Sonntag, 27. Dezember 2015

"Reden wir mal über's Wetter"

Kaum zu glauben, aber es schneit. Es reicht aus, die Wege weiß und schlüpfrig zu machen. So wie steter Tropfen den Stein höhlt, ergeben viele Flocken eine geschlossene Schneedecke, dort wo es flach und eben ist. Das braune Herbstlaub bekommt gnädigerweise einen weißen "Zuckermantel". Wir dürfen uns in Schweden vielleicht auf etwas hellere Nächte freuen, wenn der Schnee liegen bleibt.



Zugegebenermaßen ist es eine kleine Überraschung, denn vorhersagemäßig war da nichts in Sicht. Und eigentlich mag ich dieses innere Spiel "Winter oder Nichtwinter", nicht mehr mitmachen. Es kommt, wie es kommt.

Als Bienenfreundin ist es mir jedoch nicht ganz egal. Aus gegebenem Anlass, die Bienen flogen bis vor einigen Tagen, also im Dezember, tatsächlich noch im Garten, habe ich mich konsequenterweise, vorerst gedanklich, um natürliche Futterquellen gekümmert. Die natürlichste aller Futterquellen sind Blüten. Und da beginnen die Geister "quer zu fühlen", denn Winter - Schweden - Blüten scheint auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises.

Blicken wir jedoch auf die vergangenen Wochen, so ist das Ansinnen gar nicht mehr so absurd. Es war so warm wie noch nie, das können sicher viele bestätigen. Meine Idee war, Winterblüher zu setzen. Das Wort ist selbsterklärend.

Da ich meist auf deutschsprachigen Internetseiten recherchiere, gibt es einige Faktoren mehr zu berücksichtigen.

In Schweden werden Pflanzen nach sogenannten Vegetationszonen verkauft. Wir wohnen gerade noch (weil am Meer) in Zone 1. Ein paar Kilometer landeinwärts beginnt Zone 2 bereits. Dort sind die Temperaturunterschiede Sommer/Winter größer. Die Aufgabe ist also, eine winterblühende Pflanze zu finden, die das Schwedenklima verträgt.

Es geht mir darum den bestäubenden Insekten, wenn sie denn durch anhaltende Wärme nach draußen gelockt werden, Nahrung anzubieten, die quasi per eingebauten Knopfdruck (=Wärme) zur Verfügung steht. Überraschenderweise gibt es da etwas.

Japan, das durch seine langgezogene Nord-Südlage über mehrere Klimazonen verfügt, bietet Möglichkeiten. Und so fremd, wie man meint ist die Hamamelis japonica, auch bekannt als Zaubernuss, den meisten von uns nicht mehr. Aber sie ist eine echte Hilfe, wenn es um das Überleben der Bienen in dem sich ändernden Klima geht.



Samstag, 26. Dezember 2015

"Oldman Nico - GOD bless you" !

...  klingt, nach einem etwas derben, aber gutmütigen Namen für den Nikolaus.

Trotz mancher Verwirrung, die die Kunstfigur des Weihnachtsmann gestiftet hat, ist der Nikolaus in etlichen europäischen Ländern nicht in Vergessenheit geraten. Dazu gehören die Niederlande, von alters her ein seefahrendes Volk, das in Nikolaus den Schutzheiligen der Seeleute verehrt.

In modernen Zeiten beschützt auch "Oldman Nico" die Seeleute, denn es ist der Name einer Radiostation im niederländischen Katwjik aan Zee, am Ärmelkanal, einer der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen, die es gibt. Sie versorgt die Schiffsmannschaften mit Informationen zu den Wetterverhältnissen und Störungen im Schiffsverkehr.

Als man mit Segelschiffen die Weltmeere befuhr hatte man wenig technische Hilfsmittel zur Verfügung. Die Seefahrt war mehr noch als heute ein gefährlicher Beruf. Und es wundert nicht, dass man sich damals eng mit dem eigenen Glauben in Verbindung fühlte. Der Begriff der "christlichen Seefahrt" entstand.

