Freitag, 26. August 2016

Einmal Gotland und zurück

Die Wogen gehen 2m hoch, als die Fähre die schützenden Schären verlässt. Der Kapitän der Expressfähre von Västervik nach Visby ändert den Kurs, um das Gröbste "abzufangen". Dafür bin ich ihm dankbar.


Die Wettervorhersage vor einer 2-Stunden-Schiffsreise anzuschauen erspart Ärger. Vorsorglich hatte ich mir das Essen verkniffen und so brauchte mein Organismus nichts weiter zu tun, als sich der Wellenschaukelei hinzugeben. Einmal hat es das Schiff ziemlich erwischt und in schneller Folge tauchte der Horizont unter, um gleich danach im Himmel zu verschwinden. Die ersten Fahrgäste verschwinden auch... .



Jede noch so aufreibende Reise geht einmal zu Ende. Einen Spalt breit gibt das Tor des Autodecks die Sicht auf das Welterbe frei. Der Tag wirft ein gedämpftes Licht auf die Hansestadt Visby. Ich bin unvorbereitet, weiß eigentlich nur, dass Visby zu den nördlichsten Hansestädten des gleichnamigen Handelsbundes gehört.

Ich komme unvoreingenommen auf die Insel Gotland mit ihrer geschichtsträchtigen "Hauptstadt". Ich finde und das ist meine eigene Gedankenkreation, ein "Carcassonne des Nordens". Doch zuerst beziehen wir unser Zimmer in einem Pensionat. Das sind einfache Hotels, oft in reizvoller Landschaft gelegen. Unser Pensionat ist ein Strandhotel, einfacher Standard, aber blitzsauber und wir haben einen unverstellten Blick auf die Ostsee.

Leider können wir es immer noch nicht lassen, an alles denken zu müssen, was wir meinen zu brauchen. Die Auspackerei dauert. Danach hält uns nichts mehr und der nahe Sandstrand gehört uns. Wolken, Wogen, das Licht, die Weite verschlägt mir an diesem Abend zuerst mal den Atem. Die Küste auf der Festlandsseite ist so ganz anders! Erst der nächste Regenguss mit Tropfen so dick wie gequollene Erbsen vertreibt uns.




Der nächste Morgen lässt Hoffnung auf Besserung schöpfen, zunächst einmal! Das Auto bleibt vor den Toren der Stadt, die wir durch das Kaisertor betreten. Ich lasse alle Erklärungen dazu rechts liegen. Der Wissensdurst wird an diesem Tag dem Erspüren nachgeordnet. Einfach durch die Gassen schlendern, so wie damals im französischen Carcassonne und, wenn es mich irgendwo hineinzieht, dem nachzugeben. Nur so, aus dem Innersten kann ich mir "neues Terretorium erobern", den Flair einer neuen Stadt wirklich erfassen.






Die abflauende Hochsaison gibt Bewegungsfreiheit in der Stadt. Im Stadtkern ist der Einheitsbrei schwedischer Handelsketten außer Kraft gesetzt, das ist wohltuend, stößt bei mir aber auch recht bald an gewisse Geschmacksgrenzen. Die obszönen, Aufmerksamkeit erheischenden Malereien wollte ich nicht mal auf Fotos bannen. Natürlich haben sich Kommerz und Konsum hier breit gemacht. Jeder hat ja die Wahl sich von Geschichten oder Geschichte in den Bann ziehen zu lassen oder von Beidem. Ich wähle,- alles zu seiner Zeit. Dann regnet es wieder,- heftig! ....



Wir beschließen nach Norden zu fahren und mit dem Auto ein Stück Insel zu erkunden ... .

Keine Kommentare: