Sonntag, 30. Juli 2017

Von Bäumen, Kirschen und Kernen

Der Kirschbaum vor dem Schnitt, viel zu dominant in einem 200 qm -Garten :




Der Kirschbaum rund 2 Wochen danach:



Und jetzt? : Übung in Geduld, denn ...

vergessene Kirschkerne sind berühmt-berüchtigte Zahnkiller.

Meine Arbeitsanordnung führt erst einmal zurück zu "vergangenen Tage" und zu einem Erbstück von Küchengerät, das seit einem halben Jahrhundert Kernen auf die Sprünge hilft:

Kirsche links auf die Öse legen - mit Schwung drücken - Kirsche mit der rechten Hand entnehmen - Stein mit der linken Hand wegschieben (oder Stein suchen und wegschieben) - 

so geht's und die Anzahl der verbliebenen Zahnkiller dürfte gegen 0 sein :-), hoffe ich.


Samstag, 29. Juli 2017

Besuch am Morgen

Ein Wetter für Insekten:
Schon am frühen Morgen kommt jede Menge Besuch auf die Terrasse, am Waldrand der einzige Tagesabschnitt in der Sonne, worüber ich derzeit froh bin.

Schon hat es 20 Grad und das ist ganz offensichtlich eine prima Betriebstemperatur für "Kleingeflügel". Außerdem lädt die Wärme zum Frühstück draußen ein.

Bevor ich dazu komme den Tisch zu decken, wollen allerlei Insekten meine Aufmerksamkeit. Um diese Zeit brummt und summt es. Aber auch die leisen der Art lassen sich blicken, die Libellen.

Während eine richtig große Hummel Anflüge auf die Blüten des Gartengeißblattes unternimmt, um anschließend im Kelch einer violetten Prachtwinde abzutauchen, ruht sich die Libelle mitten auf der Tischplatte aus.

Libellen haben etwas sehr Plötzliches an sich. Diesmal bekomme ich sie auf die Linse, der Fotoapparat war griffbereit.



Mittwoch, 26. Juli 2017

So zum Spass

Die Samen sind so winzig, dass man sie ganz nebenbei mit einem Wisch in den Abfallbehälter befördert. Ich schreibe von den (fast) unzähligen Samen einer Paprika.

Die sammlte ich im vergangenen Jahr, denn jedes einzelne enthält alles, was ein GANZER Paprikastrauch braucht. "Verschwendung", dachte ich, trocknete sie und hob sie in einem Briefunschlag auf.

.... und dann hätte ich es beinah vergessen.

Erst als ich von einem Freund Chilipflanzen geschenkt bekam, erinnerte ich mich an die Paprikasamen. Ich hatte ehrlich nicht viel Hoffnung, ob daraus noch Paprikas werden würden, aber der Wachtumswille ist wohl einer der stärksten, den die Natur kennt.

Jetzt blühen Chili und Paprika und meine Hoffnung liegt ganz eindeutig bei Biene&Co. Ob dann noch Früchte daraus werden, entscheidet die Sonne im August.

So schnell wird aus Spass - Spannung.




Montag, 24. Juli 2017

Spinnereien

Der Sommer ist, wie es sich in Schweden gehört, -schwedisch- : "Warme Tage, kühle Nächte und von Zeit zu Zeit außer ein bisschen Wind "kein Wetter". Regen ist seltsamerweise rar geworden. 

Wenn es so grau ist, ist ein Päckchen wie ein Stück Sonne, ein Highlight, das den Tag heller macht, auch wenn die Post es schon vor einer Weile brachte.


Als ich vor einiger Zeit das Päckchen von OLANN  bekam, war neben Freude auch Spannendes dabei, nämlich aus wunderbarer Wolle einen brauchbaren, strickfähigen Faden herzustellen. Für mich ist das eine Herausforderung, denn ..........

Die Geschichte meiner Woll-Spinnerei ist noch kurz und knapp:
Es war lange einer meiner Herzenswünsche, das Spinnen zu lernen. Deshalb kaufte ich mir vor Jahren ein nagelneues Spinnrad. In der ersten Euphorie, verspann ich jede Wolle, die ich in die Finger bekam. Bis ich die Technik einigermaßen heraus hatte.

Die erste Wolle lag als Übungsmaterial dem Spinnrad bei. Danach musste ich mich auf die Suche nach einem Wolllieferanten begeben.  

Schließlich fand ich in der Schäferei "smultronboda" eine Bezugsquelle, nicht weit weg von meinem Heimatort, mit einer netten Schäferin, die mir die Wolle (ungewaschen) zu einem kleinen Preis überließ. Jetzt hatte ich das Verarbeiten wirklich von der Pike auf zu lernen. Wer das mal gemacht hat, weiß seine Kleidung zu schätzen.