Das Votivschiff, das hier an der Decke eines Seiten-SCHIFFES der St. Gertrudskirche hängt macht gleich auf mehrfache Weise deutlich, wie eng verknüpft das Seefahrerhandwerk mit der Religion gewesen ist.


Die Nähe zum Meer dokumentiert aber auch das Stadtwappen meiner Wahlheimatstadt. Schiffe, wo man geht und steht. Aber wie könnte es auch anders sein mit dem Meer vor der Haustür.


Das Schiff ist nicht nur Transportmittel, sondern auch ein altes Kultursymbol. Schweden wurde von See her "erobert", Steinritzungen zeigen Schiffe und im Totenkult sind Schiffssetzungen bekannt und heute noch zu sehen.

Der Begriff des Seelenverkäufers für Himmelsfahrtskommandos auf seeuntauglichen Schiffe verweist auf einen engen Zusammenhang mit der Seelenreise!

Aber wie bekomme ich jetzt den Bogen zum Weihnachtsfest hin?

 Ach ja, da wäre noch eines meiner Lieblingslieder, das da heißt: "Es kommt ein Schiff geladen...". Ein uraltes Lied, handschriftlich bereits Mitte des 15. Jahrhunderts erwähnt (einer der handschriftlichen Belege stammt aus den Niederlanden.)

In manchen Schriften heißt es, es beziehe sich auf die wertvolle Fracht. Das Schiff stünde als Symbol
für die Kirche. Wie dem auch sei, letztendlich klären lassen sich solche Fragen selten und als ich gestern meinen Weihnachtsspaziergang am Meer gemacht habe, wurde mir die Verbundenheit zwischen Gott, Mensch und Meer mehr als bewusst.







Freitag, 25. Dezember 2015

Betrachtungsweisen

Außen : Weihnachten bekommt man Geschenke
Innen :  Weihnachten ist Geschenk 

Außen : Das Christkind und Jesus von Nazareth
Innen :  Das Christkind ist Jesus von Nazareth

Außen : Ab Weihnachten werden die Tage heller
Innen :  Durch Weihnachten werden die Tage heller

Außen : Weihnachten mache ich etwas 
Innen :   Weihnachten macht etwas mit mir

Außen : ICH feiere Weihnachten
Innen : Mein HERZ feiert Weihnachten




... wünsche ich von Herzen allen, die oft oder gelegentlich hier vorbei kommen.

Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut sind meine Wünsche für Euch
nehmt Euch etwas mit, am besten alle vier!

GOD JUL

Beate

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Mit Kinderaugen

Habt ihr in Kindertagen auch versucht mit einem Blick durchs Schlüsselloch das Christkind zu sehen, wie es den Weihnachtsbaum bringt und all die Wünsche in Form von Geschenken unter den Lichterbaum legt?

Ich hatte Herzklopfen dabei, weil es eigentlich verboten war. "Wenn das Christkind das merkt, nimmt es die Geschenke wieder mit", sagte meine Mutter. Dabei war mein Herzenswunsch nicht, die Geschenke auszuspionieren, nein, ich wollte das Christkind sehen, das nach Aussage meiner Eltern goldene Locken hat, ein weißes Kleid trägt und einen Strahlenkranz um den Kopf hat.

Das Christkind, das die Geschenke brachte, hatte für mich nichts mit dem Kind in der Krippe zu tun. Irgendwie brachte ich damals die Verbindung noch nicht zustande. Arme Kinder können nichts verschenken. Ganz im Gegenteil, das Kind in der Krippe brauchte meine Fürsorge! Ich war Feuer und Flamme für den Gedanken, das Kind aus dem windigen Stall herauszuholen.

