Donnerstag, 2. Januar 2014

Auf dem absteigenden Ast?

Kaum ist es da, ist es vorbei. Weihnachten, das Fest, auf das die Menschen warten, um dann das Weite zu suchen, im Außen immer öfter, im Innen noch mehr. Blasphemie? Nein, ich weiß kein anderes Fest das so unterschiedliche Gefühle hervorruft. Dabei ist sein tiefer Sinn einfach, ursprünglich und lebensbejahend.

Unmissverständlich und zielstrebig wechselt das Kaufhaus in der nahen Kreisstadt seine Deko. Weihnachten wird vertauscht, mit der fünften Jahreszeit! Meinem Weihnachtsstern auf der Fensterbank ist das egal. Außer ein paar grünen Blättern hat er n o c h nichts verloren. Das wundert mich, wo er doch so gar nicht in die Landschaft passt.



Warum?, er ist doch schließlich ein Synonym für die Weihnachtszeit geworden. Der Grund: Der Weihnachtsstern gedeiht am besten in warmem subtropischen Klima. Ich staunte vor vielen Jahren nicht schlecht, als ich in der Metropole Sao Paulo den ersten Weihnachtssternstrauch in Baumformat sah. In dieser Größe würde er schwerlich auf meine Fensterbank passen. Dafür haben die Pflanzenzüchter ihn verkleinert und ihm noch andere Eigenschaften mitgegeben, die ihn zum alljährlichen Kassenschlager gemacht haben. 

Die "Euphorbia pulcherrima", ist ein lebendes Beispiel für eine malträtierte Pflanze und kommerzialisiert, wie Weihnachten selbst. Sie gehört zu den Millionen Pflanzen, die nahezu für den "Einmal-Gebrauch" in Massen hochgepäppelt werden, mit dem Effekt der Umweltbelastung durch Pestizide und dem Energieaufwand der Treibhäuser. Die jährliche Nachfrage gibt den Pflanzenzüchtern recht. 


Das lieb gemeinte Pflanzengeschenk mit dem besonders festlichen Flair von Goldkugel und Goldlöckchen hat es schwer. Leider kommen Weihnachtssterne trotz aller Züchtungsversuche mit der Zimmerluft nicht gut zurecht. Das Ende vom Lied ist die Mülltonne, denn bei derSchadstoffbelastung ist von der Kompostierung abzuraten.

So sehr ich mich über die Gabe gefreut habe, den Zwiespalt von Tradition und Umweltbewußtsein kann ich nicht verleugnen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird mein Weihnachtsstern ein zweites Fest wohl auch nicht erleben. 




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Kommentare:

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
das ist uns mit unsere Weihnachtssternen ähnlich ergangen. Eine Zeitlang sin sie schön rot, aber bei uns halten sie kaum ein Jahr, bis die Blätter verwelken und abfallen.

Gruß Dieter

Roswitha hat gesagt…

Hej Beate,
ich habe anderes mit dem Weihnachtsstern erlebt. Meiner bekommt bei Gelegenheit einen größeren Topf, ca. im Mai werden die Triebe oder der eine Trieb gestutzt und schon beginnt er wunderbar zu treiben, dass er bei mir auch fast zu viel Platz ein nimmt. Aber er hat eine wunderbar frische grüne Farbe, die ich lange genieße. Irgendwann nervt mich dann die große Pflanze und sie wanderte (bisher) meist auf dem Kompost. Ich habe sie aber auch schon über den nächsten Winter gebracht. Dadurch, dass die Pflanze erst blüht wenn sie lange dunkle Tage erlebt, blühte sie bei mir nicht zur Weihnachtszeit, aber danach. Selbst wenn die Blütenpracht nicht so üppig ist wie bei den gezüchteten, war es mir eine große Freude, sie überhaupt wieder blühen zu sehen. Dieses Jahr möchte ich es doch noch mal probieren ihre "Triebfreude" auszuhalten. Denn der Wegwerfmentalität stelle ich mich gerne so gut ich vermag dagegen.
Herzlich Roswitha

Beate hat gesagt…

Hej Roswitha,
der Weihnachtsstern ist ja keine einjährige Pflanze. Ich bin allerdings überzeugt, dass sie als Wegwerfartikel gedacht ist, denn wenige machen sich die Mühe den individuellen Anforderungen dieser Pflanze gerecht zu werden. Hätte ich genügend Platz, würde ich es auch versuchen. Ich würde mir keinen Weihnachtsstern selber kaufen.

Viel Freude an Deinem Weihnachtsstern. Für mich ist es immer wieder eine, wenn ich sehe, wie Pflanzen durch meine Hans gedeihen.

Liebe Grüße
Beate

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

diese vielen kleinen Weihnachtssterne die fast wie Meerblumen in den Gärtnereien blühen und in den Kaufhäusern finde ich so schade und ich habe mir schon lange abgewöhnt einen zu kaufen.. doch ich habe das zum ersten Mal gelesen dass man ihn doch noch zum aufblühen bringen kann fürs nächsten Jahr!
Lieben Gruss Elke

amselgesang hat gesagt…

Ja, leider gibt es solche "Einmalpflanzen", die zu Verbrauchsartikeln degradiert werden. Einen Weihnachtsstern würde ich mir aber auch aus einem anderen Grund nicht kaufen: ich habe vor vielen Jahren mal einen geschenkt bekommen und ein paar Stunden später hatte ich eine sehr unangenehme allergische Reaktion mit roten, juckenden Flecken am ganzen Körper - so was ist mir in meinem ganzen Leben nur zweimal passiert, und beim zweitenmal war es ein Antibiotikum. Ob es nun die Pflanze selber oder ein übles Spritzmittel war - ich bleibe seither auf Abstand.