Dienstag, 24. November 2015

Essen für die Sangha

Ich bin ein Winterfreak! Weiße Landschaften, auch am frühen Sonntagmorgen, locken mir kein "Oh", sondern ein "Aaah" über die Lippen!
Trotzdem bringt die eisige Überraschung den Zeitplan durcheinander. 35km auf winterlichen Straßen dauern ihre Zeit.
Zum ersten Mal haben wir, am Tag zuvor, Essen für die Mönchsgemeinschaft (sangha) in Muttodaya vorbereitet und das muss rechtzeitig auf dem Tisch des Klosters stehen.

Nach den Regeln, denen sich die Bhikkhus (Almosenempfänger) in der Waldtradition des Theravada Buddhismus unterwerfen, wird DIE einzige MAHLZEIT des Tages um 11Uhr gegessen. Das heißt für uns, kurz vor 11Uhr alle Vorbereitungen dort abzuschließen.

Zugegeben, das klingt in westlichen Ohren ungewohnt. Für die Frauen aus Thailand, denen wir oft im Kloster begegnen, bedeutet es ein Stück Heimat. In Thailand werden die Bhikkhus ganz selbstverständlich mitversorgt. Die Menschen stehen in langen Reihen am Straßenrand und teilen ihr Essen mit den Mönchen. Diese sammeln, was sie bekommen, in Almosenschalen, aus denen auch gegessen wird, wie im Waldkloster Muttodaya in Franken.

An manchen Tagen "biegt" sich der Tisch, wenn viele Tagesbesucher ins Kloster kommen. Dann dürfen sich auch die Besucher, nach den Mönchen, aus Schalen und Schüsseln Essen nehmen.

Aber, so erzählte der Verwalter und "Mädchen für alles", es gäbe genügend Tage, an denen niemand kommt. Mönche dürfen nicht selbst kochen und dürfen nur essen, was ihnen ausdrücklich gegeben wurde. Dann wird aus Resten "Neues" gekocht, das wiederum von einem Laien dargeboten werden muss.


Vorgestern gab es für Alle ausreichend zu essen. Laien und Gäste finden sich vor allem am Wochenende zur gemeinsamen Mahlzeit und später zum Gespräch in der Dhammahalle mit einem der Mönche. Inzwischen wurde der Einblick in diese andere Welt für mich der Blick über eigene Grenzen, weitend und wohltuend.

Später, auf dem Weg nach Hause, machte ich dann eines der seltsamsten Winterbilder. Besser als so kann die Natur friedliche Koexistenz wohl nicht ausdrücken.

Zwei Welten im Einklang



Samstag, 21. November 2015

Zu schwarz für die Nacht

Vor 11 Monaten stellte Frau "amselgesang" Neujahrs-Ufos vor, ein Projekt, das mich sozusagen wie magisch anzog, denn auch ich habe UFO's, die nichts mit, Zitat "Untertassen und außerirdischen Besatzungen" zu tun haben, wohl aber mit halbfertigen Strickprojekten, die seit -wer weiß wie lange- in wenig beachteten Nischen schlummern.

Da war dieser 3/4-fertige Herrenpullover, der mit mir schon vor 20Jahren auf Englandreise ging, der Stonehenge sah und das mystische Dartmoor. Er hat, eher zufällig, auch eine entsprechende Farbe, nämlich schwarz.

Schwarz, elegant und unempfindlich, war die Wunschfarbe und ich weiß tatsächlich noch, wie ich mich voller Freude auf die Arbeit stürzte. Das muss so sein, wenn man feines Wollgemisch für die großen Teile eines Herrenpullovers verstricken will.

Dann war irgendwann die Luft raus. Das passiert, wenn ich lange keine Zeit habe oder das Projekt ins Stocken gerät, weil ich Misslungenes auftrennen muss. Hier war mir beim Bügeln der Einzelteile ein nicht wieder gut zu machender Fehler unterlaufen. Das Eisen war zu heiß und übrig blieb ein bügeleisenförmiger, glänzender Abdruck. Der Enthusiasmus war für's Erste dahin.

Dieses UnFertige Objekt wollte ich nun unbedingt zu einem FO werden lassen, freizeittauglich und genau richtig für, wie wir zu sagen pflegen,"daheim-rum". In Gedanken sah ich mich bereits gemütlich unter meiner Leselampe mit extra gutem Licht sitzen und strickend die schwedische Nachmittagsdunkelheit vergessend die Winterzeit genießen.

Da hatte ich die Rechnung ohne meine Augen und ohne die Wollfarbe gemacht. Mehrere Anläufe und Augentränen ließen keinen Zweifel: Trotz Brille und gutem Licht war das Ganze einfach zu schwarz für die Nacht.

Vom schwarzen UFO habe ich mich inzwischen getrennt und mir dieses neue kreiert. Das sollte doch zu allen Tageszeiten und Jahreszeiten funktionieren und möglichst bald mein neuer Pullover sein.


Sonntag, 1. November 2015

Licht und Schatten

Typisch Fichtelgebirge: "Fichten, die wie eine Mauer wirken, dunkel und undurchlässig", so dachte ich bis jetzt. Die Wochen in der alten Heimat belehren mich diesmal eines Besseren.

So oft ich kann, halte ich mich in der Natur auf und stelle fest, die Erinnerung verändert im Laufe der Zeit die Bilder. So "monokulturell", wie ich immer dachte, ist der Fichtenwald gar nicht.

Es sind Buchen und Föhren, viele schon Jahrzehnte alt, die dem Wald gerade im Herbst ein leuchtend buntes Aussehen geben. Sie stehen im kontrastreichen Gegensatz zu den Fichten. Auf einer Tour zum "Hauknock", einem Nebengipfel des Kornberg, zeigt sich der heimische, alte Wald von seiner prächtigen Seite, so wie ich ihn selbst nie erlebt habe.

In seinen letzten Tagen war dieser Oktober wirklich golden, dank der Sonne und eben dank der Buchen und Föhren. Ein Blick zum Himmel eröffnete wahre Farbexplosionen in gold, gelb, orange und braun.