Und wie ich für das Kind in der Krippe sorgte! Kleine Kinder müssen viel schlafen. Das wußte ich, weil ich eine kleine Schwester hatte. Also nahm ich das Jesuskind kurzerhand aus dem Stall, legte es in die Zweige des Weihnachtsbaumes, dort wo eine Kerze weiches, warmes Licht verbreitete. Vorsichtig bewegte ich den Zweig hin und her und wiegte in meiner Phantasie das Jesulein mitsamt seiner Krippe in den Schlaf.

Ich wiegte aber nicht sanft genug. Mit einem leisen "pitsch" fiel eine der Glaskugeln zu Boden, die mir die Schaukelei übel nahm. Sie zerbrach in ein Dutzend kleiner blinkender Glasscherben und mit ihr, vor Schreck, das fürsorgende Gefühl. Ein Zwiespalt tat sich auf.

Eilig stellte ich die Krippe mit Kind in den Stall zurück, sammelte die Scherben auf und bat das Christkind, das mit den goldenen Locken, es möge doch machen, dass die Mutter die fehlende Glaskugel nicht bemerkt.

Sie hat nichts gemerkt. Aber das Jesulein im Stall hat ein ganzes Jahr auf meine Betreuung warten müssen.



Dienstag, 22. Dezember 2015

Alle Jahre wieder .... ?

"Bist du in Rom, "mach' es" wie die Römer" - und bist du in Schweden, mach' es wie die Schweden ... mit einem Wort "angepasst", klar, oder?

Das Wort "angepasst" mag Manchem aufstossen, aber um der eigenen Integration auf die Sprünge zu helfen und nicht gerade "aus dem Rahmen zu fallen" ist es ratsam, sich in gewisser Weise einzuordnen, wenn man heimisch und nicht kontaktlos bleiben will. Es sind ja immer die Menschen, die einem einen Ort zur Heimat werden lassen.

Trotzdem kann es mal passieren, dass man neue Strömungen verpasst.

So ging es mir kürzlich, als ich unterwegs war Grußkarten mit Weihnachtsmotiv zu kaufen. Nach dem zweiten Geschäft fiel mir auf, wie wenig auf diesem Gebiet im Angebot war. Ich fand alle möglichen Rubriken von A wie Ansichtskarte bis Å wie Årstider, aber unter J wie Julkort war die Auswahl mickrig bis nicht vorhanden.

Es war mysteriös!

Ich kam zu dem Schluß, dass man sich wohl irgendwie geeinigt hätte (so etwas könnte hier rein theoretisch schon mal reichsübergreifend passieren), der Weihnachtskartenflut Einhalt zu gebieten. Weihnachten ist für die schwedische Post wie die Erntezeit für den Bauern, harte Arbeit. Ganz zufriedenstellend fand ich die Auflösung des Rätsels allerdings nicht.

Unsicherheit machte sich breit und ich fühlte mich genötigt Initiative zu ergreifen, um dem Ganzen auf die Spur zu kommen. Je verschlossener eine Gesellschaft auftritt, desto wichtiger ist es die "codices", die unausgesprochenen Regeln einer Gesellschaft direkt zu hinterfragen. An geeigneter Stelle versteht sich.

Als wir neulich zum Essen eingeladen waren, konnte ich meine Zweifel "an die Frau" bringen und erfuhr, ich war lediglich etwas spät mit dem Einkauf dran, weil wir ja lange in Deutschland waren. Die Meisten hatten die Weihnachtspost bereits erledigt. Stolz präsentierte mir die Dame des Hauses ihre Liste. In diesem Jahr hatte sie fünfzig Karten an Verwandte, Freunde und Bekannte geschrieben und eine davon an uns. :-)



Donnerstag, 17. Dezember 2015

Im Zeitraffer

Es ist und bleibt ein seltsames Gefühl, wenn draußen die Nacht herrscht, der Blick auf die Uhr aber verrät, es sei gerade mal 16 Uhr. Nicht, dass es mich besonders stören würde, aber es ist anders, als all die Jahre.

