Donnerstag, 13. Juli 2017

Lin-flicka

"Es begab sich" ... so beginnen manchmal schöne Geschichten. Und eine davon ist die, die zu dieser "lin-flicka" gehört.

Das "Leinmädchen" nannte ich "Eva", so wie die Frau heißt, von der ich sie überraschend geschenkt bekam. Ich habe Frau Eva im Gartenverein meiner schwedischen Heimatstadt kennengelernt.

Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum mir "Eva" so passend erschien. "Meereswind" vom Blog "Papatyam" wußte von der Wiege des Lein im arabischen Raum, dort wo man auch das alttestamentarische Paradies vermutet.

Schon im Vorjahr weckte der gestickelte Lein in meinem Garten das Interesse der Vorübergehenden. Vor allem die älteren Schweden sind eng mit ihren Traditionen verbunden. Etliche blieben stehen und ich erfuhr von ihren Geschichten und Erfahrungen mit der Faser.

Lein ist eine der vielseitigsten Pflanzen, die ich selbst angebaut habe. Anfangs säte ich ihn ausschließlich zur Bodenverbesserung aus.

Später erfuhr ich, er sei eine hervorragende Bienenweide. Immer mehr Informationen kamen dazu, vor allem die Trennung in Öllein und Faserlein war wichtig. Dass meine Saat aus Öllein besteht, ist dem Umstand zu verdanken, dass er fast überall in Bio-Qualität erhältlich ist. Nur unbehandelte Ölsaaten gedeihen und sind nicht hybrid. An selbst angebauten Leinsamen zu kommen, ist also einfach.

Wirklich wichtig wird das Stickeln der feinen hochwachsenden Pflanzen erst beim Faserlein. Nun habe ich das zwei Jahre lang am viel kürzeren Öllein geübt  :-). Im kommenden Gartenjahr wird es "ernst".

Und was ich aus den Leinfasern machen möchte, das ist jetzt nicht mehr schwer zu raten!



Mittwoch, 12. Juli 2017

Gartenbericht - on-Lein

Die feinadrigen fünf Blütenblätter in Blau gehören dem Lein. Ich konnte es nicht lassen, wieder welchen auszusäen. Meist gibt es irgendwelche Gartenbeete, die ihr Sabbatjahr brauchen. Der Lein eignet sich als Zwischenfrucht.


Für die Aussaat vor ein paar Wochen musste ich nicht lange nach Samen suchen. Die Kapseln der letzten Ernte hatte ich noch.

Tausende runder Kapseln warteten darauf, geöffnet zu werden. Zuerst zerdrückte ich sie einzeln, worauf sie mit einem leisen Knacken aufsprangen und die braunen glatten Körner in die Schüssel rieselten. Auf die Dauer war die Methode aber ein heilloses Unterfangen.

Auf der Suche nach etwas Zeitsparenderem fiel mir eine baumwollne Einkaufstasche in die Hände. "Nicht zu viel und nicht zu wenig" - befüllte ich sie, um dann im wahrsten Sinn des Wortes darauf herum zu dreschen. Hätte uns jemand beobachtet, hätte der sicher einen heftigen Wutanfall vermutet.

Das Dreschen ist kraftzehrend, genau das Richtige, wenn überschüssige Kraft vorhanden ist.  :-) Dankenswerter Weise übernahm das mein Mann.


Es dauerte trotzdem seine Zeit, bis sich "Spreu und Weizen" getrennt hatten. Und schon stand ich vor der nächsten Frage: "Wie bekomme ich die Kapselreste aus den Leinsamen, ohne das Wohnzimmer zur Tenne zu machen?"

Der Wind vor der Tür bot sich an, die Seebrise, die oft an der Küste weht. Leider hatte meine einzige große Schüssel einen viel zu hohen Rand und ich musste durch Blasen nachhelfen. Sobald der Wind die Kapselreste zu fassen bekam, trug er sie weit über die Wiese und es dauerte nicht lange, bis die Leinsamen von den holzigen Schalen befreit waren.

In Reihen gesät und seit Kurzem auch wieder on-Lein (das nennt man "stickeln"), damit ihn Wind und Regen nicht knicken, blüht er schon wieder. Diesmal so scheint es, ist die Weiterverarbeitung zur Leinfasern nicht möglich. Zu kurz bleiben die Stängel des Saatlein, um zur Faser verarbeitet zu werden.

Dafür habe ich entdeckt, dass echte Faserleinsaat zu haben ist, im Norden und ganz in der Nähe unserers Hotels, in dem wir jedes Mal unsere Fahrt von undnach Schweden unterbrechen. Eine gute Gelegenheit sich für die kommende Gartensaison zu rüsten.