Mittwoch, 30. August 2017

Leinwand wider Willen


Ganz unfreiwillig und ziemlich überraschend kam ich zum Besuch einer "Ausstellung für moderne Kunst". Sie fand unter freiem Himmel statt, am Ufer der Bucht.


Das Wasser hat sich nicht beklagt.


Sonntag, 27. August 2017

Alte Ecken, neue Kanten

Bücher sind eine neue, alte Leidenschaft. Ich lese gern Querbeet in verschiedenen Genres, gerne auch nach Empfehlung. In einem Buch, das ich schon einmal gelesen habe, fand ich neulich einen Gedanken wieder, der mir schon beim ersten Lesen gefallen hat:

Der Autor beschreibt den Besuch eines Freundes. Anstatt ihm seine Stadt zu zeigen, folgte er dem Freund, der nie zuvor dort war. Daraus wurde eine spannende Sache. Für gewöhnlich nähert man sich Unbekanntem nämlich mehr intuitiv.

So lernte der Autor seinen Heimatort aus einer anderen Perspektive kennen.

DAS blieb mir im Gedächtnis haften und ich würde es zu gerne selbst mal ausprobieren.


Da gerade niemanden zu Besuch bei mir ist, kann ich nur auf einen Impuls von mir selbst warten. Wie sollte der wohl aussehen? Ich dachte dabei an einen spontanen Gedanken, etwa so: "Da war ich auch noch nicht"! Es ist erstaunlich, wieviel man vom Heimatort noch NICHT kennt.

In diesem Jahr haben mir die unzählige Zecken das Durchstreifen des Waldes gründlich verleidet. Demzufolge fand ich mich allzu oft auf gewohnten, gut bekannten Wegen wieder: Gränsö/ Sandstrand und dann ein Stück entlang des Ufers. Dort geht es dann auch auf breiten Wegen ein Stück durch Wald.






"Das war's für heute", dachte ich erst noch. Aber, unterwegs nach Hause war er dann da, der Impuls!
Er meldete sich kurz nach der Brücke, die die Insel Gränsö mit der Halbinsel verbindet. Der schmale Kanal wurde für kleinere Boote gegraben, die sich einen großen Umweg zum offenen Wasser sparen können.

Vom Parkplatz laufen wir ein Stück am Kanal entlang. Irgendwo da vorne hoffe ich auf ein Stück Meeresblick. 


Die untergehende Sonne entdeckt eine Wolkenlücke und färbt das Wasser. Im kleinen Fischerhafen liegt überall verstreut, was zur Fischerei gebraucht wird. Keine Menschenseele ist zu sehen. 

Das ist mir recht. Bei dem Anblick, der sich mir bietet, bin ich gern für mich ....


.... aber nicht lange. Bald beäugt mich vom Wasser aus eine kleine Gruppe Stockenten. Leider habe ich kein Stückchen trockenes Brot dabei. Aber sie sind großzügig und lassen mich doch ein paar "Ente im Dunkeln"- Aufnahmen machen. 






Sonntag, 20. August 2017

Die neue Nachbarin

Der Einzug meiner neuen Nachbarin geschah "über Nacht", das heißt, ich bekam ihn gar nicht mit, obwohl wir "Tür an Tür wohnen". Eines Vormittags war sie einfach da.

Wie das eben so ist, mit neu Hinzugezogenen, man schaut, beobachtet zuerst und versucht herauszufinden, mit wem man es da zu tun hat. Seltsam genug, wenn Jemand ins Souterrain zieht. Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie sie sich dort ohne Licht zurechtfindet.

Was ich erkennen konnte war, "sie ist schlank, sehr schlank, so schlank, dass man von einer Wespentaille schreiben kann". Und weil sie so schlank ist, kann sie die breiten, kontrastfarbenen Querstreifen ihres Outfits gut tragen.


Offensichtlich ist sie mit ihrem Quartier sehr zufrieden. Tags drauf waren ihre Verwandten zu Besuch gekommen. Die frappierende Ähnlichkeit kann ich nur so beschreiben:  die gleiche schlanke Taille und das Faible für Quergestreiftes, scheinbar das "Markenzeichen" der Familie, wie für Schotten das Karo.

Im Souterrain ist Platz. Beinah über Nacht vervielfachte sich die Zahl der Wohnungszugänge. Es scheint, als habe sie für ihre Verwandten Gästezimmer gebaut. Dort wo Räumlichkeiten liegen, entstehen seltsame kleine Krater. Auf jedem Gipfel befindet sich ein Loch, der Eingang.