Anders, weil der Gegensatz zwischen alter Heimat und Wahlheimat so krass ist. Im nordischen Winter vergeht das Tageslicht gefühlt im Zeitraffer. Geläufige Tagesstrukturen werden zum Unsinn, der Nachmittagsspaziergang im Dunkeln ist nur ein-, zweimal wirklich interessant.


Aber draußen sein, das ist im Winter ein Muss. Vertut man die helle Zeit drinnen, fällt einem schnell "die Decke auf den Kopf". Kurzerhand werden also die Alltäglichkeiten vertauscht: Spaziergang am Mittag und Mittagessen am Spätnachmittag! Vielleicht ist das der Grund, warum das schwedische Abendessen "middag" heißt? 

Heute zieht es uns gegen 11 Uhr Richtung Bucht. Dort drapiert sich das Städtchen malerisch am Ufer des Ostseefjords. Nach den warmen Tagen, Anfang Dezember, ist das Wasser noch offen.  Ich brauche nicht lange warten, bis ich von einer Reihe Stockenten umringt werde. Die Wasservögel betteln aus Gewohnheit um Futter. Dagegen sind die Möwen Energiesparer. Sie bleiben dösend auf ihren Ruheplätzen.




Ein Stück weiter, Richtung Fischermarkt, kommt eines der Wahrzeichen in Sicht. Das alte Badehaus, ein Gebäude aus der Jugendstilzeit. Es fehlt auf keiner Postkarte ... außer denen mit Elch! Ich mag das Haus und seine freundliche Farbigkeit und habe es deshalb wohl schon ein Dutzend mal fotografiert.


Im Bootshafen auf der anderen Fjordseite herrscht gähnende Leere. Bis auf ein einzelnes Ruderboot haben die Liner und Cruiser des Jetset in wärmere Gefilde abgelegt. Bis zum nächsten Sommer.
"Volle Power" schickt das Heizkraftwerk seine Abluftfahne Richtung Osten. Ich denke nur: "Daheim ist es warm"! Und das ist gut zu wissen, denn die frostig-feuchte Luft am Wasser ist eine Spur durchdringender.



Die beste Aussicht über die Stadt genießt man vom Kulbacken. Der kurze, steile Anstieg führt auf eine Inlandschäre, einem Felsenhügel, wie sie typisch für die Landschaft sind. Vorbei am alten Bauernhof im Heimatmuseum, steht man bald am höchsten Punkt. 






Es ist eine kleine Welt für sich, dieser Kulbacken. Hier oben treffen sich: Geschichten und Geschichtliches, Wissenschaft und Handwerk, Natur und Kultur. Mit der Aussichtplattform auf dem Unos Turm befindet man sich dann tatsächlich am höchsten Punkt über der Stadt. Der hat heute geschlossen. Dafür gibt es ihn gleich zwei Mal.


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Schneewittchen im Advent

So Hals-über-Kopf wir die Reise nach Deutschland vor neun Wochen angetreten haben, so geordnet fand der Rückzug in den Norden statt. Auf der Fähre reisen Wenige mit.

Bevor jedoch das Schiff für uns "die Leinen los macht" gibt es, ziemlich genau auf halber Strecke, "unser" kleines Hotel, in dem wir seit Jahren über Nacht bleiben und wo wir fast wie daheim sind.
In die Innenstadt ist es nicht weit und nach vielen Stunden im Auto tut ein Spaziergang gut.

Die Stadt wartet mit glühenden Lichtern und ..... blühenden Rosen. Vor dem Haus treffen wir auf "Schneewittchen", eine Kletterrose, die sich am Mauerwerk des denkmalgeschützten Backsteinhauses rankt. "Weiß wie Schnee....", so schön sie aussieht, so seltsam wenig kompatibel ist der Anblick ... mit dem Monat Dezember.


