Freitag, 8. August 2014

Bis zu den Wurzeln

"Sag mal, ist der Wald, der brennt, in Eurer Nähe?", fragte die besorgte Patentante am Telefon. Mit 88 Jahren darf man solche Fragen stellen, der nächste Atlas ist weit weg, Schweden auch und hinter der Frage steckt Hilflosigkeit und Unsicherheit dem Unbekannten und der Macht solcher Gewalten gegenüber.

"Feuer ist ein guter Knecht, aber kein guter Herr", heißt es.


Hilflos sind im Moment auch die Feuerwehren, die abwehren, wo es etwas zu verteidigen gibt. Manchmal ist es hoffnungslos. Die Feuer schüren sich nicht nur selbst, sondern auch die Gerüchteküche. "Wie konnte das passieren", fragt sich das Land, in dem seit langer Zeit kein Waldbrand in diesem Ausmaß vorkam. In meinen Ohren ist allein die Frage verkehrt.

Es wird immer wieder passieren, wenn nicht durch eine unvorsichtige Menschenhand, dann durch Blitzschlag oder Selbstentzündung. Je abgelegener das Gebiet, desto schwieriger der Einsatz. Trotz seiner Plötzlichkeit ist ein Waldbrand nichts Überraschendes. Das gibt es, seit es den Wald gibt und den gibt es länger als die Menschen.

Dramatisch ist ein Waldbrand immer, nicht nur weil heute Menschen betroffen sein können. Dramatisch ist es für die Tiere und die Pflanzen. Verbrannt ist so endgültig. So denken wir,- vordergründig, aber es liegt ein Neuanfang darin. Leben muss zu seinen Wurzeln zurückkehren, um sich neu zu entfalten. Wie der erste Sonnenstrahl nach sintflutartigem Regen, so erwacht der Wald nach einem Brand zu neuem Leben und die Asche lässt ihn besser wachsen als je zuvor.


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Kommentare:

Martina Pfannenschmidt hat gesagt…

Manchmal ist es wohl so, dass alles bis zu den Wurzeln niedergebrannt werden muss, damit Neues entstehen kann! Wunderbare Gedanken!
LG Martina

rheinland-blogger hat gesagt…

Hallo Beate,
das sieht in der Tat schrecklich aus. Habe glücklicherweise Schäden durch Waldbrände in Eifel, Westerwald usw. kaum gesehen.

Gruß Dieter

Cux-Nachtfalke hat gesagt…

Deinen Worten und Deiner Philosophie kann ich mich nur anschliessen, vorrausgesetzt der Brand ist nicht zu groß. Ein Waldbrand liegt manchmal in der Sache der Natur, so wie auch Stürme oder andere Naturgewalten, doch wie Du schon beschreibst, bringt es auch neues Leben.

Viele Grüße
Nachtfalke

maryaustria hat gesagt…

Du hast absolut recht mit deinen Worten, aber es kommt halt sehr auf die Gegend an, wo der Waldbrand passiert. Sicher hat es immer schon Waldbrände gegeben und es ist in gewisser Weise ein Neuanfang. Das Problem ist nur, dass es heute nicht mehr besonders viel Wald gibt, die Tiere kaum mehr Raum haben, wohin sie flüchten können und es Jahrzehnte dauert bis wieder Wald entsteht. Und oft genug ist es in manchen Ländern ja so, dass der Brand absichtlich gelegt wird, damit das Land dann als Bauland oder dergleichen verwendet werden kann...
ICh hoffe auf jeden Fall, dass die Waldbrände in Schweden bald endgültig gelöscht sind bzw. keine Brandherde mehr aufflammen können.
Ich wünsch dir ein schönes Wochenende!
LG Mary