Samstag, 27. September 2014

WattewölkchenWerfer - "In heaven"

"Das gibt's doch nicht", formulierte mein Mund ganz automatisch, so überrascht war ich. Geschehen bei der Erstbesichtigung des Links "flightradar 24". Es war die Menge, ähnlich einem Haufen gelber Ameisen, das unübersichtliche Gewirr kleiner Flugzeugsymbole, das fast unmerklich über den Bildschirm zirkelte. Der Himmel über Europa hat seine grenzenlose Freiheit wohl jetzt schon eingebüßt.

So mir nichts, Dir nichts, die Flugbewegungen von hunderten Flugzeugen gleichzeitig nachzuvollziehen ist eine Sache, zu wissen, dass in genau diesem Flugzeug der erwartete Besuch sitzt, ist emotional aber noch wesentlich näher.

Flugzeuge am Himmel sind zur Alltäglichkeit geworden. Der wachsende Flugverkehr wird kaum wahrgenommen, außer von denen, die in Flughafennähe wohnen müssen. Wenn die Metallvögel über die Startbahnen donnern, beginnen bei den Anwohnern die Gläser im Schrank zu klirren.

Sind die Silbervögel einmal in der Luft, spielt der Lärm keine Rolle mehr. Sie ziehen ihre Bahnen auf genau vorgeschriebenen Wegen. Wie Spinnen ihre Fäden hinterlassen die Flugzeuge ihre Wolkenstreifen. Was die Luftbewegung damit macht: aufblasen, kräuseln, verknoten, knüllen, zerfließen und verblassen lassen.


















Mehr Wattewolken gibt es bei der Raumfee zu sehen

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Donnerstag, 25. September 2014

Am Epprechtstein

Vor Jahrmillionen breitete sich an seiner Stelle ein urzeitlich warmes Meer aus. Dann hob sich das Land durch die weltweite Verschiebung der Erdkruste und ein Hochgebirge entstand. Aus dem Erdinneren schob sich glühende Lava zwischen die Felsspalten. Als der Glutfluß erkaltet war, war das steinerne Herz des Fichtelgebirges geboren.

Granit zählt zu den härtesten Gesteinsarten. Das Fichtelgebirge ist reich daran. Früh haben die Menschen begonnen den Granit in Steinbrüchen abzubauen, eine schweißtreibende, harte Arbeit mit hohem Unfallrisiko. Nur Muskelkraft und wenige einfache Werkzeugmaschinen halfen dabei.

Der Steinbruchwanderweg führt an 20 dieser Arbeitsstätten am Epprechtstein vorbei. Für mich war es der dritte Anlauf, diesen hochinteressanten, kurzen Weg zu begehen. Bei der Entdeckung des Weges hatten wir anderes vor, beim zweiten Mal machte ein Gewitter einen Strich durch die Rechnung, diesmal schien es etwas zu werden und gleich zu Anfang hatten wir Glück.

Wer den Wanderweg am Epprechtstein begeht, ist gut beraten, den Markierungen zu folgen. Felswände und Spalten haben die Arbeiten im Gestein hinterlassen. Der gesamte Berg sieht aus, wie ein einziger Steinbruch mit Bruchsteinhalden, die von Moos und Baum überwuchert sind, eine sagenumwobene Landschaft der Riesen, Feen und Teufelsbegegnungen.

Wer den Weg geht, folgt diesem Zeichen:


Eine "Vier auf Füßen", meine erste Reaktion: "Wer denkt sich denn so etwas aus?" 

Eine Schulklasse, dabei sich den Berg mit seinen alten "Steinbruchwunden" zu erobern, hat einen Ortskundigen engagiert. Wir kommen gerade dazu, als der erklärt, was es mit der Vier auf Füßen auf sich hat. Ein einziges Wort reicht für die Erklärung: "Zunftzeichen". Es ist das Zunftzeichen der Steinmetze/Steinhauer, das sicher über Stock und Stein führt.

Die erste Begegnung mit dem Beruf Steinhauer lässt nicht lange auf sich warten. Aus einem Block einen recht genauen Stein herauszuhauen, braucht nicht nur Muskelkraft, sondern auch Erfahrung im Umgang mit dem Material; wieviel Kraft wird umsonst aufgewendet, wenn es schief geht!