Die herzerwärmende Überraschung finden wir am nächsten Morgen im Frühstücksraum. Ungefähr so sahen meine kindlichen Adventsträume früher aus. Wir hatten Glück und an diesem Morgen das adventliche Reich für uns, bevor wir gestärkt die Reise nach Schweden fortgesetzt haben.










Dienstag, 24. November 2015

Essen für die Sangha

Ich bin ein Winterfreak! Weiße Landschaften, auch am frühen Sonntagmorgen, locken mir kein "Oh", sondern ein "Aaah" über die Lippen!
Trotzdem bringt die eisige Überraschung den Zeitplan durcheinander. 35km auf winterlichen Straßen dauern ihre Zeit.
Zum ersten Mal haben wir, am Tag zuvor, Essen für die Mönchsgemeinschaft (sangha) in Muttodaya vorbereitet und das muss rechtzeitig auf dem Tisch des Klosters stehen.

Nach den Regeln, denen sich die Bhikkhus (Almosenempfänger) in der Waldtradition des Theravada Buddhismus unterwerfen, wird DIE einzige MAHLZEIT des Tages um 11Uhr gegessen. Das heißt für uns, kurz vor 11Uhr alle Vorbereitungen dort abzuschließen.

Zugegeben, das klingt in westlichen Ohren ungewohnt. Für die Frauen aus Thailand, denen wir oft im Kloster begegnen, bedeutet es ein Stück Heimat. In Thailand werden die Bhikkhus ganz selbstverständlich mitversorgt. Die Menschen stehen in langen Reihen am Straßenrand und teilen ihr Essen mit den Mönchen. Diese sammeln, was sie bekommen, in Almosenschalen, aus denen auch gegessen wird, wie im Waldkloster Muttodaya in Franken.

An manchen Tagen "biegt" sich der Tisch, wenn viele Tagesbesucher ins Kloster kommen. Dann dürfen sich auch die Besucher, nach den Mönchen, aus Schalen und Schüsseln Essen nehmen.

Aber, so erzählte der Verwalter und "Mädchen für alles", es gäbe genügend Tage, an denen niemand kommt. Mönche dürfen nicht selbst kochen und dürfen nur essen, was ihnen ausdrücklich gegeben wurde. Dann wird aus Resten "Neues" gekocht, das wiederum von einem Laien dargeboten werden muss.


Vorgestern gab es für Alle ausreichend zu essen. Laien und Gäste finden sich vor allem am Wochenende zur gemeinsamen Mahlzeit und später zum Gespräch in der Dhammahalle mit einem der Mönche. Inzwischen wurde der Einblick in diese andere Welt für mich der Blick über eigene Grenzen, weitend und wohltuend.

Später, auf dem Weg nach Hause, machte ich dann eines der seltsamsten Winterbilder. Besser als so kann die Natur friedliche Koexistenz wohl nicht ausdrücken.

Zwei Welten im Einklang



Samstag, 21. November 2015

Zu schwarz für die Nacht

Vor 11 Monaten stellte Frau "amselgesang" Neujahrs-Ufos vor, ein Projekt, das mich sozusagen wie magisch anzog, denn auch ich habe UFO's, die nichts mit, Zitat "Untertassen und außerirdischen Besatzungen" zu tun haben, wohl aber mit halbfertigen Strickprojekten, die seit -wer weiß wie lange- in wenig beachteten Nischen schlummern.

Da war dieser 3/4-fertige Herrenpullover, der mit mir schon vor 20Jahren auf Englandreise ging, der Stonehenge sah und das mystische Dartmoor. Er hat, eher zufällig, auch eine entsprechende Farbe, nämlich schwarz.

Schwarz, elegant und unempfindlich, war die Wunschfarbe und ich weiß tatsächlich noch, wie ich mich voller Freude auf die Arbeit stürzte. Das muss so sein, wenn man feines Wollgemisch für die großen Teile eines Herrenpullovers verstricken will.

