Dienstag, 30. August 2016

Ich sehe rot - die Sache mit der Post.

Schweden hat eine Hand voll Ballungsräume, der Rest ist dünn besiedelt. Das Land durchziehen wenige Hauptverkehrsstraßen, von denen kleinere, oft unbefestigte Wege abzweigen. Meist führen die zu Weilern oder Einzelgehöften mitten im Wald und enden dort.

Wer möchte da die Post ausfahren? Damit den Postbediensteten die Arbeit überhaupt zeitlich möglich ist, hängen die Briefkästen nicht hauseigenen Gartenzaun, sondern in einer Reihe neben den Hauptstrassen. Dort findet man ganze Kolonien von Blech- und Plastikkästen. Jeder Kasten hat seinen angestammten Platz und gehört zum jeweiligen Haus, solange es dieses gibt.

Das sieht dann so aus:

oder so





Die Briefkästen schicke ich zu Juttas Projekt "Ich sehe rot"



Freitag, 26. August 2016

Einmal Gotland und zurück

Die Wogen gehen 2m hoch, als die Fähre die schützenden Schären verlässt. Der Kapitän der Expressfähre von Västervik nach Visby ändert den Kurs, um das Gröbste "abzufangen". Dafür bin ich ihm dankbar.


Die Wettervorhersage vor einer 2-Stunden-Schiffsreise anzuschauen erspart Ärger. Vorsorglich hatte ich mir das Essen verkniffen und so brauchte mein Organismus nichts weiter zu tun, als sich der Wellenschaukelei hinzugeben. Einmal hat es das Schiff ziemlich erwischt und in schneller Folge tauchte der Horizont unter, um gleich danach im Himmel zu verschwinden. Die ersten Fahrgäste verschwinden auch... .



Jede noch so aufreibende Reise geht einmal zu Ende. Einen Spalt breit gibt das Tor des Autodecks die Sicht auf das Welterbe frei. Der Tag wirft ein gedämpftes Licht auf die Hansestadt Visby. Ich bin unvorbereitet, weiß eigentlich nur, dass Visby zu den nördlichsten Hansestädten des gleichnamigen Handelsbundes gehört.

Ich komme unvoreingenommen auf die Insel Gotland mit ihrer geschichtsträchtigen "Hauptstadt". Ich finde und das ist meine eigene Gedankenkreation, ein "Carcassonne des Nordens". Doch zuerst beziehen wir unser Zimmer in einem Pensionat. Das sind einfache Hotels, oft in reizvoller Landschaft gelegen. Unser Pensionat ist ein Strandhotel, einfacher Standard, aber blitzsauber und wir haben einen unverstellten Blick auf die Ostsee.

Leider können wir es immer noch nicht lassen, an alles denken zu müssen, was wir meinen zu brauchen. Die Auspackerei dauert. Danach hält uns nichts mehr und der nahe Sandstrand gehört uns. Wolken, Wogen, das Licht, die Weite verschlägt mir an diesem Abend zuerst mal den Atem. Die Küste auf der Festlandsseite ist so ganz anders! Erst der nächste Regenguss mit Tropfen so dick wie gequollene Erbsen vertreibt uns.




Der nächste Morgen lässt Hoffnung auf Besserung schöpfen, zunächst einmal! Das Auto bleibt vor den Toren der Stadt, die wir durch das Kaisertor betreten. Ich lasse alle Erklärungen dazu rechts liegen. Der Wissensdurst wird an diesem Tag dem Erspüren nachgeordnet. Einfach durch die Gassen schlendern, so wie damals im französischen Carcassonne und, wenn es mich irgendwo hineinzieht, dem nachzugeben. Nur so, aus dem Innersten kann ich mir "neues Terretorium erobern", den Flair einer neuen Stadt wirklich erfassen.






Die abflauende Hochsaison gibt Bewegungsfreiheit in der Stadt. Im Stadtkern ist der Einheitsbrei schwedischer Handelsketten außer Kraft gesetzt, das ist wohltuend, stößt bei mir aber auch recht bald an gewisse Geschmacksgrenzen. Die obszönen, Aufmerksamkeit erheischenden Malereien wollte ich nicht mal auf Fotos bannen. Natürlich haben sich Kommerz und Konsum hier breit gemacht. Jeder hat ja die Wahl sich von Geschichten oder Geschichte in den Bann ziehen zu lassen oder von Beidem. Ich wähle,- alles zu seiner Zeit. Dann regnet es wieder,- heftig! ....



Wir beschließen nach Norden zu fahren und mit dem Auto ein Stück Insel zu erkunden ... .

Donnerstag, 25. August 2016

Bienenstich, der dritte!

Autsch,- das ging ans Auge!

