Donnerstag, 24. April 2014

Ein kleines Stück vom Paradies

Kalju ist einer meiner Gartennachbarn. Kalju stammt aus Estland, ist über 80 Jahre, Künstler und hat seeehr viel erlebt in seinem Leben.

Kalju spricht neben estnisch, russisch und schwedisch auch deutsch. Als ich das merkte, sagte er, dass er sehr froh sei, ein wenig deutsch üben zu können. Er habe schon viel vergessen. Seitdem unterhalten wir uns ab und zu.

Manchmal fällt Kalju etwas ein, dann kommt er die paar Schritte rüber zu mir an den Garten und erzählt. Neulich sagte er zum Schluss: Weißt Du, dass "Paradies" persisch ist und "Garten" heißt? Nein, das wusste ich nicht, aber es ist ja nahe liegend und das Wort vom "Garten Eden", wie das Paradies auch genannt wird, deutet darauf hin. Kalju nickt zustimmend.


Der Mittlere Osten wies bereits im Altertum ein hohes Kulturniveau auf. Der Reichtum der Gegend zeigte sich auch in den Gärten. So sagt man, dass das, was wir als Paradies verinnerlicht haben, eben genau in dieser Wiege der Menschheit zu suchen sei, dass der Apfel eben kein Apfel in unserem Sinn war, sondern ein Granatapfel, der auch Liebesapfel genannt wird.

 die freundlichen Menschen auf dem reichhaltigen Obst-/Gemüsemarkt in Taschkent, Granatäpfel, Äpfel, Birnen

Ich beschäftige mich gerne mit solchen Assoziationen und irgendwie ufert das Thema Garten gerade in diese Regionen aus. Nun habe ich in meinem Garten ein kleines Stück vom Paradies gefunden, auf besondere Art.

Den Fund habe ich nämlich der Tatsache zu verdanken, dass ich einfach manchmal mit meiner Gartenarbeit nicht ganz fertig werde. Unter dem alten Pflaumenbaum, der mit dem Herzen für mich, war noch alles so, wie wir es von unseren Vorgängern übernommen haben. Es gab Pflanzen, von denen man im Herbst nicht mehr, als grünes Kraut sah, ganz zu schweigen von dem, was unterirdisch auf das Frühjahr wartete.

Da war die Überraschung vor ein paar Tagen perfekt. Kleinblütige, zarte Tulpen schwangen ihre Köpfe im grellen Sonnenlicht. So zerbrechlich sie aussehen, so hart sind sie im Nehmen. Der Wind ist kalt und auch die Nächte. Sie ist, wie ich erfahren habe, eine persische Schöne. Wie könnte es auch anders sein, paradiesisch, wie sie aussieht, die "Persische Tulpe"!



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Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

eine schöne Geschichte hast Du hier erzählt vom Garten Eden und Paradies.
So haben wir Gärtner uns alle ein kleines Paradies geschaffen, was wir hegen und pflegen.
Da hat sich ja wirklich eine kleine Schönheit ans Tageslicht geschoben.

Liebe Grüße
Jutta

diefahrradfrau hat gesagt…

Geschichten wie diese lese ich bei dir immer so gern, ganz wunderschön!
Liebe Grüße
Christiane

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Du hast etwas sehr Schönes und Interessantes beschrieben, und es mit schönen Bildern unterlegt.
Ich lese immer wieder gerne bei Dir.

Viele Grüße
Nachtfalke

amselgesang hat gesagt…

Ein wirklich kostbares Geschenk hat dir dein Garten da gemacht, solche Tulpen habe ich noch nie gesehen!
Über das Thema "Paradiesgarten - Gartenparadies" habe ich mir auch schon manche Gedanken gemacht. Bestimmt kennst du auch die mittelalterliche Darstellung des "Paradiesgärtleins". Menschen, Tiere, Pflanzen und Engel sind da zu sehen - und irgendwo am Rande auch ein kleiner Teufel... der aber gar nicht stört :-)

wir-und-das-leben hat gesagt…

Hallo Beate,

sehr schön zu Lesen. Wieder was Neues gelernt über das ich herrlich Philosophieren kann =)

Schönes Wochenende Dir.