Mittwoch, 23. Juli 2014

金橘

金橘, das heißt Kumquat und ist chinesisch, wie der Ursprung der Bäume und gleichnamigen Früchte. 

Ob die genaue Übersetzung mit "Goldene Tangerine" stimmt, muss ich dahingestellt sein lassen. Es ist schier unmöglich sich in der Welt der Zitrusfrüchte von jetzt auf dann zurecht zu finden. Seit ein paar Wochen besitze ich ein Kumquat-Bäumchen. Mit ihm zog in mein Gewächshaus der Süden ein und ein Hauch von Orangerie.

Nun bin ich niemand, der sich etwas ins Haus holt, ohne wenigstens einigermaßen etwas darüber zu wissen. Der Reiz, sich mit Pflanzen aus aller Herren Länder auseinanderzusetzen, ist ja nicht neu. Reisende haben schon früh fremde Pflanzen (später leider auch Tiere und Menschen (!) ) in die Heimat mitgebracht.

Heute gibt es, ohne Fernreise, die Pflanzen im Supermarkt nebenan, werbewirksam und farblich passend im orangen Blumentopf und in einem Substrat, das das Bäumchen am Leben hält, solange es mit den attraktiven Früchten geschmückt ist. Diese Kumquats pflückt man vom Baum in den Mund.



So ähnlich wie mit meinen zwei Mispelbäumchen, packte mich der Ehrgeiz dieses hübsche kleine Bäumchen am Leben zu erhalten. Nachdem ich vor einem Monat die Kumquats bis auf eine (die wollte nicht reifen) gegessen habe, tat sich die Frage auf: "Was nun"?

Die Zeiten entwickeln sich auf manchen Ebenen parallel. Zu den fremden Pflanzen im Supermarkt gesellt sich das neue Medienzeitalter "Internet", wo man sich per Knopfdruck mit Infos ausstatten kann, so bequem und schnell, wie niemals zuvor. Da heißt es lesen, lesen und nochmals lesen und mit der Anzahl der Seiten, trennt sich die Info-Spreu vom Weizen. 

Als ich eines Tages von kleinen weißen Punkten im Bäumchen überrascht werde, traue ich meinen Augen kaum, dachte zuerst an Ungeziefer. Von Tag zu Tag wurden es mehr und nach kurzer Zeit war ich sicher, dass mein Bäumchen zu blühen begonnen hat. Die Suche nach Informationen begann wieder und diesmal war das Suchwort "Bestäubung" 

Ein Treibhaus ist als "Welt für sich" recht abgeschnitten von außen. Wie werden Kumquats bestäubt oder bestäuben sie sich selbst? Die Natur ist in ihrer Bestäubungstechnik vielseitig, aber sie kennt keine Treibhäuser. Möglicherweise muss ich also mit dem Pinsel von Blüte zu Blüte ... ? :-)

Ich bin ein experimentierfreudiger Mensch und in dieser Hinsicht gründlich. Ich beginne mit dem Einfachen. Wer könnte die Bestäubung besser vornehmen, als die Insekten? Nachdem es Insekten schwer haben ins Gewächshaus zu kommen, muss das Bäumchen zu den Insekten. Ich habe es kurzerhand hinaus gestellt. Bei den Temperaturen ist das kein Problem.



Und siehe da, die Bienen haben nach einer guten Stunde die Nahrungsquelle entdeckt. Meine Beobachtung für das Insekt ist inzwischen geschärft. Die weißen jasminartig duftenden Blüten versetzen die erste Biene in Euphorie. Sie versucht sogar in halb geöffneten Blüten Nektar und Pollen zu sammeln, fuselt aufgeregt an dem fremden Leckerbissen.

Nicht lange danach gibt es mehr Bienen (und eine Hummel). Die Erste hat die Information schon im Stock weitergegeben, nicht per Knopfdruck, sondern "Schwänzeltanz" und den hätte ich gerne gesehen!





***

Kommentare:

Jutta hat gesagt…

Liebe Beate,

Du bist ja wirklich experimentierfreudig. Aber ganz im Geheimen gesagt, ich hätte es wahrscheinlich auch versucht.
Da bin ich ja echt gespannt, wie sich Dein Bäumchen so weiter entwickelt.

Liebe Grüße
Jutta

amselgesang hat gesagt…

Oh wie hübsch und interessant (und wie schmackhaft für genügsame schwedische Bienen)! Das größte Problem mit mehr oder weniger exotischen Pflanzen war für mich immer das Überwintern - meist sind sie mir eingegangen, weil ich nicht den rechten Platz hatte oder zuviel bzw. zu wenig gegossen habe. Ich wünsche dir ein besseres "Händchen" mit grüneren Daumen als die meinen!

Laura hat gesagt…

Everything is more beautiful when we slow down, look close and take the time to truly see.