Sonntag, 20. August 2017

Die neue Nachbarin

Der Einzug meiner neuen Nachbarin geschah "über Nacht", das heißt, ich bekam ihn gar nicht mit, obwohl wir "Tür an Tür wohnen". Eines Vormittags war sie einfach da.

Wie das eben so ist, mit neu Hinzugezogenen, man schaut, beobachtet zuerst und versucht herauszufinden, mit wem man es da zu tun hat. Seltsam genug, wenn Jemand ins Souterrain zieht. Ich kann mir nicht im Entferntesten vorstellen, wie sie sich dort ohne Licht zurechtfindet.

Was ich erkennen konnte war, "sie ist schlank, sehr schlank, so schlank, dass man von einer Wespentaille schreiben kann". Und weil sie so schlank ist, kann sie die breiten, kontrastfarbenen Querstreifen ihres Outfits gut tragen.


Offensichtlich ist sie mit ihrem Quartier sehr zufrieden. Tags drauf waren ihre Verwandten zu Besuch gekommen. Die frappierende Ähnlichkeit kann ich nur so beschreiben:  die gleiche schlanke Taille und das Faible für Quergestreiftes, scheinbar das "Markenzeichen" der Familie, wie für Schotten das Karo.

Im Souterrain ist Platz. Beinah über Nacht vervielfachte sich die Zahl der Wohnungszugänge. Es scheint, als habe sie für ihre Verwandten Gästezimmer gebaut. Dort wo Räumlichkeiten liegen, entstehen seltsame kleine Krater. Auf jedem Gipfel befindet sich ein Loch, der Eingang.


Eine große Familie hat großen Hunger. Offensichtlich einigte man sich darauf, dass die Ältesten, Größten für die tägliche Mahlzeit verantwortlich sind. "Du bist, was Du isst"! Die Beschaffung der Essensvorräte jedenfalls stellte klar, dass ich froh sein konnte, erst einmal Zurückhaltung geübt zu haben. Meine Nachbarin und ihre Verwandten gehen nämlich auf die Jagd.


Dabei scheinen sich die Damen recht einseitig zu ernähren ... ich sah nur "Lucilia cuprina", vielleicht Diät der Wespentaille wegen?

Ganz so geräumig scheint es doch in der Behausung nicht zu sein. Der Vorrat an "Goldfliege" wird vor dem Verzehr schon mal draußen gelagert.


Ich werde das weiter beobachten und mich derweil von meiner neuen Nachbarin fern halten. Ich las bereits, sie wird zum ausgehenden Jahr wieder ausziehen.
Vielleicht besser so ;-)



Freitag, 18. August 2017

Immer langsam!

Der 15. August ist ein markanter Tag. Da bekommt die Sonne einen Knick. Ab da ändert sich so viel draußen: Licht und Stimmung vor allem. Seit dem Höchststand wurde der Winkel ihrer Strahlen kleiner, zuerst unmerklich, dann mehr und mehr. Nun bleibt es den Sinnen nicht mehr verborgen, die Natur reagiert.


Erste gelbe Birkenblätter schmücken den regennassen, schwarzen Asfalt. Vor der Tür ordnen sich die herbstlichen Accessoires um eine kleine Pfütze.

"Vad seer hon (Was sieht sie da)?", fragte der ältere Herr seinen Freund. Der schaut rüber zu mir und lacht. Natürlich kenne ich die beiden. Ich weiß auch, dass der eigentlich mich fragen wollte. Und weil man in Schweden niemanden stört, so geht das eben indirekt. Und deshalb antworte ich. "Jag seer bara höst (ich sehe nur Herbst). Nichts Besonders also, aber für mich besonders genug mit dem Fotoapparat ein paar Bilder des Übergangs aufzunehmen.

Alles geht seinen Gang. Die Hektik des Sommers ist mit der Hitze verschwunden und hat einer wohltuenden Langsamkeit Platz gemacht, die Schneckenpost inbegriffen.





Donnerstag, 10. August 2017

Minigarten #1







Ein paar Leinsamen, vom Winde verweht, liegen geblieben, Halt gefunden, vom Regen bewässert, von der Sonne verwöhnt ... leben.