Eine große Familie hat großen Hunger. Offensichtlich einigte man sich darauf, dass die Ältesten, Größten für die tägliche Mahlzeit verantwortlich sind. "Du bist, was Du isst"! Die Beschaffung der Essensvorräte jedenfalls stellte klar, dass ich froh sein konnte, erst einmal Zurückhaltung geübt zu haben. Meine Nachbarin und ihre Verwandten gehen nämlich auf die Jagd.


Dabei scheinen sich die Damen recht einseitig zu ernähren ... ich sah nur "Lucilia cuprina", vielleicht Diät der Wespentaille wegen?

Ganz so geräumig scheint es doch in der Behausung nicht zu sein. Der Vorrat an "Goldfliege" wird vor dem Verzehr schon mal draußen gelagert.


Ich werde das weiter beobachten und mich derweil von meiner neuen Nachbarin fern halten. Ich las bereits, sie wird zum ausgehenden Jahr wieder ausziehen.
Vielleicht besser so ;-)



Freitag, 18. August 2017

Immer langsam!

Der 15. August ist ein markanter Tag. Da bekommt die Sonne einen Knick. Ab da ändert sich so viel draußen: Licht und Stimmung vor allem. Seit dem Höchststand wurde der Winkel ihrer Strahlen kleiner, zuerst unmerklich, dann mehr und mehr. Nun bleibt es den Sinnen nicht mehr verborgen, die Natur reagiert.


Erste gelbe Birkenblätter schmücken den regennassen, schwarzen Asfalt. Vor der Tür ordnen sich die herbstlichen Accessoires um eine kleine Pfütze.

"Vad seer hon (Was sieht sie da)?", fragte der ältere Herr seinen Freund. Der schaut rüber zu mir und lacht. Natürlich kenne ich die beiden. Ich weiß auch, dass der eigentlich mich fragen wollte. Und weil man in Schweden niemanden stört, so geht das eben indirekt. Und deshalb antworte ich. "Jag seer bara höst (ich sehe nur Herbst). Nichts Besonders also, aber für mich besonders genug mit dem Fotoapparat ein paar Bilder des Übergangs aufzunehmen.

Alles geht seinen Gang. Die Hektik des Sommers ist mit der Hitze verschwunden und hat einer wohltuenden Langsamkeit Platz gemacht, die Schneckenpost inbegriffen.





Donnerstag, 17. August 2017

Ansichtssache - Norrköping

Der Entschluss war schnell gefasst, am Morgen zwischen der ersten und zweiten Tasse Kaffee.

Von Zeit zu Zeit an einen Ort zu fahren, an dem man noch nie gewesen ist, bedeutet in unserem Fall eine gute Stunde gemütliche Autofahrt, die sich noch ein bisschen verlängerte, weil wir die kleinen Straßen abseits des Touristenstroms suchten.

Eine gute Wahl, wie sich herausstellte, denn man muss auf jeden Fall den Göta-Kanal überqueren und das kann in der Hochsaison auf der Hauptstrecke lange dauern.

Die Kanalschifffahrt hat Vorrang, die Autos stehen manchmal kilometerweit.

Norrköping, mit über 100 000 Einwohnern die größte Stadt des läns Östergötland, ist eine Industriestadt mit Ostseehafen und dem Fluß "Motalaströmmen".

Die Stadt beginnt fast ummerklich. Zuerst werden die Straßen breiter und besser, dann kommt Straßenbeleuchtung dazu. Rechts und links verteilen sich weiße Villen zwischen den Bäumen.
Ist die Stadtgrenze erreicht, ist der erste Eindruck von Norrköping nichts Besonderes und wiederholt sich heute am Rand jeder Großstadt.


Und doch hat es diese Industriestadt in sich! Von uns fast 10 Jahre gemieden: "Keine Zeit, keine  Lust und kein Interesse", stand die Stadt stets im Schatten ihrer kleineren Schwester "Linköping", die schon durch Dom und Universität einen ganz anderen Klang in unseren Ohren hatte.

So etwas nennt man dann VORURTEIL.

Schon auf den ersten Kilometern kippte die Vorstellung nämlich in ihr Gegenteil.

In Norrköping sind solche Bilder nicht die Ausnahme, sondern die Regel! Es scheint, als habe sich hier ein häßliches Entlein in einen stolzen Schwan verwandelt.




Die Anlagen der Textilindustrie, nicht weit vom Zentrum am Strömmen gelegen, sind allesamt restauriert und umgenutzt: Kino, Restaurants, Museen, Fachschulen, Wohnungen und ein Wärmewerk wurden daraus: alles begehbar, besichtigbar und gepflegt.




Und zwischen manchen Häuserzeilen fühlt man sich in Dörfer mit südländischem Flair versetzt. Dort und in den nahen Grünanlagen gibts es für uns die Möglichkeit, den angestrengten Füßen und müden Köpfen die nötige Auszeit zu gönnen.


Eine Stadtbesichtigung dieser Art ist lange her. Und für's Erste war die Betrachtungsweise auch nur oberflächlich. Aber es war genug den Beschluss zu fassen, wieder zu kommen. Das dauerte diesmal nur solange man braucht, sich eine frische Tasse Kaffee einzuschenken.



Mittwoch, 9. August 2017

Im Dauerlauf durch's Gartenjahr

Das letzte Drittel hat begonnen. Das südschwedische Gartenjahr ähnelt sehr einem Dauerlauf. Schon mischen sich Wörter wie: "Herbst, einwintern", in den Sprachgebrauch der Gärtner und Imker. Bemerkenswert, dass sich das Gefühl auch am Blühen bestimmter Blumen festgemacht hat.

Dazu gehört die Kugeldistel oder wie die Art, die bei mir im Garten blüht botanisch heißt: "Echinops ritro";  ein zugegeben gewöhnungsbedürftiger Name,- dafür eindeutig.

Die Distel ist überhaupt eine spröde Schöne. Andere Arten wachsen wild, sind höchst genügsam, lieben Wärme. "Meine" Kugeldistelart zog aus dem Südosten in den Norden und fühlt sich anscheinend wohl.

Die Bienen lieben ihre kleinen speerartigen Blüten. Jetzt, wo die Bienen weniger und weniger für ihren Wintervorrat finden, kommt ihnen die stachlige Schönheit entgegen.

Leider habe ich bisher nur eine einzige Pflanze im Garten. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. Sicher gibt es Pflanzen im nahen Gartencenter zu kaufen. Aber das wäre nicht sonderlich spannend. Und so warte ich, bis die Blüten Samen tragen, dann wird gesammelt und getrocknet.







Dienstag, 8. August 2017

俳句 - Spätsommergedanken



Ein gelbes Blatt
zwischen Lavendelblüten -
fliegt auf.

                                                                                @ B&B
* Haiku - die Welt in Kurzgedicht-Form

Samstag, 5. August 2017

Elchalarm

Ja, tatsächlich, den gab es gestern Abend.

Der Weg zu einer kurzen Fototour nach Horns Udde führt direkt an unserem Koloniegarten vorbei.
Vorbei?, nein fast immer braucht es noch einmal einen Blick in den Garten, vor allem, wenn sich nach einem Regentag das Schneckenvolk breit machen will.

Die ungewöhnlich aufgewühlten Steinwege zwischen den Gärten fielen mir gar nicht zuerst auf, wohl aber die tiefen Spuren im regenweichen Erdreich der Beete. Der Größe nach zu urteilen, hätte ich nie an einen Elch gedacht, eher an Rehe oder einen Dachs. Mir waren wahrscheinlich nur die Eindrücke der Vorderhufe unter gekommen.

Die Herkunft der Spuren klärte eine Mitteilung auf dem PC auf, nachdem wir von der Fototour nach Hause kamen. Dort hieß es, dass einige zusammengerufene Schrebergärtner gemeinsam den Elch in sein Reich "entließen", das auf der anderen Straßenseite beginnt. Wie der Elch den über 2m hohen Zaun überwunden hat oder ob er aus Versehen eingesperrt wurde, bleibt immer noch ein Rätsel. Die Flucht wurde ihm durch das große Tor jedenfalls erheblicher leichter gemacht.

Archivfoto von 2011

Ein anderes Rätsel: Merkwürdig, dass ein Tier dieser Größe, obwohl es eindeutig durch meinen Garten lief, nicht eine Pflanze zertritt? Fein säuberlich setzte es seine Hufe beispielsweise neben die Pflanzen im frisch angelegten Kräutergarten.

Fotos davon gibt es aber erst heute Nachmittag.