Donnerstag, 29. Dezember 2016

ad acta mit den Wintervögeln

"Same procedure as every year", sicher wird Mrs. Sophie auch dieses Jahr ihren 90. Geburtstag feiern!

In den letzten Tage des Jahres und oft auch in den ersten des neuen hat sich bei mir eine Prozedur eingebürgert, die Vergangenheit ad acta zu legen, wie beim Geburtstag das jeweilige vollendete Lebensjahr. An die schätzungsweise 5000 - 6000 Fotos kommen jährlich zum Jahresende ins Archiv und so wird das auch in den nächsten Tagen sein. Das Jahr 2016 ist over und auch bald out.

Ganz 1:1 übernehme ich die Pixelgemälde nicht.

Etliches ist doppelt und dreifach, manches bedeutet mir nichts mehr, anderes ist fototechnisch nicht haltbar. Noch bin ich zaghaft, aber im Laufe der Zeit denke ich beim Rauswerfen rigoroser, großzügiger und Platzressourcen schonender.

Als ich gestern mit den, unter "Januar" abgelegten, Fotos begann, fiel mir eine Anzahl schlecht belichteter Wintervogel-Bilder in die Hände, denen ich zwar eine gewisse Qualität ansah, aber zu dunkel ist eben auch ein Rauswurfkriterium.

Da es nicht schadet, das ein oder andere Tool aus der Bildbearbeitung daran auszuprobieren, habe ich mich daran gemacht zu versuchen, aus dem Foto ALLES rauszuholen, was machbar ist, und ...

                                   habe danach alle "Eichelhäher" mit Freude ins Archiv sortiert.
















Übrigens: Den sonst sehr scheuen Eichelhäher habe ich durch das Schlafzimmerfenster fotografiert und mich kaum zu atmen getraut.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Apfel, Nuss und Mandarinen ...

... heißt es in diesen Tagen.


Nach allen Unwägbarkeiten unterwegs komme ich allmählich zur Besinnung. Es ist ein willkommenes Gefühl, wenn sich die inneren Antreiber beruhigen und das Leben wieder dem
Dahinfließen folgt.

Und eigentlich gibt es für das Ankommen nichts Besseres, als die Beschäftigung mit den Traditionen.


So schrieb ich schon vor sieben Jahren in meinem Blog "Von Wegen einfach", als wir im Advent 2008 in unsere Wahlheimat zogen: "Ankommen im Advent" ...

Längst sind die Gepflogenheiten der Wahlheimat selbstverständlich, auch wenn die Umstellung jedes Mal ein paar Tage dauert. Längst suche ich mein Heil darin, mit Kleinigkeiten "den Weg zum Fest" zu finden, den Weg zum Licht: Vier Kerzen, die für mich der Ausdruck für Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut sind.

Die Adventszeit - Dunkelzeit, ich frage mich schon lange, wer wohl daran dachte, die Häuser unserer Stadtrand-Siedlung  s o  zur Wintersonne auszurichten: Am Vormittag schleicht eine Sonnenhälfte



entlang der Dachfirste der Häuser gegenüber, bleich und müde zwar, aber sie ist zu sehen. Dass das der Tiefststand der Sonne ist, bemerkte ich erst im Laufe der Jahre. Kurz nach Mittag verschwindet die Sonne hinter Bäumen und bald auch unter dem Horizont. Aber, ab da geht es wieder aufwärts, denn ...

an Weihnachten ändert sich die Lage, dann leuchtet der Hoffungsschimmer in Form des Weihnachtsbaumes und der langsam länger werdenden Tage.


Gestalten ist meditatives Tun. Schmuck findet sich gleich vor meiner Tür: Kiefernzweige, Tannenzapfen, Äpfel,- Naturgeschenke. Die vier roten Stumpenkerzen habe ich aus Deutschland mitgebracht. Sie stehen in einem ehemaligen Brotkorb für Baguette. Der übrige Platz wird mit den Zweigen, Zapfen und Äpfeln ausgefüllt.


Und nur ein paar Minuten mehr kostet es, aus duftenden Mandarinenschalen das Zeichen der lichtvollen Liebe auszustechen, dem Mittelpunkt allen Feierns und dem Ziel aller Hoffnung.




Sonntag, 11. Dezember 2016

Die Dosis macht das Gift

"Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist".

Dies wusste Theophrastus von Hohenheim (geb. 1493), besser unter dem Namen "Paracelsus" bekannt (Wiki). Und wer könnte dem nichts hinzufügen, über die geläufigen "weißen Gifte" Zucker und Salz, deren Auswirkungen, je nach Menge, allzu bekannt sind?

Jeder ist mit dem Problem konfrontiert, die Menge von Allem zu bestimmen. Wieviel wovon darf tagtäglich auf uns als Individuum einwirken? Die Frage schließt auch Dinge ein, die uns nicht als Nahrungsmittel dienen und auf die wir keinen direkten Einfluss haben.

Das kleine Wörtchen "zu" spielt die Hauptrolle. Nicht nur das "Zu-viel", sondern auch das "Zu-wenig" kommt als unverträgliche Dosis in Frage. Es ist schwierig, die Balance zu halten und in letzter Konsequenz bedeutet es für jedes Individuum "Gedeih oder Verderb".

Ganz so tragisch wird es wohl in unserem Fall nicht sein ... .

Da flatterte während unserer Abwesenheit ein Schriftstück mit roter Riesenüberschrift "Radonmätning" ins Haus. Demzufolge sollte eine von der Gemeinschaft bestimmte Firma Messungen in den Wohnräumen vornehmen. Die Nachricht über die Maßnahme kam per Telefon. Ein Freund leert in Abständen den Briefkasten, damit wir auf dem Laufenden sind.

