/Zuckermasse und die Hälfte des verquirlten Eis zum Vorteig geben und mit dem Rest des Mehls zu Teig verkneten.
* Den Teig kneten, bis er sich ohne Probleme vom Rand löst. (evtl Mehlzugabe)
* Den Teig 40 Min an einem warmen Ort gehen lassen.

* Backofen auf  225-250° vorheizen
* Den Teig auf einem bemehlten Backbrett zu einer gleichmäßigen Rolle formen.
* Die Rolle in 25 gleichgroße Stücke teilen, rollen und Enden zu Schnecken formen
* Nochmals 10 Min an einem warmen Ort gehen lassen.

* In die Schneckenmitte Rosinen stecken und das Gebäck mit dem Rest des verquirlten Eis bestreichen.
* Die Lussekatter ca. 8 Minuten backen. Wenn sie beginnen braun zu werden mit Milch bestreichen, damit sie hinterher glänzen.



***

Kommentare:

Yael hat gesagt…

Ein schoener Post. Danke fuer alle Erklaerungen und das Rezept! :-)

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

wie schön ich wa rimme rbegeisert wenn so viele Filme kamen von diesem Brauch!!!
Dankeschön für das schöne Rezept werde es mir mal merken und nach backen!

Lieben Gruss Elke

Nula hat gesagt…

Wir haben heute den Luciatag gefeiert.
Im letzten Jahr habe ich meiner Klasse die Lucia-Legende von Selma Lagerlöff erzählt. Nun waren wir schon zum zweiten Mal im ganzen Schulhaus unterwegs und haben alle mit Licht und Leckerem beschenkt.

Liebe Grüße
Nula

und einen schönen dritten Advent.

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Beate,

ein schöner Brauch und eine wunderbare Erklärung. 7 Mal zu frühstücken wäre mir allerdings ein bisschen zuviel.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Viele Grüße
Nachtfalke

amselgesang hat gesagt…

Tolle Geschichte, das mit Lucia und Lusse usw. Ich habe eben ein bisschen nachgegoogelt und gelesen, dass das Luciafest ursprünglich in Deutschland entstanden sei (mit einer Art "Christkind" anstelle des "katholischen" Nikolaus)und dann mit deutschen Auswanderern nach Schweden kam. Interessant!
(Ja, und was machen übrigens so Leute wie wir, die nur Buben haben, am Luciatag?? Wer serviert da den Kaffee? Das würde mich jetzt echt interessieren...) :-)
Einen gemütlichen dritten Advent wünscht dir
Brigitte

Beate hat gesagt…

@ yael
gerne geschehen Yael :-)

@ Mondgucker-Strandläufer
die Filme habe ich auch gerne gesehen. Für die Backerei gutes Gelingen!

@ Nula
das finde ich ja prima, dass ihr diese Tradition als Thema hattet. Lichtgestalten haben ja etwas sehr Zuversichtliches in dieser Jehrszeit.

@ amselgesang
findest Du vll die Linkadresse noch über diese Erklärung? Vll ist es möglich das zeitlich einzuordnen mit der "deutschen" Lucia. Es würde mich nicht wundern, denn auch der Mittsommerbaum stammt aus deutschen Landen. Dieser wird hier Majstange genannt und ist ursprünglich der Maibaum deutscher Einwanderer. Das ist es wirklich wert mehr darüber nachzulesen.
Tja und mit Buben in der Familie kann ihr mir die Nachbarstochter oder eine Cousine als Familienlucia auch gut vorstellen.
Heute wird der Brauch aus den Familien in Schulen, an Arbeitsplätze und in die Vereine verlagert. Keiner steht für Lucia freiwillig mitten in der Nacht auf ;-)

Liebe Grüße an Euch aus Schweden und eine wunderschönes Wochenende am 3. Advent.
Beate

Beate hat gesagt…

@ amselgesang

http://www.svenskaskolan-berlin.de/

ich denke das war der obige Link...
sehr interessant.

wir-und-das-leben hat gesagt…

Sehr lecker und toll erzählt =) Werd ich auch mal austesten und gucken ob dann so ne Art Fee in weiß mit Kaffee am Bett daherkommt ^^

Ute Böhm hat gesagt…

Hallo Beate,
danke mal wieder für deine tollen Erklärungen!!! Das ist doch sehr interessant.
Auf deinen Pulli, mit der ersten selbstgesponnen Wolle, bin auch gespannt, du zeigst ihn doch, oder?
Deine Straßenlaterne in den Schneeflocken gefällt mir, auch hast du Schneekristalle geknipst, echt toll!!!
Ja, ich schaue immer gerne bei dir rein ☺
Einen schönen 3. Advent wünscht dir,
Ute ✿

Beate hat gesagt…

@ "wir uns das Leben",
weiß nicht, ob das im Grand Hotel für alle Gäste arrangiert wird.

;-))

@ Ute
ich habe gemerkt, dass die Wolle noch sehr unterschiedlich in der Stärke wird. Also vll gibt es als erstes eine Art Hüttenschuhe, aber das erste Wollgestrickte bekommt selbstverständlich seinen Platz im Blog.
Natürlich freu ich auch, wenn gelesen wird, was ich schreibe

Gruß nach Berlin und einen schönen 3.Advent
Beate

amselgesang hat gesagt…

Stimmt, genau diese Seite von der schwedischen Schule in Berlin habe ich gelesen.