Wie schwer ich mir das Spinnenlernen gemacht habe, kann ich erst jetzt nachvollziehen. Die Schafe in smultronboda (eine englische Rasse) werden wegen ihres Fleisches gehalten, nicht wegen der Wolle. Ihre kurzfasrige, gekräuselte Wolle ist für Anfänger nicht leicht zu verarbeiten. Den Unterschied merke ich, in recht eindrücklicher Weise, jetzt.

Eine gute Vorbereitung ist "die halbe Miete", war mein Gedanke. Es ersparte mir das mulmige Gefühl nicht, als ich nach der Wartung des Spinnrades dasselbe in Gang setzte, um die altbekannte Schafwolle zu verspinnen.

Schweißtropfen flossen. Die warmen, feuchten Hände verfilzten die Wolle und erschwerten den Arbeitsverlauf. Bald verwünschte ich den Tag, an dem ich das Spinnrad in die Ecke gestellt hatte, ohne das Gelernte konserviert zu haben.

Schließlich hatte ich genug von der Plackerei. "Na, dann eben nicht", sagte der "Trotz", während das "Dem" das Päckchen mit der neuen Wolle herausholte, der "Mut der Verzweiflung"?

Aber mit dem wachsenden Wohlgefühl, das sich während der Verarbeitung der neuen Wolle bei mir breit machte, erinnerten sich die Hände wohl an das, was sie vor längerer Zeit geübt hatten: "Nicht festhalten, sondern loslassen", damit der Faden nicht reißt.

Manchmal ist es das, "alte Zöpfe" abzuschneiden und Neues ins Leben zu lassen, um vorwärts zu kommen.


Herzlichen Dank, liebe OLANN! Ohne dich wäre das Rad noch lange nicht in Schwung gekommen.

Freitag, 21. Juli 2017

Vom Wandel und was am Ende bleibt

Es dauerte eine Weile, bis ich den idealen Platz für den Überblick gefunden hatte. Dann war ich nicht schlecht erstaunt, wie sehr der Kirschbaum den Garten inzwischen dominiert.


Mit dem Rückzug der Sonne wurden die Schatten merklich länger und die Schattenplätze im Garten mehr, was die sonnenhungrigen unter den Pflanzen zu seinen "Füßen" ziemlich schnell quittierten. Der Kirschbaum beschattet mit seiner Höhe spielend den halben Garten, sogar im Hochsommer.

Da ist guter Rat teuer und Baumschnitt (leider) die Antwort.

Dem zuzustimmen fällt mir, seit ich das Buch von Peter Wohlleben lese, nicht so leicht. "Das geheime Leben der Bäume" lässt mich zumindest das Beschneiden aus einem anderen Blickwinkel sehen und ich würde ihn lieber an einem Waldrand nach Herzenslust wachsen sehen, als sich der Größe eines Koloniegartens "beugen".

Seinen Früchten die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken, bin ich seit fast einer Woche (mit Pause) dabei. Waldemar, unser Berufsgärtner und Vereinsvorsitzender hat etwa den halben Baum beschnitten und ich bin bei ca 40 Kilo gepflückten Kirschen angelangt, nicht gezählt ist die Menge, die andere Gartenbesitzer nach der allgemeinen Pflückeinladung mitgenommen haben.

Erste Ermüdungserscheinungen zeigen sich, obwohl ich mir die Arbeit so leicht wie möglich mache. Meditativ ist die Pflückarbeit auch und wahrscheinlich der Grund des Durchhaltevermögens.

Das Geschenk der Ausdauer: Der Baum bleibt erhalten, der Garten bekommt wieder genug Sonne, die Tierwelt ihren Anteil und am Ende bleibt ...  Saft. 



Donnerstag, 13. Juli 2017

Lin-flicka

"Es begab sich" ... so beginnen manchmal schöne Geschichten. Und eine davon ist die, die zu dieser "lin-flicka" gehört.

Das "Leinmädchen" nannte ich "Eva", so wie die Frau heißt, von der ich sie überraschend geschenkt bekam. Ich habe Frau Eva im Gartenverein meiner schwedischen Heimatstadt kennengelernt.

Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum mir "Eva" so passend erschien. "Meereswind" vom Blog "Papatyam" wußte von der Wiege des Lein im arabischen Raum, dort wo man auch das alttestamentarische Paradies vermutet.

Schon im Vorjahr weckte der gestickelte Lein in meinem Garten das Interesse der Vorübergehenden. Vor allem die älteren Schweden sind eng mit ihren Traditionen verbunden. Etliche blieben stehen und ich erfuhr von ihren Geschichten und Erfahrungen mit der Faser.

Lein ist eine der vielseitigsten Pflanzen, die ich selbst angebaut habe. Anfangs säte ich ihn ausschließlich zur Bodenverbesserung aus.

Später erfuhr ich, er sei eine hervorragende Bienenweide. Immer mehr Informationen kamen dazu, vor allem die Trennung in Öllein und Faserlein war wichtig. Dass meine Saat aus Öllein besteht, ist dem Umstand zu verdanken, dass er fast überall in Bio-Qualität erhältlich ist. Nur unbehandelte Ölsaaten gedeihen und sind nicht hybrid. An selbst angebauten Leinsamen zu kommen, ist also einfach.