Sofort greift die Erinnerung nach Schweden. Das Land hat ebenso ein Herz aus Granit, wie meine alte Heimat. Die Art, die Steine zu bearbeiten, war gleich. Eine Überraschung für mich war der Felsblock im Garten meines Ferienhäuschens, in dem ich Metallkeile gleicher Machart fand.

Zeichen von Steinbearbeitung am Felsblock im Garten meines damaligen Ferienhäuschens

***So weit so gut, viele Auswanderer haben in ihrer Wahlheimat am liebsten Orte mit ähnlichen landschaftlichen Bedingungen besiedelt.***

Der Weg auf der Rundwanderung führt aufwärts durch Hochwald mit altem Baumbestand: Fichten und Buchen bestimmen das Bild. Immer wieder rechts und links hoch aufgeschichtete Gesteinsmauern, die wie Ruinen einer Festung anmuten.

Anschaulich wird der Verwendungszweck der gehauenen Steine deutlich: Auf einer kleinen Lichtung stehen, garantiert wetterfest, Tisch und Bank aus Granit für die Brotzeit-Hungrigen.

Ein "Ausflug" in die Geschichte erzählt, warum dieser Rastplatz dort entstanden ist. Er hat den Namen Luisentisch. Wie heute, wenn hoch- oder auch weniger wohlgeborene Gäste ins und im Land reisen, wird Aufwand betrieben. Damals war es Königin Luise, die mit ihrem Gemahl König Friedrich Wilhelm den Epprechtstein besuchte. Der Weg zur Festung Epprechtstein wurde extra dafür angelegt und "Königsweg" genannt. Und wieder gehen die Gedanken in die Wahlheimat, in der der "kungsleden" einer der berühmten Wanderwege ist und diesmal nicht zu vergleichen ist mit dem kurzen "Königsweg" des Epprechtsteins.





Dann wird es erst richtig interessant. Ein Weile später führt ein kurzer Abstecher geradewegs zu einem Steinbrch namens Alberts-Bruch. Schon aus einiger Entfernung sieht man schroff abfallende Felswände auf der Seite gegenüber. Die perfekte Kulisse für Indianerfilme. Doch bis zur Absperrung komme ich erst gar nicht. Der Aussichtsplatz ist besetzt. Und wie es ist, wenn man an solchen Stellen Menschen trifft, die man Jahrzehnte nicht gesehen hat, das brauche ich wohl nicht zu beschreiben...

Aber eines vielleicht doch: "Der Wanderweg wurde nicht weiter begangen, wieder nicht .... :-)". Es gab so viel zu erzählen, die Zeit zum Abend wurde knapp. Ein paar Bilder habe ich doch noch gemacht, die anderen Steinbrüche laufen nicht weg. Es bleibt ja auch ein bisschen spannend, was wir auf dem Rundwanderweg um den Epprechtstein eines Tages noch entdecken werden.










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Dienstag, 23. September 2014

Wie immer -griechisch-

Szenenwechsel.

Der Blick von einer Fähre auf den Fehmarnsund ist immer wieder ein Erlebnis und präsentiert sich fast jedes Mal anders. Er ist aber auch ein Symbol für's Reisen. Alle Jahre kehren die Zugvögel im Herbst zurück und nehmen die bekannte "Vogelfluglinie" in Richtung Süden. Wir auch!

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Das bisschen Schifffahrt, es dauert 45 Minuten, bis der Fuß wieder Land unter der Sohle hat, setzt Akzente. Etliche Autostunden sind dann bereits geschafft, ein guter Teil ist noch zu bewältigen. Kurz hinter der Insel Fehmarn wartet erst einmal der Übernachtungshalt im Städtchen Oldenburg, das die Strecke fast in zwei gleichlange Hälften teilt.

Dieser erste Abend gehört "dem Griechen". Ich mag dieses kleine Ritual, das wie ein Willkommensgeschenk an mich selbst ist. Achteinhalb Monate sind ins Land gegangen und diesbezüglich war die Zeit eine Art Abstinenz.

Erst allmählich kommen die Menschen des nördlichen Landes auf den Geschmack. Da Thailand zu den meistbesuchten Ferienparadiesen der Schweden gehört, hat sich die asiatische Küche als eine der ersten und häufigsten etabliert. Sie ist heute so etwas, wie damals in den 60igern unsere italienischen Eisdielen und Pizzerien, die eine Art Fernweh in Schach hielten.