Wer bei der Gartenarbeit so viel schwitzt wie ich, sollte vorsichtiger sein als ich, wonach er schlägt. Insekten halten perlenden Schweiß für ihre ideale Feuchtigkeitsquelle und der Reflex galt einer Fliege, die keine war. Bei 27°, mitten bei der Arbeit, handelt man diesbezüglich leider gewohnheitsmäßig. Aber Bienen fühlen sich durch solche Bewegungen bedroht und stechen.

Glück im Unglück: Es war keine Wespe. Die Biene stach zwei Zentimeter unterhalb und nicht noch näher am Auge zu. Es war jemand da, der den Stachel samt Giftblase entfernte. Die Einstichstelle schwoll sofort. Mittel für Erste Hilfe sind mitten im Wald nicht vorhanden. Ziemlich blöd das Ganze.

Bisher stachen mich Bienen zweimal in den Unterarm. Ok, es tut weh, ist aber, da ich nicht allergisch bin, halb so wild.

Mit der Einstichstelle so nahe am Auge war mir dann doch etwas mulmig zumute. In Schweden meide ich, solange es geht, Arztbesuche, ich habe da meine Erfahrungen. Nun war ich doch gezwungen seit langem wieder mal auf den schwedischen sjukvård zurückzugreifen, woanders als normalerweise, denn der Waldhof liegt recht weit außerhalb.

Aber auch da hatte ich einen guten Tag erwischt: sehr freundliches Personal, ich kam sofort dran. Das PC-System konnte meine Daten problemlos verwalten, ohne den mistigen Hickhack, den ich an der Stelle immer schon hatte : "Was, Sie haben keine Personennummer?" "Nein ich bin Deutsche, da hat man keine Personennummer" .... usw.

Heute werde ich schnellstmöglich weitergereicht: von der Unterschwester zur Krankenschwester, dann zum Arzt, der mit mir ein wirklich astreines Schwedisch spricht, das ich sehr gut verstehe. Die Sache ist bald geklärt, er verschreibt mir Tabletten, die die Schwellung mindern und ich bin beruhigter.

Puh! Jetzt ist erst mal Pause angesagt. Mal sehen, ob ich morgen aus dem Auge schauen kann.


Mittwoch, 24. August 2016

Am Klappersteinstrand - Cam Underfoot









 Am Klappersteinstrand auf Öland, einem Eldorado für Schwemmholz und andere Fundstücke, fand ich diesen "Admiral" auf dem Strandsilberkraut sitzen.

PS: Nun stellte ich fest, es handelt sich hier um einen Distelfalter.

 Apropos "Klappersteinstrand" der Name ist Programm, hier gehört klappern zum "Handwerk"! Immer wenn eine Welle den Strand überspült, werden die Steine rollend bewegt und dadurch ergibt sich dieses seltsame Geräusch.


Mehr Fundstücke bei "Cam Underfoot" von Siglinde 



Montag, 22. August 2016

"Magischer Minimalismus" by paleica

Bei paleica habe ich das äußerst interessante Projekt: "MagischerMinimalismus" für den August entdeckt.

Mit zwei Ausnahmen entstanden die Fotos der Collagen auf einer Reise nach Gotland in der vergangenen Woche und im den Park von Kolmården/Schweden.
Die düster blickende Laterne steht neben unserem Haus und ist  eigentlich gar nicht so düster. Das Foto des rauchenden Schlotes entstand auf der Fähre zwischen Puttgarden und Rödby. (Archiv 2015).





Die Bilder sind verlinkt mit dem Projekt "Magischer Minimalismus-August" von paleica


Samstag, 20. August 2016

Stilles, fließendes Wasser - Zitat im Bild


                                                                                  * Laotse*   


Das Foto zeigt ein Seitenrinnsal der sächsischen Saale.
Mehr Zitate in Bildern gibt es bei "Casa Nova".


     

Mittwoch, 17. August 2016

"Was ist denn hier los?!!" - Cam Underfoot

Bei uns gibt es heuer mengenweise Hornissen. Eine Plage sind sie noch nicht, schon deshalb, weil sie früher viel seltener zu sehen waren.

Allerdings erinnere ich mich, wie ängstlich wir ihnen begegneten. Zu mehr Gelassenheit  trug eine Dokumentation bei, die zeigte, wie gut die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Hornisse funktionieren kann.

Heute empfinde ich die Neugier der Tiere nicht mehr bedrohlich, denn Hornissen sind unglaublich kurzsichtig. Meist ist das Interesse der Brummer kurz. Umgekehrt ist das ganz anders.

Wie gesagt, in diesem Jahr komme ich "auf meine Kosten". Schon vor drei Jahren kam das folgende Foto zustande. Das "Who is Who" kann ich mir sparen.



