Mittwoch, 19. Februar 2014

Nicht nur Honig

Benommen parkt das Insekt auf der weißen Styroporkiste. Kleinstbewegungen im Zeitlupentempo sind das einzige Lebenszeichen, sonst könnte man es für tot halten.

Der Hügel auf dem die Styroporkiste steht ist rund dreieinhalb Kilometer von zu Hause entfernt und heißt Kulbacken. Er liegt auf der Ostseite der Bucht, beherbergt ein Heimatmuseum, ein Naturkundemuseum, ein Restaurant, einen Aussichtsturm mit Webcam und die Bienenstöcke des ortsansässigen Imkervereins.

Während ich die Frühlingsluft und den Rundblick genieße, kommt Leben in die Bude namens Bienenbeute. Die Sonne wirkt auf die fleißigen Insekten wie ein Wecker. Das Kribbeln und Krabbeln wird mehr und beherrscht bald das gesamte Nest. Nur das Insekt obenauf tastet sich langsam vorwärts. Fühler und Beine wollen noch nicht gehorchen und mir scheint, als habe es an diesem Vorfrühlingstag zu früh gewagt, das warme Nest zu verlassen. Die anderen Bienen rund um das Einflugloch sind eindeutig munterer.

Die neu gewonnene Freiheit ist auch für Bienen etwas Besonderes. Keine erhebt sich sofort in die Lüfte. Alle kriechen am Einflugloch hin und her und tun, was Lebewesen, die einen Winter lang Nahrung zu sich nahmen, ohne die Reststoffe los zu werden, tun müssen. Es sieht ganz nach "Gang auf die Toilette" aus.

Danach heben einige Eifrige ab, um sofort wieder zu landen. Vielleicht eine Flügelprobe, ein Testflug? Man spürt, alles steht in den Startlöchern. Zwei steuern meine dunkelblauen Hose an. Ich stehe ziemlich dicht am Bienenstock. Dunkelfarbiges wird wärmer. Die Bienen bemerken das. Und dann, eine von ihnen - nein, bitte nicht - und, ... schon passiert,  ..... das Tempotaschentuch muss die Sache bereinigen.

Auf dem Absatz unter dem Einflugloch tummeln sich mittlerweile immer mehr Arbeiterinnen. Sie nutzen jede Minute des Sonnenscheins, um ihr Volk samt Königin mit Nahrung zu versorgen. Allerdings, jetzt ist erst Februar und nennenswerte Futterquellen schwer zu finden.
Sie haben hoffentlich etwas Winterfutter übrig.

Das ist Sache der Imker, sofern es sich nicht um einen wilden Bienenschwarm handelt. Die Entnahme des Honigs im Jahr vorher, hat im Winter die Fütterung mit Zuckerlösung zur Folge. Ein Tausch, bei dem man angesichts des Bienenfleißes ins Grübeln kommen kann.

"Das Tun der Honigbiene ist auf das Wohl des Bienenstaates ausgerichtet", schreibt Th. Seeley, der amerikanische Bienenforscher in seinem Buch über die "Honeybee Democracy". Dieser Insekten-Gemeinschaft wird in unseren Zeiten das Leben schwer, wenn nicht unmöglich gemacht. Mit unabsehbaren Konsequenzen für unser eigenes Fortbestehen. 




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Kommentare:

Martina Pfannenschmidt hat gesagt…

Dein neues Foto ist zum Dahinschmelzen. Die Landschaft ist traumhaft, aber ich glaube, man muss die Einsamkeit lieben.
Dein Post über die Bienen ist ganz wundervoll geschrieben und ja, der Tausch ist nicht gerecht!
LG Martina

Jutta.K hat gesagt…

Wie schön muss es doch bei dir sein!
Und ja, es ist schon ein Drama, was zur Zeit mit den Bienen passiert.
Dabei sind sie doch lebenswichtig für uns, begreift das denn niemand von den Verantwortlichen ?
Ein guter Post, danke.
Lieben Gruß
Jutta