Am Eingang empfängt uns Gästegemurmel, Musik und ein würziger, unvergleichliche Duft aus der Küche. Die Phantasie wird beflügelt, der Appetit auch. Zwei Plätze werden gerade frei. Da gibt es kein Zögern, auch wenn ich zentrale Tische im Restaurant sonst nicht bevorzuge. Ich habe gerne eine Wand im Rücken.

In diesen Tagen vernebeln zum Glück keine Rauchschwaden mehr den Blick auf eine Reihe von Bildern, die unmissverständlich zeigen, woher die Besitzer des Restaurants stammen. Die Namen auf der Speisekarte bestätigen dies auch. Die Liste der griechischen Spezialitäten ist lang. Davon bevorzuge ich gefüllte Weinblätter und gegrillten Fisch, dazu Wasser und den einzigartig geharzten Wein.

Das ist für Schweden und Knäckebröd-Asylanten wie uns ein Highlight. Eine Vollkonzession ist im Land der Mitternachtssonne ein teures Extravergnügen für Restaurantbesitzer und Gäste und daher nicht so selbstverständlich wie hierzulande. Ich genieße diesen einfachen Umstand nach so langer Zeit.

Das bestellte Essen dauert. Einstweilen wandert mein Blick zu den besagten Bildern, die vielleicht der Phantasie des Malers entsprungen sind, aber genauso gut auch Originalschauplätze auf einer der Ägäisinsel zeigen. Unweigerlich kommt das Gespräch auf eigene Erlebnisse. Wünsche werden wach ...

... und damit sie nicht wieder entfleuchen, wird die kleine Wohnung in der alten Heimat sie wach halten. In einem Second-Hand-Laden des schwedischen Heimatstädtchens habe ich sie entdeckt:

Meine griechischen Traumbilder "in Öl".



*** den Blick hinunter auf die Ostsee schicke ich zum Krümelmonster-Blog

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Samstag, 20. September 2014

Ein Tor zu ... "In heaven"

Ein Tor zur Wolkenbrauerei sieht so aus.




Dahinter verbirgt sich .... die Braumeisterin.






Immer samstags ... " in heaven " bei der "Raumfee"

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Mittwoch, 17. September 2014

Badetag, der letzte

... natürlicherweise nur für dieses Jahr. Es ist schon ein paar Tage her, der Morgen kündigte sich farbenfroh an, was allerdings allgemein kein gutes Zeichen ist.



Aber es ging noch mal gut, der Nachmittag badete in sommerlicher Wärme und da der nächste Binnensee gerade mal 2 km vom Garten entfernt ist, radelten wir dort hin und ließen die Zehenprobe entscheiden: "badetauglich"!


Die Abkühlung war enorm. Mir blieb fast die Luft weg und ich hatte deshalb zuerst gar kein Auge für das Wolkenphänomen. Auf der einen Seite zeigte sich der Himmel himmelblau, während die gegenüberliegenden Seite an Dramatik nichts zu wünschen übrig ließ.



Vorboten waren es. Kaum hatten wir uns in trockenen Tüchern, begann es nass zu werden, von oben. Mit einem Spurt den Hügel hinauf endete das diesjährige Badevergnügen fast ein wenig zu abrupt. Schade eigentlich. Das war ein prima Sommer.


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Montag, 15. September 2014

Von Weben und Wesen - Makro Monday

Sie fliegt noch. Ein letztes Mal Nektar und Pollen, Vorrat für den Winter sammeln. Bald ist die Zeit des Summens und Brummens vorbei. "Einwintern" sagen die Imker dazu. Das Volk sorgt selbst dafür. Der Imkern ist unterstützend tätig, so sollte es eigentlich sein. Der Honig ist in der Natur das Winterfutter der Bienen. Die Völker werden nun zahlenmäßig kleiner. Die Königin legt weniger Eier in die Wachszellen. So sterben mehr Bienen, als nach kommen. Die Bienen, die jetzt schlüpfen, werden dafür 6 Monate alt. Alt im Vergleich zu den etwa 4 Wochen, die eine Biene sonst lebt. Sie erhalten das Volk über den Winter am Leben







 Keine Biene, aber ein richtig hübsches Fliegenexemplar, wie ich finde. Auch wenn mir diese Insekten sonst eher auf die Nerven gehen, sind sie doch unentbehrlich in der Nahrungskette vieler anderer Lebewesen.




