Mittwoch, 29. Januar 2014

Marin-iert

- 15 Grad, Gefrierschrank-Temperatur am frühen Morgen!

"Der Diesel" auf dem Parkplatz will die Freundschaft kündigen. Schließlich lässt er sich doch erweichen, rechtzeitig, um an Bord zu kommen. Teilnahmslos und blassgelb hängt der Mond derweil am wolkenlosen Himmel.



Zuerst vom Auto (das geschieht in letzter Zeit öfter, merke ich), später von der Fähre aus, breitet der Reiz des Neuen die Eindrücke vor mir aus. Die neue Route ist ein Stück Lebendigkeit im Altgewohnten. "Immer wieder etwas anders machen" eine Devise, die sich bewährt hat. Auch diesmal.



Mancher Blickwinkel ist gewaltig, mancher verführt zu Assoziationen, ein anderer beeindruckt durch Konstruktion oder System. Und da sage jemand, Industrieanlagen hätten rein fotografisch nichts zu bieten.




Der Überseehafen Rostock ist ein Sammelsurium von Straßen, Rampen, Pontons, Absperrgittern und Toren. Maschinen haben riesenhafte Ausmaße, wie die Hafenanlage selbst. Für das erste Mal Zurechtfinden braucht es ein wenig Phantasie und Kombinationsgabe. Die Beschilderung ist nicht sonderlich hilfreich.

Polizei fährt Patrouille und mustert die Wartenden. Häfen sind ein Dreh- und Angelpunkt für Allerlei, die Überwachung mehr als gerechtfertigt.

In der Kälte hocken Möwen zusammengekauert auf Beton und Asphalt, ein harter Ruheplatz, ein hartes Leben. Sie sind einiges gewöhnt. Die Kolonie erwartet den kommenden Tag und darauf, dass die Luft ein paar Grad milder wird. Plötzlich schreckt sie etwas auf.



Wie auf Kommando erheben sich alle und fliegen eine, zwei Platzrunden. Nach und nach versammeln sich deutlich weniger als vorher. Der Rest bevorzugte das baumbestandene, gegenüberliegende Ufer.

Die Fähre kommt. 



Einen "aussichtsreichen" Sitzplatz zu finden ist leicht, die Anzahl der Mitreisenden klein. Allerdings ließ die Kälte die Gischt an die Fenstern frieren. Tausend winzig kleine Sonnen sind eine Herausforderung für die Sicht.

Langsam schiebt sich die Fähre durch die Hafenbecken. Ich fotografiere trotz der Eisfenster. Manchmal haben solche Fotos ihren eigenen Charme.




Zwei Stunden Überfahrt versprechen Entspannung. Ich weiß, dass die Fähre eine vielbefahrene Schifffahrtsstraße kreuzt und bin auf Begegnungen gespannt, zumal die extreme Wetterlage seltsame Erscheinungen hervorbringt.







Aus der Nebelwand taucht ein Tankschiff auf. Kein "fliegender Holländer", sondern ein Schiff mit brenzliger Ladung für einen nordwärts liegenden  Ölhafen. Die Sicherheit liegt, mit Hilfe der Technik, in den Händen der Menschen, die diese Arbeitsplätze ausfüllen und großen Respekt verdienen.

Kurze Zeit später löst sich die etwas gespenstische Szene mit den Nebelbänken auf. Eine Durchsage beendet schließlich die Überfahrt. 



Draußen kündigt eine dunkle Wolkenfront den Wetterwechsel an, der sich allzubald einstellt und dem Weiterkommen ein paar Hindernisse in den Weg räumt.




  
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Kommentare:

diefahrradfrau hat gesagt…

Wow, eine wunderschöne kleine Reise in eine Welt, die ich so selten erlebe. Danke für´s Mitnehmen!
Und der Blick durch die Eisfenster ist übrigens wirklich ein ganz besonderer... - so schön!
Liebe Grüße
Christiane

Joona Bäcker hat gesagt…

Durch die geeisten Fenster zu knipsen, war eine tolle Idee. Die Aussicht dahinter wirkt dadurch vermutlich viel dramatischer, als sie tatsächlich war. Mir gefällt das richtig gut.
Liebe Grüße Joona

amselgesang hat gesagt…

Mir auch! (Die Eisfenster). Sehr interessante grafische Wirkung.
Wie gut, dass ihr wohlbehalten nach Hause gekommen seid bei dem Wetter!
Machs gut,
Brigitte

Ana Mínguez Corella hat gesagt…

Great shots.. Congrats. .

geistige_Schritte hat gesagt…

liebe Beate,
eine spannende kalte Zurückfahrt war das deine Bilder dazu zeigt vieles was so gesehen wird und intressant was ihr alles im Winter auf euch nimmt!
Ich wünsche dir ein gutes Ankommen Daheim in Schweden!

Lieben Gruss Elke

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
-15 Grad, davon sind wir im Rheinland weit entfernt. Gottseidank, denn ich bin nicht scharf auf Kälte + Eis + Glatteis. Schöne Fotos bei den eisgefrorenen Temperaturen ...

Gruß Dieter

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Hallo Beate,

einfach klasse, was für Bilder Du eingefangen hast. Du hast recht, auch Industrieanlagen können schöne Fotomotive sein, aber auch die Eisbilder sind gelungen und zeigen etwas Besonderes.

Überseehäfen haben mich schon immer gereizt (vielleicht nicht unbedingt im Winter), aber da wir mal nach Schweden wollen, könnte es gut möglich sein, dass wir den Hafen auch mal sehen werden.

Danke für die wundervollen Einblicke zu dieser Überfahrt.

Viele Grüße
Nachtfalke