Freitag, 22. August 2014

Upcycling - Verändert-Vereinfacht

Was man hat, muss man nicht kaufen, auch wenn einem der Modetrend etwas Neues einredet. Insofern liege ich schon wieder im Trend, denn dem Re-cycling folgte das Up-cycling und das finde ich spannend.

Es gibt Dinge, die früh in mein Leben getreten sind und bei denen ich nie den Mut hatte, sie mit beherztem Schwung dem Müll zu übereignen. In diesem Fall war es Glück, dass gefühlsmäßig ständig etwas dagegen sprach.

So ein Ding ist die Wohnzimmerlampe, die Mitte der Siebziger in meinen Besitz kam. Meine Eltern sponsorten sie für meine erste Wohnung und waren auch gleich ohne mich zum Einkaufen gegangen. Sie meinten es gut.

Nein, es war kein Lieblingsstück, was sie mir da für sehr viel Geld zudachten.

Später wurde aus der Wohnzimmerlampe eine Gästezimmerlampe, als aus der 50qm-Wohnung eine 100 qm -Wohnung wurde. Danach avancierte sie im schwedischen Ferienhaus wieder zur Wohnzimmerlampe, jedoch nicht, ohne vorher eine Verwandlung zu erfahren. Ich glaube das Wort Upcycling gab es damals noch gar nicht.

Die dunkelgelben Glasglocken wurden sorgfältig verpackt auf den Dachboden verbannt, das Holz der sechsarmigen  Lampe mit den gedrechselten Mittelteilen vom braunen Mattlack befreit. Alles miteinander verbrauchte Mengen an Schleifpapier von grob bis fein. Schließlich kam das natürliche Hartholz zum Vorschein, was Tage gedauert hat.

Das helle Holz entsprach schon eher meinen Vorstellungen. Statt die Glasglocken zu montieren, überzog ich Schirmchen mit dem Vorhangstoff des Raumes. Ich war's zufrieden und hatte in den zwanzig Jahren kein einziges Mal das Bedürfnis etwas zu verändern. Seit dem Umzug in das schwedische Küstenstädtchen lag die Lampe im Keller ...

... bis ich neulich die Idee hatte, sie für das Gartenhäuschen zu nutzen. Die Alternative für den fehlenden Strom sind natürlich Kerzen und in dem Fall Teelichter, die auch noch eine brauchbare Wärmequelle für die Übergangstage sind.

Die Vorstellung war sehr einfach und auch leicht durchzuführen: Entfernen der Schirmchen und Elektrokabel, die sechs Arme umdrehen, sodass die kleinen Holzteller (sie haben früher die Glasglocken gehalten) nach oben zeigen. Darin sitzen jetzt die Teelichter.

 Verändert - Vereinfacht, ich habe das Gefühl, die Lampe ist zu einem Synonym für mein Leben geworden.


***

Kommentare:

Eva hat gesagt…

Tolle Idee und so leben die Erinnerungsstücke weiter :)

Schönes Wochenende Eva

diefahrradfrau hat gesagt…

"Verändert - vereinfacht" - passender könnte man Upcycling nicht umschreiben. Und als Leitgedanke für viele andere Bereiche taugt´s auch.
Liebe Grüße
Christiane

Beate hat gesagt…

Ja, danke liebe Christiane :-)

Martina Pfannenschmidt hat gesagt…

Mein erster Gedanke war: Was können Eltern den Kindern antun! O nein, sie haben es ganz bestimmt gut gemeint, doch für eine junge Frau war sie, nun sagen wir ganz vorsichtig: unpassend! Aber was du jetzt daraus gemacht hast - in Verbindung mit allen Erinnerungen die daran hängen - ist echt klasse!
LG Martina

amselgesang hat gesagt…

...und so wurde aus dem hässlichen Entlein am Ende doch noch ein schöner Schwan... :-)
(Der Vergleich hinkt auf beiden Füßen, ich weiß, aber deine Umarbeitung ist sicher das Beste, was dieser Lampe je passiert ist - obwohl das zweite "Outfit" auch schon sehr hübsch aussah)!

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

Veränderung ist an gesagt und so hast du aus alt was neueres erschaffen das Gemütlichkeit ausstrahlt. Tolle Idee liebe Beate.
Vile Freude beim anzünden vom Kerzenlicht im schönen Holzgestell.
Lieben Gruss Elke

Heide Schiffer hat gesagt…

Aus alt wird neu und modern- was für eine tolle Idee die Lampe um zu krempeln! Ich bin eher der Typ < Entsorgerin<, aber dein Beispiel zeigt: manchmal Zeit und Platz und Geduld haben , dann kommen neue Ideen.
ein schönes Wochenende wünscht
heiDE

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Eine fantastische Idee, die Du wunderbar umgesetzt hast. Es zeigt, dass es sich manchmal lohnt, alte Dinge aufzubewahren.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
Viele Grüße
Nachtfalke

Sandra hat gesagt…

Ich habe mich erst ganz schön gegruselt als ich die Lampe gesehen habe. Aber du hast da ja etwas ganz Wunderbares draus gemacht, das hätte ich nicht erwartet :)