Radon, ein radioaktives, geruchloses Gas, das unter anderem in felsigem Boden vorkommt (Wiki), reichert sich in geschlossenen Räumen zu einem unverträglichen Luft-Gas-Gemisch an. Schlecht für die Lungen! Als wir die Wohnung kauften, wußten wir über die Radonproblematik Bescheid und besorgten uns ein eigenes Meßgerät.

Nun entdeckten die Stadtväter, dass wir, mit unserem Binnensee gleich nebenan, eine attraktive Wohngegend hätten und gaben das Gebiet bis zum See als Baugebiet frei.

Hier in Schweden sitzen wir alle sozusagen auf Felsen. Fast immer muss der Untergrund gesprengt werden, bevor gebaut werden kann. Die Folge sind Haarrisse im Gestein, entstanden durch die Schockwellen der Sprengungen, aus denen dann das Edelgas austreten kann. Technische Sanierungsmaßnahmen müssen das Gas ableiten.

In feiner Dosierung aber und mit Wasser vermischt ergibt sich eine heilende Wirkung. Und dann könnte man ja die Stadtväter (mit einem Augenzwinkern versteht sich) überreden, ein Kurbad nach oberfränkischen Vorbild ins Leben zu rufen. Ungefähr wie auf dem Bild unten. Wir werden also sehen ... ;-)



Sonntag, 4. Dezember 2016

Mit einem guten Gefühl

Manchmal türmen sich im Leben überraschenderweise Begebenheiten zu einem ganzen Berg an Aufgaben auf. Diese abzuarbeiten dauerte seine Zeit. In unserem Fall sieben Wochen. Sieben Wochen, in denen die Dinge, die mein Leben in Schweden ausmacht, sich selbst überlassen waren.

Gäbe es nicht gute Geister, die da und dort eingegriffen haben, wäre Vieles an Arbeit im Garten buchstäblich umsonst gewesen. So sind die Kartoffeln "unter Dach und Fach", die nachreifenden Himbeeren zu Marmelade geworden und mein selbst gezogenes Mispelbäumchen vor dem Frost ins Gewächshaus umgezogen. Und es gab immer wieder die schriftliche Gewissheit: in Haus und Hof ist alles in Ordnung, eine Erleichterung, die gut tut.

So war es möglich, sich den anstehenden Herausforderungen ganz und gar zu widmen, die heute mit einem guten Gefühl zu Ende gebracht werden. Ich freue mich sehr, dass meine fast 90jährige Tante die Herz-Op gut überstanden hat und nun auf dem Weg in die REHA-Klinik ist. Und ich möchte an dieser Stelle auch sagen, dass man ihr diese Op in anderen europäischen Ländern, z.B. in Schweden, trotz ihrer guten Voraussetzungen und ihrer Zustimmung, nicht finanziert hätte. Menschenleben auf einer Höhe mit wirtschaftlichen Berechnungen sind leider keine Seltenheit, zeigt aber das Niveau gesellschaftlichen Miteinanders.



Die betagte Dame ist zum Glück in Deutschland alt geworden und wird das Weihnachtsfest wie "Alle Jahre wieder" in ihrer Wohnung verbringen. Den Ärzten ihres Heimatlandkreises und des Jenaer Universitätsklinikums sei herzlich gedankt!


Donnerstag, 1. Dezember 2016

"Schön" ist etwas Anderes

"Schön" oder "nicht schön" ist für mich hier keine Frage, bleibt aber meine Interpretation. Allerdings kann etwas "Nicht-Schönes" durchaus gleichzeitig interessant sein. So geht es mir mit dem Rugendorfer Schloss, einem der zwei geheimnisvollen Orte der Gemeinde. Als robust und ruppig würde ich den Anblick bezeichnen.



Das Bruchsteinmauerwerk versuchte bisher niemand zu verbergen, übertünchen oder gar zu verputzen. Es würde sowieso nicht lange halten und wahrscheinlich würde man das dem denkmalgeschützten Haus auch nicht zugestehen. Der Vierkantige, vierschrötig-klobige Bau hat nichts Liebliches, aber das macht ihn besonders.


Eine lange Reihe von Besitzern hat sich über die Jahrhunderte ganz oder teilweise in dem Schloss aufgehalten. Die Freiherren v. Guttenberg und v.Waldenfels gehören dazu, Familien, deren Namen heute noch Klang haben.

In diesen Tagen wird das Schloss wieder bewohnt, weil es wieder bewohnbar gemacht wurde, nachdem Experten eine Einsturzgefahr ausschlossen und Teile des Innenlebens renoviert wurden. Es entstanden Wohnungen. Welchem Standard sie entsprechen, blieb mir verborgen, welchem Stand die Leute angehören nicht, Menschen, die einem heute täglich in Rugendorf begegnen. Die Frau, mit der ich dieses intensive Gespräch über die nebenan liegende Kirche führte, ist im Rugendorfer Schloss geboren, wie sie mir erzählte.

Auffallend sind die vielen Fenster, die völlig uneinheitlich im Mauerwerk des hohen Gebäudes zu sehen sind. Da gibt es kaum von außen erkennbare Stockwerke. "Aus verschiedenen Epochen" stammen die Fenster, stand da zu lesen und das ein oder andere wurde bereits wieder vermauert. Unspektakulär auch der Eingang. Er unterstreicht weniger einen Schlosscharakter, als den einer Burg.

Das ist das Stichwort, denn das Rugendorfer Schloss wurde etwa zur gleichen Zeit erbaut, wie die Burg Epprechtstein auf dem gleichnamigen Berg. Unruhige Zeiten waren es allemal, in denen sich die Herren aus Kirche und Adel die Türklinke im fränkischen Land in die Hand gaben.