Vom Spinnen hatte ich es erst neulich. Heute ist es das Weben, das  mich beschäftigt. Das Wort Spinnweben ist ja schon irgendwie eigentümlich. Es sind doch zwei handwerklich völlig verschiedene Arbeitsweisen. Und doch, die kleine Spinne vereint sie auf das Geschickteste. Der gesponnene Faden wird sogleich verwoben, welche eine Kunst! Wenn dann feuchte Luft ihren Anteil der Kunst dazu gibt, dann meine ich, entstehen Gewebe, von denen wir nur träumen können:
Seidenspitze aus Glasperlenschnüren, wirklich königlich.





die Naturkostbarkeiten sind mein Beitrag zu Steffis "Makro Monday"

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Freitag, 12. September 2014

Die VVega



Die drei Masten des Schoners sind schon von der Straße aus sichtbar. Es wundert mich immer wieder, wie es Schiffe solcher Größe bis an das Ende des Fjords schaffen, ist doch im Städtchen Västervik der Fjord mit dem Schiff nur durch einen sehr schmalen Durchlass von der Ostsee aus zu erreichen.



Die Wega ist in Privathand. Enthusiasten gründeten einen Verein, um das Schiff zu retten und zu restaurieren. Jetzt steht es für Segeltörns zu Verfügung. Man kann es mieten. An diesem Tag sieht es verlassen aus. Niemand ist an Bord und der Hafen von Gamleby, in dem das Schiff seit einiger Zeit liegt, ist nicht gerade ein Drehkreuz der Schifffahrt, ganz im Gegenteil.



Die Wega, eigentlich Vega geschrieben, gehörte einst zu den Frachtseglern. Sie hat ihren Namen nicht von einer Stadt, einem Meeresgott oder einer Berühmtheit, sondern von einem Stern, einem der hellsten, die es am nördlichen Himmel gibt. Warum ausgerechnet das, findet leicht eine mögliche Erklärung. Früher waren Himmelskörper nachts die einzigen Orientierungspunkte, die die Seeleute zur Verfügung hatten.

Die Wega im Sternbild Leier gehörte ganz sicher zu den markantesten.



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Mittwoch, 10. September 2014

Dienstag, 9. September 2014

One days night

Mitten in der Nacht erwache ich, spüre eine seltsame Unruhe. Ich liege da, versuche ruhig zu werden, höre ins Dunkel, bis ich schließlich merke, ich bin glockenwach. Dann stehe ich auf.

Ein Blick nach draußen zeigt hell und deutlich den Vollmond über den Häusern. Obwohl die Wissenschaft den Zusammenhang zwischen gestörtem Schlaf und Vollmond bisher nicht klären konnte, bin ich sicher, diese "seltsame Unruhe" hat mit dem Mond zu tun. So weit so ungut, ich versuche daraus etwas zu machen. Wenn "er" mich nicht schlafen lässt, fotografiere ich ihn eben.

Es kommt mir gar nicht so ungelegen, denn die Fotografie bei Nacht birgt ihre Tücken. Es ist nicht wie am Tage, eben mal raus gehen und los. Ich bin noch nicht so vertraut mit den Handgriffen, habe mir neulich erst ein neues Stativ gekauft, dessen Multifunktionalität noch nicht geläufig ist.

Sterne fotografieren kann ich vergessen. Das große Stichwort ist dabei "Lichtverschmutzung" und sagt mit einem Wort, was den weniger hellen Sternenhimmel kolossal stört. Der Mond ist eine Ausnahme und der volle Mond erst Recht und nebenbei bemerkt ist der Sternenhimmel ohne ihn wesentlich prächtiger, denn auch er wäre dann "nur" Lichtverschmutzung.

Ein wolkenloser Himmel mit Mond ist wie klarblauer Himmel mit Sonne am Tag. Das superhelle Nachtgestirn zeigt seine geliehene Leuchtkraft mit der Bewölkung und lässt den Nachthimmel mal lieblich und mal bedrohlich aussehen. Dünne Wolkenschleier werden vom Mondlicht schon mal blau und rot gefärbt. Kommen dann die Bäume der Umgebung ins Spiel sieht die Szene wirklich aus wie Himmelstheater. Aber seht selbst.



















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