Dann war irgendwann die Luft raus. Das passiert, wenn ich lange keine Zeit habe oder das Projekt ins Stocken gerät, weil ich Misslungenes auftrennen muss. Hier war mir beim Bügeln der Einzelteile ein nicht wieder gut zu machender Fehler unterlaufen. Das Eisen war zu heiß und übrig blieb ein bügeleisenförmiger, glänzender Abdruck. Der Enthusiasmus war für's Erste dahin.

Dieses UnFertige Objekt wollte ich nun unbedingt zu einem FO werden lassen, freizeittauglich und genau richtig für, wie wir zu sagen pflegen,"daheim-rum". In Gedanken sah ich mich bereits gemütlich unter meiner Leselampe mit extra gutem Licht sitzen und strickend die schwedische Nachmittagsdunkelheit vergessend die Winterzeit genießen.

Da hatte ich die Rechnung ohne meine Augen und ohne die Wollfarbe gemacht. Mehrere Anläufe und Augentränen ließen keinen Zweifel: Trotz Brille und gutem Licht war das Ganze einfach zu schwarz für die Nacht.

Vom schwarzen UFO habe ich mich inzwischen getrennt und mir dieses neue kreiert. Das sollte doch zu allen Tageszeiten und Jahreszeiten funktionieren und möglichst bald mein neuer Pullover sein.


Sonntag, 1. November 2015

Licht und Schatten

Typisch Fichtelgebirge: "Fichten, die wie eine Mauer wirken, dunkel und undurchlässig", so dachte ich bis jetzt. Die Wochen in der alten Heimat belehren mich diesmal eines Besseren.

So oft ich kann, halte ich mich in der Natur auf und stelle fest, die Erinnerung verändert im Laufe der Zeit die Bilder. So "monokulturell", wie ich immer dachte, ist der Fichtenwald gar nicht.

Es sind Buchen und Föhren, viele schon Jahrzehnte alt, die dem Wald gerade im Herbst ein leuchtend buntes Aussehen geben. Sie stehen im kontrastreichen Gegensatz zu den Fichten. Auf einer Tour zum "Hauknock", einem Nebengipfel des Kornberg, zeigt sich der heimische, alte Wald von seiner prächtigen Seite, so wie ich ihn selbst nie erlebt habe.

In seinen letzten Tagen war dieser Oktober wirklich golden, dank der Sonne und eben dank der Buchen und Föhren. Ein Blick zum Himmel eröffnete wahre Farbexplosionen in gold, gelb, orange und braun.








Freitag, 30. Oktober 2015

Waldkloster Muttodaya

Die notdürftig geteerte, schmale Straße wird von Einzelgehöften, Pferdekoppeln, Feldern und Wiesen gesäumt. Zwischen den Hügeln hält sich hartnäckig ein Dunstschleier. Die warmen Farbtöne des Laubs geben dem trüben Landschaftsbild ein bisschen Helligkeit.



Nach einer gewagten Rechtskurve endet die Straße, noch eine Spur holpriger, neben einem frisch renovierten Bauernhof. Das Ocker des Hauses fügt sich harmonisch in die Farben der Jahreszeit. Vom Parkplatz neben dem Hof geht es nur noch zu Fuß weiter.


Statt einem bunten Bauerngarten gehört zu dem Hof eine Wiese mit Löschteich und ein über und über mit Rosen bepflanzter Hügel, auf dem die Statue eines meditierenden Buddha thront. Zweifellos, der nicht alltägliche Anblick lässt das Auge wieder und wieder zu dem Rosenhügel schweifen, obwohl wir nicht das erste Mal in Muttodaya sind.



