Dienstag, 4. Februar 2014

Zwischentöne

Gestern hatte die Natur ein graues Tuch übergestreift. Selbst die Farben waren nur noch helleres oder dunkleres Grau. Das ist kein Wetter für Spaziergänge auf Klippen. Die sind dann glitschig wie Schmierseife.



Dafür wollte ich gerne wieder einmal Sand in unter den Schuhen haben. Die Insel Gränsö, zehn Minuten mit dem Auto von zu Hause entfernt, auf der anderen Seite der Bucht, hat den einzigen längeren Sandstrand der Stadt. Vom Parkplatz geht man noch ungefähr 200 Meter zu Fuß.



Der Weg führt durch eine Ansammlung uralter Eichen und Buchen. Es sind unglaublich schöne Bäume, auch im Winter. Reich verzweigt strecken sie ihre hundert Arme ins endlose Blassgrau. Heute erinnern sie an feine Bleistiftstriche, die sich im Nebel verlieren.



Es liegt noch Schnee, aber nicht überall. Der Wind hat die Flocken an vielen Ecken und Kanten zusammengetrieben. Dazwischen blieb der nassgraue Sand. Das Spritzwasser der Wellen hat die großen Steine mit weißer Glasur überzogen. Das Tauwetter macht daraus eigenartige Eis- und Schneeformationen, die hart im Gegensatz zu dem Schwarz der Steinen stehen, die den Sand zum Wasser hin begrenzen.





Eine Schwanenfamilie trompetet über das Wasser. Sie schwimmen nah beieinander und sind alsbald in der Nebelwand verschwunden. Tröpfeln, Rieseln und Knistern, dicht neben mir, sind die einzigen Laute, die die "Waschküche" vor meinen Ohren nicht verschluckt. Kleine graue Wellen fluten lautlos über den seichten Strand und verlaufen im Sand.

Zwischen den Steinbrocken eine winzig kleine Bewegung. 

Bei näherem, genauerem Hinsehen ist dort ein Rotkehlchen auf Futtersuche. Sein Wohnort ist der Mischwald nebenan.

Mit jedem Schritt, den ich näher komme läuft es viele Schrittchen weg. So bleibt der Abstand fast gleich. Als ich es im Schatten eines Felsens versuche, reagiert es mit Flucht in den nächstgelegenen Baum, von wo es mich weiter beobachtet.

Ich spiele ihm Desinteresse vor und mache kehrt. Dem Rotkehlchen gefällt das Spiel. Die neue Aufforderung heißt:" Ich bin da!!!!!". Wieder läuft es zwischen den Steinen und lockt mich nun in die Gegenrichtung. Ein anderer Sandstrandspaziergänger, einer mit Hund, kommt entgegen. Das Rotkehlchen flüchtet . Es hat genug gespielt.







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Kommentare:

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

Es ist intressant wie es jetzt so aussieht und gespentisch diese Eis und Schneeresten und das Rotkehlchen mitten da drin irgendwie für mich kaum fassbar am Strand es so zu finden.. tolle Aufnahmen ja auch dieses Wetter an seinen Reiz!

Schönen Tag wünsche ich dir!

amselgesang hat gesagt…

Eine wundervoll traumverlorene Stimmung hast du da eingefangen - wundervoll für den, der diese sanft melancholischen Stimmungen mag. Ich fühle mich sehr "zuhause" darin, das hat aber gar nichts Depressives, es ist eher ein Loslassen und zur-Ruhe-Kommen. Das erste und das letzte Bild sind besonders schön zum Hineinträumen...
Eine gute Woche und den einen oder anderen Sonnenstrahl :-) wünscht dir
Brigitte

Roswitha hat gesagt…

Liebe Beate,
ich wollte mal kurz "Hallo" sagen. Ich bin irgendwie in Winterblogflaute und hoffe, es ist nur solche.
Liebe Grüße, Roswitha