Donnerstag, 25. September 2014

Am Epprechtstein

Vor Jahrmillionen breitete sich an seiner Stelle ein urzeitlich warmes Meer aus. Dann hob sich das Land durch die weltweite Verschiebung der Erdkruste und ein Hochgebirge entstand. Aus dem Erdinneren schob sich glühende Lava zwischen die Felsspalten. Als der Glutfluß erkaltet war, war das steinerne Herz des Fichtelgebirges geboren.

Granit zählt zu den härtesten Gesteinsarten. Das Fichtelgebirge ist reich daran. Früh haben die Menschen begonnen den Granit in Steinbrüchen abzubauen, eine schweißtreibende, harte Arbeit mit hohem Unfallrisiko. Nur Muskelkraft und wenige einfache Werkzeugmaschinen halfen dabei.

Der Steinbruchwanderweg führt an 20 dieser Arbeitsstätten am Epprechtstein vorbei. Für mich war es der dritte Anlauf, diesen hochinteressanten, kurzen Weg zu begehen. Bei der Entdeckung des Weges hatten wir anderes vor, beim zweiten Mal machte ein Gewitter einen Strich durch die Rechnung, diesmal schien es etwas zu werden und gleich zu Anfang hatten wir Glück.

Wer den Wanderweg am Epprechtstein begeht, ist gut beraten, den Markierungen zu folgen. Felswände und Spalten haben die Arbeiten im Gestein hinterlassen. Der gesamte Berg sieht aus, wie ein einziger Steinbruch mit Bruchsteinhalden, die von Moos und Baum überwuchert sind, eine sagenumwobene Landschaft der Riesen, Feen und Teufelsbegegnungen.

Wer den Weg geht, folgt diesem Zeichen:


Eine "Vier auf Füßen", meine erste Reaktion: "Wer denkt sich denn so etwas aus?" 

Eine Schulklasse, dabei sich den Berg mit seinen alten "Steinbruchwunden" zu erobern, hat einen Ortskundigen engagiert. Wir kommen gerade dazu, als der erklärt, was es mit der Vier auf Füßen auf sich hat. Ein einziges Wort reicht für die Erklärung: "Zunftzeichen". Es ist das Zunftzeichen der Steinmetze/Steinhauer, das sicher über Stock und Stein führt.

Die erste Begegnung mit dem Beruf Steinhauer lässt nicht lange auf sich warten. Aus einem Block einen recht genauen Stein herauszuhauen, braucht nicht nur Muskelkraft, sondern auch Erfahrung im Umgang mit dem Material; wieviel Kraft wird umsonst aufgewendet, wenn es schief geht!






Sofort greift die Erinnerung nach Schweden. Das Land hat ebenso ein Herz aus Granit, wie meine alte Heimat. Die Art, die Steine zu bearbeiten, war gleich. Eine Überraschung für mich war der Felsblock im Garten meines Ferienhäuschens, in dem ich Metallkeile gleicher Machart fand.

Zeichen von Steinbearbeitung am Felsblock im Garten meines damaligen Ferienhäuschens

***So weit so gut, viele Auswanderer haben in ihrer Wahlheimat am liebsten Orte mit ähnlichen landschaftlichen Bedingungen besiedelt.***

Der Weg auf der Rundwanderung führt aufwärts durch Hochwald mit altem Baumbestand: Fichten und Buchen bestimmen das Bild. Immer wieder rechts und links hoch aufgeschichtete Gesteinsmauern, die wie Ruinen einer Festung anmuten.

Anschaulich wird der Verwendungszweck der gehauenen Steine deutlich: Auf einer kleinen Lichtung stehen, garantiert wetterfest, Tisch und Bank aus Granit für die Brotzeit-Hungrigen.

Ein "Ausflug" in die Geschichte erzählt, warum dieser Rastplatz dort entstanden ist. Er hat den Namen Luisentisch. Wie heute, wenn hoch- oder auch weniger wohlgeborene Gäste ins und im Land reisen, wird Aufwand betrieben. Damals war es Königin Luise, die mit ihrem Gemahl König Friedrich Wilhelm den Epprechtstein besuchte. Der Weg zur Festung Epprechtstein wurde extra dafür angelegt und "Königsweg" genannt. Und wieder gehen die Gedanken in die Wahlheimat, in der der "kungsleden" einer der berühmten Wanderwege ist und diesmal nicht zu vergleichen ist mit dem kurzen "Königsweg" des Epprechtsteins.





Dann wird es erst richtig interessant. Ein Weile später führt ein kurzer Abstecher geradewegs zu einem Steinbrch namens Alberts-Bruch. Schon aus einiger Entfernung sieht man schroff abfallende Felswände auf der Seite gegenüber. Die perfekte Kulisse für Indianerfilme. Doch bis zur Absperrung komme ich erst gar nicht. Der Aussichtsplatz ist besetzt. Und wie es ist, wenn man an solchen Stellen Menschen trifft, die man Jahrzehnte nicht gesehen hat, das brauche ich wohl nicht zu beschreiben...

Aber eines vielleicht doch: "Der Wanderweg wurde nicht weiter begangen, wieder nicht .... :-)". Es gab so viel zu erzählen, die Zeit zum Abend wurde knapp. Ein paar Bilder habe ich doch noch gemacht, die anderen Steinbrüche laufen nicht weg. Es bleibt ja auch ein bisschen spannend, was wir auf dem Rundwanderweg um den Epprechtstein eines Tages noch entdecken werden.










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Kommentare:

Mondgucker-Strandläufer hat gesagt…

Liebe Beate,
danke für diesen schönen Ausflug der so intressant war und so vieles wieder dazu lernen durfte
tolle Bilder und Text!
Lieben Gruss Elke

Beate hat gesagt…

Danke Elke,

ja leider kam es wieder nicht dazu, die Runde fortzusetzen. Also freue ich mich auf das nächste Mal. Danke für Dein Interesse.

Beate