Nachdem wir unsere heutige Gabe auf einem Tisch im Kloster hinterlegt haben, lassen wir uns vom Wanderweg durch den Klosterwald führen. Ich atme unwillkürlich tief ein, als wir auf eine langstreckte Lichtung, jenseits des Waldes treffen. Eingebettet liegt da eine gemähte Wiese vor uns, in die ein Bach sein Bett gegraben hat. Wie zufällig staut sich an einer Stelle das Wasser zu einem Teich. Am Abfluss erleichtert eine geschwungene Holzbrücke den Übergang.



Am Waldrand kommen ein paar Sitzgelegenheiten ins Blickfeld. Eine Reihe bunter Gebetsfähnchen spannt sich über Busch und Baum, ein Zeichen, wir befinden uns noch auf dem Klostergelände.

Der Ort lädt zum Still-werden und Meditieren ein.


Der Wanderweg führt weiter durch den Wald. "Muttodaya", "Befreites Herz" heißt das Kloster der Waldmönche. 



Die Ordensregeln der Bhikkhus (Bettler), wie sich die Mönche nennen, sind streng. Was ihnen erlaubt ist, ist der Gang durch den Wald. Etwas überrascht sind wir dann doch, als einer der Mönche auf dem Wanderweg vor uns auftaucht. Die braun-orange Robe hebt sich, kaum von den Buchenblättern ab... und für mich ist es eine klare Sache, nicht zu stören oder ungefragt ein Foto zu machen.





Ach übrigens, das Bayerische Fernsehen war auch schon zu Gast in Muttodaya. Wer sich den Film dazu ansehen möchte findet den Link hier hinterlegt.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Schnee!

So schnell kann es geh'n:



Über Nacht wurde aus dem Goldenen Oktober ein weißer. Und wie immer, wenn der erste Schnee fällt, kann ich nachts nicht schlafen.

Gegen 2 Uhr wachte ich auf und hörte Regentropfen auf das Fensterblech trommeln. Ein Geräusch, das ich lange nicht mehr zu hören bekommen hatte. Dann wurde es nach einiger Zeit still. Eine Stille, die anders ist, nicht, als hätte es nur aufgehört zu regnen. Diese Stille enthält, für mich spürbar, keine Ruhe.

Ich fühlte mich aus dem Bett getrieben und zog die Jalousie hoch. Da sah ich sie im Widerschein des Straßenlichts segeln, Frau Holles weiße Federpracht. Und was da vom Himmel kam war wirklich so groß, wie Daunen.


Der erste Schnee im Herbst ist immer etwas Besonderes, für mich jedenfalls. Ich kann den Ausdruck des Winters immer wieder bestaunen. Ein Leben ohne die Vier Jahreszeiten würde mir sehr schwer fallen.









Samstag, 10. Oktober 2015

OM ...


Das "OM" wird im ältesten Zweig des Buddhismus, der Theravada-Tradition allerdings nicht verwendet (hier heißt sie "Buddho"), sondern ist Meditationssilbe des vielleicht mehr bekannten "Tibetischen Buddhismus".

Wie es auch ist, die Ruhe und Ernsthaftigkeit des Ortes ist umgeben von Humor und vom Frankenwald.



Obwohl dem Fichtelgebirge so nahe gelegen, gestaltet sich der Frankenwald anders. Für meinen Eindruck vielfältiger. Hier dominiert Mischwald, der dementsprechend beginnt, sein herbstliches Erscheinungsbild anzunehmen. Das ist dieses Jahr wirklich prächtig bunt, sogar durch den feinen Nebelschleier.




Der Rundweg führt durch den Klosterwald hinauf auf einen Hügel. Dort reicht der Blick bis zum nächsten Waldrand. Einzelgehöfte wechseln sich mit Wiese und Wald ab.




Ein wunderbarer Fleck, um zu sich zu kommen. Der weitgehend grau verhangene Himmel unterstreicht und fördert das. Schließlich endet unser Rundweg dort, wo wir ihn begonnen haben. Und das ist wie im Leben.