Freitag, 18. April 2014

Die Schätze des Poseidon


Der schmale Weg verläuft im Sand, sprichwörtlich. Zwischen Steinmauern, Hecken und Grasbüscheln führt er von der Straße an den Strand. Angekommen, trifft der Blick zuerst auf eine vorgelagerte Insel, die in der klaren Luft, täuschend nah, die Sicht auf offenes Wasser versagt. Aber nicht ganz. Gleich links davon finden die Augen die Stelle, an der sich Meer und Himmel treffen, an der sich "endlich" und "unendlich" die Hand reichen.


Heute schmeichelt das Wasser dem Sand. Rollend folgt es dem selten ruhenden Wind in goldenen Wellen. Hier vereinen sich die Grundelemente irdischen Lebens, weshalb wir uns wohl immer wieder angezogen fühlen von diesem Urrhythmus des Kommens und Gehens.




Aber es kann auch anders sein. Aus dem Urrhythmus wird dann Urgewalt. Dann donnern weißschäumende Walzen an das Ufer, reißen mit oder schleudern fort, was ihnen unter kommt. Dicke Äste oder ganze Bäume bleichen danach in der Sonne vor sich hin.


Sie haben in der Fläche ihren besonderen Reiz. Malerisch heben sie sich als Naturskulpturen in Zartgrau vom grau-gelben Sand ab. Überhaupt ist der Sandstrand eine sich ständig verändernde Landschaft, anders, als die starre Barriere der Felsenküste, deren Veränderungen dem menschlichen Auge in seiner Zeit verborgen bleibt.

Jetzt, um diese Jahreszeit, ist man noch allein. Heute teile ich den Strand nur mit ihr.


Vereinzelte Felsblöcke im Wasser sind das Refugium der Seevögel. Dort kommen sie zur Ruhe. Die Füße unter dem Gefieder versteckt, blinzeln sie in der Sonne zu mir herüber. Manche starren ungerührt


 ins Wasser immer auf der Lauer nach Fressbarem.


So ganz sicher scheinen sie sich nicht zu sein. Plötzlich erhebt sich einer nach dem anderen. Ein weiter entfernter Fels bietet mehr Sicherheit.


Erst neulich müssen die Wellen das Ufer wesentlich weiter überflutet haben. Die dunkle Kante mit Seetang, Muscheln und anderem Treibgut liegt nur knapp unter der beginnenden Grasnarbe weiter oben. Schlangengleich winden sich Kieferwurzeln ins Leere.


Dazwischen liegt ein Teil des Reichtums des Meeresgottes. Und wer das Meer liebt, wird die Schätze des Poseidon nicht unbeachtet lassen.




***
Das Sandfliegen-Foto schicke ich zu Steffis "Makro Monday"

Kommentare:

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
starker Text (und natürlich auch starke Bilder). Ich bastele schon längere Zeit gedanklich daran herum, einen Bogen zur griechischen Mythologie zu schlagen (in der ich mich sehr schlecht auskenne). Auf musikalischer Ebene hatte ich an Poseidon's Creation von Eloy gedacht (deutsche Gruppe mit stark Keyboard-betonten Sound aus Hannover). Text ist Dir klasse gelungen. Solch eine Qualität würde ich wohl kaum erreichen.

Gruß Dieter

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Liebe Beate,

Du hast es wunderbar beschrieben und Deine Bilder sind klasse. Die Rhythmen an der Küste kenne ich inzwischen auch von sanft bis gewaltig, doch immer wieder begeistern sie mich, selbst auf Deinen Bildern.
An den Schätzen gehen auch wir nicht unbeachtet vorrüber.

Viele Grüße
Nachtfalke

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

liebe Beate
Meeresschätze ach wie schön auch bei dir das so zu sehen und der Austerfischer ja sie sind sehr scheu wenn man zu nah kommt, wer weis war er vielleicht auch schon in meiner Heimat und dann bei dir gelandet..
Lieben Gruss über das grosse Meer zu dir Strandläufer

diefahrradfrau hat gesagt…

Wunderschön geschrieben! Ich war grad auch ein paar Tage am Meer und kann deine Gedanken sehr gut nachfühlen.
Liebe Grüße
Christiane