Wirklich wichtig wird das Stickeln der feinen hochwachsenden Pflanzen erst beim Faserlein. Nun habe ich das zwei Jahre lang am viel kürzeren Öllein geübt  :-). Im kommenden Gartenjahr wird es "ernst".

Und was ich aus den Leinfasern machen möchte, das ist jetzt nicht mehr schwer zu raten!



Mittwoch, 12. Juli 2017

Gartenbericht - on-Lein

Die feinadrigen fünf Blütenblätter in Blau gehören dem Lein. Ich konnte es nicht lassen, wieder welchen auszusäen. Meist gibt es irgendwelche Gartenbeete, die ihr Sabbatjahr brauchen. Der Lein eignet sich als Zwischenfrucht.


Für die Aussaat vor ein paar Wochen musste ich nicht lange nach Samen suchen. Die Kapseln der letzten Ernte hatte ich noch.

Tausende runder Kapseln warteten darauf, geöffnet zu werden. Zuerst zerdrückte ich sie einzeln, worauf sie mit einem leisen Knacken aufsprangen und die braunen glatten Körner in die Schüssel rieselten. Auf die Dauer war die Methode aber ein heilloses Unterfangen.

Auf der Suche nach etwas Zeitsparenderem fiel mir eine baumwollne Einkaufstasche in die Hände. "Nicht zu viel und nicht zu wenig" - befüllte ich sie, um dann im wahrsten Sinn des Wortes darauf herum zu dreschen. Hätte uns jemand beobachtet, hätte der sicher einen heftigen Wutanfall vermutet.

Das Dreschen ist kraftzehrend, genau das Richtige, wenn überschüssige Kraft vorhanden ist.  :-) Dankenswerter Weise übernahm das mein Mann.


Es dauerte trotzdem seine Zeit, bis sich "Spreu und Weizen" getrennt hatten. Und schon stand ich vor der nächsten Frage: "Wie bekomme ich die Kapselreste aus den Leinsamen, ohne das Wohnzimmer zur Tenne zu machen?"

Der Wind vor der Tür bot sich an, die Seebrise, die oft an der Küste weht. Leider hatte meine einzige große Schüssel einen viel zu hohen Rand und ich musste durch Blasen nachhelfen. Sobald der Wind die Kapselreste zu fassen bekam, trug er sie weit über die Wiese und es dauerte nicht lange, bis die Leinsamen von den holzigen Schalen befreit waren.

In Reihen gesät und seit Kurzem auch wieder on-Lein (das nennt man "stickeln"), damit ihn Wind und Regen nicht knicken, blüht er schon wieder. Diesmal so scheint es, ist die Weiterverarbeitung zur Leinfasern nicht möglich. Zu kurz bleiben die Stängel des Saatlein, um zur Faser verarbeitet zu werden.

Dafür habe ich entdeckt, dass echte Faserleinsaat zu haben ist, im Norden und ganz in der Nähe unserers Hotels, in dem wir jedes Mal unsere Fahrt von undnach Schweden unterbrechen. Eine gute Gelegenheit sich für die kommende Gartensaison zu rüsten.





Mittwoch, 5. Juli 2017

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Gesehen habe ich den Hjorten das erste Mal 1985 auf unserer ersten Schwedenreise. Damals konnte ich nicht wissen, dass sein Wasser einmal aus meinem Wasserhahn daheim fließen würde.



So wandeln sich die Zeiten. Aber nicht nur für mich.

Gesehen habe ich auch, das veränderte Bild des Sees. Mit den Jahren wurde der Schilfgürtel breiter und im See entstanden mehr Inseln, ein Zeichen für den sinkenden Wasserspiegel.

Das mit den langen Trockenperioden begann vor ein paar Jahren. Der See macht, was jeder der anderen 89 999  Seen tun würde, er verlandet allmählich. Schon hat die Stadt einen zweiten See, weiter im Landesinneren, als Wasserlieferanten mit dem Wasserwerk verbunden. Gerade im Sommer, wenn sich die Einwohnerzahl durch die Besucher verdoppelt, wäre Wassermangel das reine Chaos.

Ob die Regenfälle der vergangenen Woche ein "Tropfen auf den heißen Stein" sind, weiß ich nicht. Aber angesichts der Fluten war es mal ganz interessant sich vorzustellen, wieviel der Hjorten davon abbekommt. Die Zahlen sind ganz und gar beeindruckend, finde ich:

Auf den 3,86 Quadratkilometer großen See fielen in 24 Stunden:

1 Milliarde 158 Millionen Liter Regenwasser.

Kaum zu glauben, nicht wahr? Nach dem schwedischen Wetterinstitut (SMHI) fielen an diesem Tag 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Nur, wohin ist diese "Zahl" verschwunden?

Gesehen habe ich nämlich davon ... nichts.