Die Biene hatte übrigens großes Glück, denn sie stehen auf dem Speiseplan der Hornissen.

Vor ein paar Tagen balgten sich zwei dieser stechenden Riesen auf dem Weg neben dem Haus, eine sehr ernste Sache. Wenn zwei Hornissen aus verschiedenen Völkern aufeinander treffen wird gekämpft. Zwischen Schaukampf und Kampf "auf Leben und Tod" ist alles möglich.

Wer mehr über das Verhalten von Hornissen wissen möchte, kann diesen *Link* aufrufen.



"Was ist denn hier los" schicke ich zu Siglindes "Cam Underfoot".



Dienstag, 16. August 2016

Ich sehe rot - Lachmöwen-Yoga?


Ob sie mediTIERt oder ihr zweites Bein sucht? Diese Lachmöwe jedenfalls lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Es ist nicht ganz klar, wie sie zu ihrem Namen kam, ob durch ihr "Lachen" oder von "Lache" (Pfütze). Richtig ist, sie ist ein weitverbreiteter, wasserliebender Vogel, im Binnenland wie an der Küste. Fotogen ist sie allemal!








Und im Frühling trägt sie auch noch ein dunkles Käppchen.





Bei Jutta wird wieder "Rot gesehen" schaut mal vorbei!

Mittwoch, 10. August 2016

Grenzüberschreitend - Cam Underfoot



Ein Rätsel verbindet sich mit dem Schienenfoto auch: Auf welcher Seite liegt die zweite Schiene? :-)
Beides schicke ich zum Fotoprojekt "Cam Underfoot" von Siglinde.

Das Foto wurde auf der Bootswerft von Händelöp im Kalmar län in Schweden gemacht.




Sonntag, 7. August 2016

Silkyway - In heaven

Milkyway Silkyway ist der Weg, der zu den Wolken führt.
Stand man dieser Tage abends am steinigen Ufer, breitete sich das seidene Tuch bis zum Horizont, schillernd wie Moiré.
Weit draußen zog die Linie scharf geschnitten von Insel zu Insel
und trennte Unten von Oben.
Am Himmel wird Blasslila zu Blau und im "Spiegel" malt der Wind mit Wasserfarben Wellenmuster auf Seide.



Wer möchte da nicht ein Stück sein Eigen nennen?




verlinkt mit "In heaven" von Raumfee Katja

Mittwoch, 3. August 2016

Unterwegs im Uknatal

Das Uknatal liegt nicht weit. Man braucht ungefähr eine dreiviertel Stunde mit dem Auto, etwas abseits vielbefahrener Straßen.

Das Tal führt von Nordwest nach Südost und folgt dem eiszeitlichen Gletscherfluß , der es geschaffen hat. Wenn man heute hindurch fährt, überraschen die landschaftlichen Veränderungen innerhalb weniger Kilometer.

Zuerst sieht das Tal so aus, wie die Umgebung meiner Wahlheimat-Stadt: Dichter Wald und hie und da steile Felsen, an deren Füßen oft Seen liegen. Meist bedrängt der Wald die Straßen, kanalisiert den Blick und übt einen gewissen Druck auf das eigene Innere aus.


Um diesem "Druck" wieder einmal zu entfliehen, fährt man ans Meer oder ins Uknatal. Dort kann der Blick über die Landschaft schweifen, Felder und Wiesen reihen sich aneinander, der Wald zieht sich zurück. 

Im Talgrund drängt sich alles was "fließt": Straße, Schiene und Flüßchen.


Einmal bin ich zufällig hier durchgefahren und habe mir vorgenommen, in einem Sommer wiederzukommen. In einem Tal wie diesem, haben sich während der Industrialisierung Schwedens Handwerksbetriebe entwickelt. Schnell wurde der eine zum Herrn, der andere zum Knecht.
Sägewerke, Mühlen, Schmieden und diese Gerberei stammen aus der Zeit.


Ich selbst bin in einer Gegend aufgewachsen, in der die Leute ihren Broterwerb bis in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Gerbereien und Färbereien fanden und weiß, wie belastend die Verarbeitungstechniken der damaligen Industrien gewesen sind.

All das gehört zum Glück der Vergangenheit an, aus der sich die Idylle formte, so als wäre alles nur ein schlimmer Traum gewesen.

Industriemuseen reihen sich nicht nur im Uknatal aneinander. Hier hat kein Krieg Altes verlöscht, Rekonstruktionen sind nicht nötig. Von der alten Gerberei bekommen wir dennoch nur einen äußeren Eindruck, da sie nicht geöffnet hat. Ein Blick durch das Fenster und die Möglichkeit sich frei auf dem Gelände zu bewegen, entschädigen auf jeden Fall.


Und man macht so sein Entdeckungen. Er ist sicher kein Angst-Hase!